Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Poyet, Bernard - Renesse, Daniel
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1772497
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1776093
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Bazzi , 
Gianantonio. 
von Zwei Ordcnsschvrestern, ein Engel die Eucharistie reicht, wäh- 
rend" oben Gott Vater, und Maria mit dem Jesushintle erscheint. 
Nie kann man Andacht und Frömmigkeit wahrer malen, als in 
diesem Bilde, mit seinen unbeschreiblich schönen Engellsnaben. 
Das zweite Gemälde, auf der anderen Seite der VVand, stellt die 
Heilige in Ohnmacht dar, welche ihr der Schmerz verursachte, 
als, derLegende zufolge, glänzende Lichtstrahlen ihre Seite, I-Iände 
und Füsse berührten, während Christus oben voriiberschwebt. 
Dieses Bild verkündet vor allen die höchste Meisterschaft. Ueber 
die Gesichtszüge der Heiligen ist eine wunderbare Anmuth des 
Schmerzes ausgegossen. Domherr Speth, Iiunst in Italien II. 27. 
spricht sich mit Begeisterung über diese Bilder aus, namentlich 
über letzteres: "Es war hier keine äussere Handlung darzustellen," 
sagt er, "nur Vision. Der Geist in seinen innersten Iiern, die 
Seele, zurückgezogen, empfand und litt unbeschreiblich. Diesen 
Kampf der Seele zwischen geistiger Sehnsucht und himmlischem 
Schmerze wollte Sodoma uns schildern, darum ward von ihm jedes 
äussere Motiv verschcucht. Wir sehen nicht die heisse Glut der 
Strahlen, es sollte hein Schaugemiilde seyn, unser Mitgefühl wollte 
er in seiner Tiefe erfassen; fühlen sollten wir mit der Heiligen 
den brennenden Schmerz, aber den unendlich gemilderten durch 
die glühende Sehnsucht nach dem Lichte. So  fahrt Speth fort. 
,.sehet nur, ganz so liegt sie hier in den Armen zweier Ordens- 
schwestern. Aber was sehet ihr? nicht Schmerz, nicht Sehnsucht, 
und doch Beide! aber in Schmerz aufgelöste Sehnsucht, und in 
Sehnsucht vergangenen Schmerz; ein Bild unbeschreiblicher Mi- 
schung sehet i r, ein VVunder von Durchdringung ewig getrennter 
Empfindungen, ein Suchen, was sich unaufhörlich flieht, und ein 
Finden zugleich, was sich nimmer sucht; Leiden und Seligkeit, in 
einen Moment zusammengezogen u. s. w." Andere sehr bemer- 
ltenswerthe Gemälde führte Razzi mit Pacchiarotto und Beccafumi 
im Oratorium der Bruderschaft des heil. Bernhard zu Siena-aus. 
In dieser Kapelle malten sie die Geschichte der Maria in mehreren 
durch Pilaster getrennten Bildern mit überlebensgrossen Figuren. 
Der grüsste Theil dieser Gemälde rührt von Sodoma her, sein edler 
milder Geist hat aber das Ganze durchdrungen. Die vorzüglich- 
sten Bilder RazzPs sind hier die Opferung und Heimsuchung 
Marions, und ihre Aufnahme in den Himmel. Vasari war von der 
Schönheit dieser herrlichen Werhe nicht gerührt, und hat alles 
nur dem Zufall zugeschrieben, was Sodoma, der grosse Narr, 
(il mattaccio), wie er ihn immer nennt, geleistet. Es sind aber 
dieses nicht die einzigen Werke des lYIeisters in Siena. lm öffent- 
lichen Pallaste (Palazzo della Signoria) sind ebenfalls verschiedene 
Wandmalereien von ihm, worunter sich die Bilder des hl. Ansano 
und Sxßarnardo Tolomei besonders auszeichnen. Vorzüglich schön 
ist auch das Altarbild der Kapelle der Signoria, die hl. Jungfrau 
mit dem Iiinde zwischen St. Joseph und St. Callisto vorstellend. 
In S. Agostitio zu Siena ist ein vorzüglich schönes Bild der An- 
betung der Iiötiige. In S. Francesco daselbst ist eine Iireuzab- 
nehmung von 1515, so sehiid geordnet, als irgend ein KVei-h jener 
Zeit. Speth l. c. II. 134 schildert auch dieses Bild mit Wärme, 
nennt es bewunderungswürilig, eine kostbare, aber wie es scheint, 
wenig geachtete Perle. Speth fühlt sich zuwler Behauptungllß- 
reehtiget, dass Sodoma, der Seneser Rafael, in diesem einzigen 
Bilde sich auf der höchsten Stufe seiner Iiunstvollendung zeige. 
Leider ist dieses Wfcrli, mit welchem Sodoma selbst vor liüliilel 
nicht erröthen (larf, beschädigt-t. Auch in S. Spirito zu Siena sind 
Proben seiner Kunst.
        

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