Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Poyet, Bernard - Renesse, Daniel
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1772497
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1776775
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Rembrandt van 
Rhn , 
Paul. 
 DieNatur. hatte dem Sohne des Miille-rs Gerritz van Ryn 
ein 'l'a'lent verliehen, dessen Gleichen keine Schule aufzusteigen 
IIGLJ Ohne wissenschaftlichelienntniss der Geschichte und des 
classischen Alterthums, ja selbst dasjenige absichtlich verschmit- 
hend, was einen Iiiinstler von Bildung auszeichnet, entwickelte 
sich dieses Genie aus sich selbst zur Vielseitigkeit eines Rubens. 
.Aber wenn schon bei dem letzteren. ein dcrbsinnliches Wesen ob- 
waltet, so huldiget Rembrandt absichtlich der gemeinen Natur, 
nahm sogar eine feindliche Stellung an gegen das Studium idealer 
gereinigter Fornienscliönheit und gab das Wissenschaftliche selbst der 
LächerlichkeitPreis. Er war dabei sich seiner Absicht stets klar he- 
wusst, aber mit plebejischem Eigensinne folgte er nur seinem 
Hänge zum Seltsainen und Abenthetierlichcn. Er wollte einmal nichts 
Anderes zur Anschauung bringen, als was er in seiner Verachtung 
alles Höheren um sich sah. Mit wahrer Ironie v-viihlte er iilter 
unter der ihn umgebenden gemeinen Volksklasse die Helden seines 
der Bibel oder der Geschichte entnommenen Dramas, und wenn er 
auf das Cdstum nur Einiges verwenden wollte. so machte er seine 
verlegenen Kleidungsstücke eines Tiirken und polnischen Juden, seine 
verrosteten Panzer und das andere seltsame Geriithe seines Ateliers 
zu. recht. Diese Trödlerwaaren nannte er die Antiken, nach wel- 
chen er arbeite. Man muss aber nicht glauben, dast diess sein 
ganzer Vorrath war, wir wissen aus einem von Smith und Nieu- 
wechuys (Review cf t-he livcs and works of the most eminent pain- 
1er; P. 16  29) bekannt gemachten "Alttenstiicke, dass sich in 
seiner Sammlung wirklich mehrere antike Bildwerke (vermutli- 
lieh in Abgiissen), dann Zeichnungen von Vaterländischen lYlei- 
steru und Gemälde von Italienern, sogar eine Madona von 
Rafael und Iiupferstichc nach diesem Meister befanden. Ueber- 
diess bewahrte sein Antiquarium ein Buch von türkischen Costii- 
men, Kleider eines Indianers und einer Indianerin, einen indi- 
schen Helme, eine indische Büchse, ein türkisches Pulverhorn, ei- 
nen Harnisch, ein Paar Becher, und wenn wir auch noch die 
Exuvien einestpolnischen Juden dazurechnen, so haben wir den 
ganzen Vorrath, dessen sich Rembrandt zur Ausstattung bediente- 
Zum lebenden Modelle nahm er seine Frau und seine Magd, oder 
andere Personen gemeinen Schlages, deren (Jostum er sogar utl 
beibehielt, wenn ernicht Zeit genug fand; in seiner liiistkaininer 
zu suchcnz-Ä  
 "Sowie es aber dem Rembrandt nicht um Darstellung edler 
Charaktere und jener erhabenen Ruhe zu thnn war, welche das 
Anschauen vollendeter Schönheit gewährt, so kümmerte er sich 
auch nicht um strenge Correktheit der Zeichnung. Er gibt keine 
scharfbezeichneten Formen, sondern nur die Andeutung derselben 
durch einen starken, gewaltsamen Pinsel, mit welchen er nicht 
für die Nähe, sondern nur für die Ferne arbeitete. Rembrandt 
sagte auch einmal, ein Gemälde sei nicht gemacht, um daran 1.11 
riechen; denn die Farbe sei ungesund. Nur die IiiiPle sind gut 
gezeichnet, die Richtigkeit der übrigen Glieder und die Schön- 
heit ihrer Verhältnisse waren ihm Nebensache. Wunderbar sind 
aber seine Bilder imtlelldtinkel und in der Farbe. Waagen, Kunst- 
werke IIL, 582 nennt ihn in Rücksicht des Helldunkels den hglliill- 
dischen Correggio, nur mit dem Unterschiede, dass, wie bei dlßßvlll 
das Licht und eine allgemeine Ileiliglteit, so bei Rembrandt der 
Schatten und eine allgemeine Dunkelheit, woraus nur Blhlülllß 
stark beleuchtete Gegenstände hervorspringen, verwaltet. Zu die- 
ser Art von Beleuchtung haben nach Waageifs Ueberzeugung ähn- 
liche Bilder des G. Llonthorst die erste Veranlassung gegeben, W611"
        

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