Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Poyet, Bernard - Renesse, Daniel
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1772497
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1773329
Primaticcio , 
Francesco. 
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Frankreich sehr verwildert habe. Die im königl. Museum des 
Louvre vorhandenen Bilder sind nach Waagen besonders nicht 
geeignet, eine günstige Vorstellung fon ihm zu erwecken. "Das 
eine, Scipio, welcher dem Allucius seine gefangene Braut ziiriick- 
gibt, ist schwach in den Linien und Gewändern, VUl1'5pllZlgGll 
und unbestimmten Formen und bunten Farben, das Fleisch aber 
von gemässigtem, klaren Ton, und der Grund dunkel. Eine un- 
verständliche Pillegorieeifst in allen 'l"heilcn von widrigster ITIanic-ir, 
hat spitze, m" iörlliige esichter, Hände und Risse, verzerrte Ste  
lungen . hellgellbes oder ziegelrothes Fleisch. ist flach unil 03g m 
der sonstigen äirbun. Es sind indessen nicht alle Wer te icses 
Meisters von so geriägem Werthe, wie dieses letztere. Ein ganz: 
vorzuglichcs Bild ist in der Bildersanimlung zu Castle Iloward: 
Penelope, wie sie dein sie liebkosenrlen Ulysses ihre Schicksale 
erzählt. Dies ist das bedeutendste Werk, welches Dr. Vvaagßn 
von Priinaticcio je gesehen hat. Die Charaktere sind sehr edel, 
die Zeichnung und Abrundung aller Theile fein und llcissigl je- 
doch die Färbung schwach. VVaagen sagt, er habr sich hier ober- 
zeugt, dass die Werke des Primaticcio auf N. Poussin in_ seiner 
Jugend einen sehr grossen, und nie_in ihin vcrloscheuen Eindruck 
gemacht haben. In der k. k. G-allerie zu Wien ist Moses, der an 
den Felsen schlägt, aus der ehemaligen Briisselcr Gallerie. Seine 
Oelbilder sind sehr selten, und da jetzt in Fontainebleau auch fast alle 
seine Freskubilder untergegangen sind, so sind die nach ihm ge- 
stochenen Blätter nin so SCllillZlNlYßP. Fiir die Geschichte der Ma- 
lerei in Frankreich sind seine Bilder von grusser YVichtigkcit. 
Primaticcio lebte eine lange [leihe von Jahren in Frankreich, 
und starb auch in diesem Lande uin ISTO- Franz I. ehrte ihn 
hoch und schenkte ihm unbedingtes Zutrauen. Nur mit Rosso 
konnte er sich nicht vertragen, und dies sollnaineiitlich die Ur- 
sache gewesen seyn, dass ihn der König nach Italien schichte. 
Nßßll dßlfl 1541 erfnleten Tod jenes Hiinstlers ward er zuriickberu- 
fQlh 1544 zum konigl. Iiammerdiener erhoben, und endlich durch 
die Gunst der Herzogin d'Est.iinpes mit der Abtei Saint-Martin 
zu Truyes belohnt, die ihm 3000 Thaler einti-ug, während Iiosso 
iiiit einem Canonikate zutrieden seyn musste. Orden wurden da- 
xäials nicht verliehen. Von jener Zeit an nannte man den geschmei- 
igen Camnierherrn auch den Abt von St. Martin, und seinen Ge- 
hiilfe Nicole hat daher den Beinamen del Abate. Unter der Regie- 
rung Franz II. erhielt er die ehrenvolle Stelle eines Oberaufsehers 
der königl. Gebäude. Primaticcio genoss also in Frankreich ein 
glänzendes Glück, und man missgünnte es ihm nicht. Er war 
nicht iibermiithig. und freigebig, besonders gegen die Iiiinstler. 
Diese verehrten ihn, selbst die Italiener. Agostino Carracci rich- 
tete ein Sonett an diesen seinen Landsmann. 
P. A. Pazzi hat für die fliirentinische Serie de Ritratti das Bild- 
niss des Künstlers gestochen.  
Stecher 
nach YVerlsexl der 
Fontainebleau. 
Schule 
V01] 
Die Reihe dieser allen Iiupferstecher beginnt Baijtsch mit Prima- 
ticcio selbst, indem ihm die Clfraclilion ein Blatt beilegt. Dieses 
verräth axllerdingswinen grnssexx Meister, dass aber dieser gerade 
Primaticcio sei; ist-fnicht- zu beweisen. Dieses Blatt ist folgen- 
cleu Inhalts:   '     
Zwei rümischefraixen stehend; jene links im Profil die Hand 
an die Brust gelegt, die andere en face mit auf der Brusk
        

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