Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Poyet, Bernard - Renesse, Daniel
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1772497
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1775854
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B avenna , 
Marco 
"vielleicht das Bacchanale von 1515 das erste seyn dürfte, welche. 
mit BS. bezeichnet ist, was natürlich mit der Lebenszeit des Se 
verus nicht mehr zusammen zu reimen wäre. Auf der andern Seiti 
sagt aber Zani wieder, dass er denjenigen, die das Zeichen HE 
dem Silvester oder dem Simon von Ravenna beilegen wollen, nicht: 
entgegnen könnte, und im Verlaufe seines Werkes legt er es selbs 
immer dem Silvester bei. Zuletzt fügt Zani sogar noch bei, diese: 
Zeichen könne dem Marco da Ravenna gar nicht angehören, weil 
er nach dem Beispiele des Augustin von Venedig die Initialen sei- 
nes Taufnamens und seiner Vaterstadt hätte zusammenstellen müs- 
sen. Allein es ist kein mit lYIR bezeichnetes Blatt bekannt, dir 
Hypothese Zani's überhaupt unhaltbar. Siiuone-da Ravenna ist mi1 
jenem Silvester von Ravenna aus der Luft gegriffen, obgleich ex 
in den Catalogen von Helle, Glomy, Remy etc. genannt wird. Dem 
Halle haben die Andern nachgeschrieben. „ 
M. Malpe, der anonyme Verfasser der Notices des Graveurs , Be- 
sancon, 1807, ist derjenige, welcher aus der sorgfältigen Vergleichung 
dieser Blätter die Ueberzeugung schöpfte, dass sowohl die mit B., als 
mit dem Monogramm RS bezeichneten von derselben Hand her- 
rühren. Durch Bartsch und einige andere Chalkographen unsers 
Jahrhunderts ist diese Ansicht die herrschende geworden, und Za- 
netti (Cabinet Cicognara, Venise, 1357) ist derjenige, welcher die 
verwirrten Angaben über Marco Dente, wie heiner seiner Vorgän- 
ger gelichtct hat. Aber trotz des schlagenden Beweises, dass Marco 
Dente 1527 bei der Einnahme von Boni umgekommen, lässt Dr. 
Ferrario {Classiche stampe, Milano, 1835) mit Malpe den Iiünstler 
erst 1550 Sterben, und Ticozzi,_Dizionario degli architetti, scultori, 
pittori etc., Milano, 1855, Wlll aber die Suche noch besser wis. 
sen, indem er geradehin behauptet, dass Mnrco da Ravenna nach 
BafaeYs Tod sogleich ins Vaterland zurückgekehrt sey, und da bis 
1550 den grössten Theil seiner vielen Blätter gestochen habe. Sign. 
Ticuzzi weiss also nichts von Zani's Entdeckung, nichts von den 
Werken seiner Landsleute Bossi und Carrari. Wenn spätere Da- 
ten als 1527 auf Marco da Bavennafs Blättern vorkommen, so deu- 
ten diese auf zweite Auflagen, die von andern Verlegern veran- 
staltet wurden.  
Die Blätter des Marco da Ravenna sind im Stiche sehr un- 
gleich, bald im Gesehxnacke seines Nebenbuhlers Agostino de Musi 
(Veneziano), noch öfter in der Weise seines Meisters behandelt. 
Den ersteren übertraf er an Reinheit und Zierlichheit des Stiches , 
aber sein glänzendes Machwerk entschädiget nicht für die, beson- 
ders in den Umrissen, schwache Zeichnung, in welcher er unter 
beiden Meistern steht. Am grössten erscheint er als Copist; wenn 
er aber sich selbst überlassen bleibt, zeigt er besonders in leich- 
nung und Ausdruck Mangel an eigenthümlicher Einsicht. Zur 
Selbstständigkeit eines Marc-Antoirund Agostino Veneziano er- 
hob er sich nicht. Wenn es aber galt, ein Blatt Marcantonids bis 
zur Täuschung zu copiren, war Marco Dente vor Allen geeignet. 
Als Beweise dieses seines grossen Nachbildungs-Vermögens nennt 
Bartschbu. a. vornehmlich, den Iiindermord ohne Bäumchen (Chicö!) 
und das Urtheil des Paris; allein die beiden Darstellungen d? 
Iiindermordes sind wahrscheinlich von einem und demselben Me" 
ster gestochen, von Marcantun selbst. Doch auch das Urtheil des 
Paris beweiset, dass kein anderer den Baimondi so gut copifl hab 
Die Gleichheit des Styls mit jenem Blatte, und das Verdienst des. 
selben, bewog den berühmten Verfasser des Peintre-Graveuß auch 
andere alte Copien nach Marc-Anton dem Bavennaten bell-ulßgß", 
wie die Madonna mit der Palme, den Bau der Arche, d": Marler
        

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