Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Poyet, Bernard - Renesse, Daniel
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1772497
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1776754
Rembrandt van Ryn, Paul, Maler und Rupferstecher, jener 
Meister, der" nach Buben! Tod, dem Haupte der flamiixidischen 
Schule, die Bliithezeit der holländischen bezeichnete, und bei aller 
Bizarreriein seiner subjectiven Richtung zu nicht geringerem An- 
sehen gelangte, als jener Meister, mit dem er im Widerspiele 
steht. Rembrandt wurde den 15. Juni 1606 in einer Mühle am 
Rheinkanale zwischen Leydendorp und Iioul-ierk bei Leyden ge- 
boren. Sein Vater hiess Hermann Gerritz und seine Mutter van 
Suidbroeck, der Beiname van Ryn wurde ihnen aber von der 
TVIiihle am Rheinkanale. Diesen Beinamen behielfauch Rembrandt 
bei; den Taufnamen Paul hat er aber wahrscheinlich nie geführt, ob- 
gleich einige Schriftsteller (Eberlein, Fiissly, Burtin, Claussin, Bartsch 
etc.) ihn so nennen. Holländische Schriftsteller und die Zeitgenossen 
des Künstlers wissen nichts davon, und so mag es immerhin seyn, 
 dass der Name Paul aus der unrichtigen Erklärung eines Mono- 
gramms des Künstlers entstanden ist, wo das undeutliche R für P 
genommen wurde. B. van Eynden und Ad. van der YVilligen, 
Gesch. der vadcrl. Schilderliunst I. 598, machten darauf schon 
früher aufmerksam.  
Der Müller Gerritz glaubte in seinem Sohne Talent zu den 
Wissenschaften zu erkennen, und schichte ihn desswegen in das 
Collegium zu Leyden. Rembrandt sollte da die Humaniora stu- 
diren, allein er machte hierin viel weniger Fortschritte, als im 
Zeichnen. Endlich beschloss der Vater, ihn Maler werden 
zu lassen, und sorgte für einen Meister. Einige Biographen 
nennen den Georg vnn Schooteu als solchen, andere den J. Pinas. 
Houbracken versichert, dies sei Jakob van Swanenbourg gewesen, 
bei welchem er drei Jahre verweilte, worauf der Jüngling zu Peter 
Lastmann kam, den er aber nach sechs Monaten wieder verliess, 
um in J. Pinas' VVerkstiitte zu arbeiten. S0 sagt Houbrachexi, und 
Rembrandt hat vielleicht bei allen diesen Meistern gelernt, nur 
bei keinem lange. Diese Meisten sagten seiner Eigenthiimlichkeit 
nicht zu, und so verlicss er die Stadt, um auf seiner Mühle am 
Rhein sich selbst zum Meister heranzuhilden. Er malte da mit 
unermiidetem Fleisse, und nahm jedes Wesen zum Modelle, das 
sich seinen Augen darbot, unbekümmert um die Schönheit der 
menschlichen Form und was sie bekleidet. Dennoch hatte Rem- 
brandt schon in der väterlichen Miihle nach Geschmack und Laune 
Bilder von bedeutendem Werthe geliefert, aber ohne an den Ver- 
kauf derselben zu denken, bis ihm endlich ein Freund den Rath 
gab, einem Iiunstliebhaber irn' Haag ein solches anzubieten. Dieser 
zahlte ihm 100 Gulden, eine Summe, die dem. Jüngling fast den 
Kopf verrückte. Er eilte jetzt nach Hause, um seinen Reiehthum 
zu zeigen, aber noch immer fiel es ihm nicht ein , in einer gräs- 
seren Stadt Ruhm zu suchen. Im Jahre 1630 liess er sich endlich 
in Amsterdam nieder, und da verbreitete sich sein Ruf in kurzer 
Zeit so sehr, dass er zur Befriedigung der Bestellungen fremder 
Hände sich bedienen musste. Er nahm Viele Schüler an, mie- 
thcte zu diesem Zwecke ein grosses Magazin, und wics einem 
Jeden seine abgeschlossene Stelle an, damit Keiner zerstreut wiirde. 
Die Wohnung des Meisters theilte jetzt eine speeulative Hausfrau. 
eine artige wohlbeleibte Bäuerin seiner Gegend. Um vornehme 
Gesellschaft hatte er sich nie bckiiminert und vergebens bemühte 
sich der Bürgermeister Six, den Iiiinstler aus seiner gemeinen Um- 
gcbung zu ziehen. Er ging nur mit dem Pöbel um, und entschul- 
digte diess damit, (lass er sagte, er suche in den Mussestunden 
nicht Zwang bei denlGrossen, sondern Freiheit, wo er sie finde. 
Rembrandt war überhaupt ein Sonderling, im Leben wie in der
        

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