Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Poyet, Bernard - Renesse, Daniel
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1772497
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1772815
Prag , 
Theoderich 
VOD- 
die heil. Ursula mit dem Pfeile und Palmzweige, die heil. Elisa- 
betli, Landgräfin von Thüringen in lslösterlicher Kleidung, wie 
sie einem armen Manne Speise reicht. mild und freundlich; die 
heil. Iilara, die heil. Agnes mit Lamm und Palme, im grauen 
mit Edelsteinen besetzten Gewande. Aus allen aber leuchtet die 
heil. Ludmilla hervor. Sie hat ihr schönes, ernst mildes Angesicht 
gerade vorwärts gerichtet, die edelgeformten Hände sind zum Ge- 
bete erhoben, ein weisser Nonnenschleier umhiillt ihr Haupt, auch 
der Iiiirper ist in weisse Gewänder gehüllt, diese scheinbar von 
dickerem, reicherem Stoffe als der Schleier, sehr schön und einfach 
gezeichnet. Der Hintergrund ist ultramarinblau, ein goldener, 
mit gepressten Verzierungen geschiniickter Strahlenschein umgibt 
das Angesicht. In der Nähe der heil. Ludmilla endlich sieht man 
eine schöne blonde Jungfrau, die in den Händen eine Kapelle 
hält, und zwei Nonnen, wovon eine in brauner Harmeliterklei- 
dung, einen Scepter in der Hand hält, die andere aber ein hiin- 
melblaues Gewand mit weissein Schleier trägt, in den Händen ein 
offenes Buch. 
Die Wand gegenüber zeigt wieder lauter männliche Heilige, Bi- 
schöfe mit Büchern und Hirtensti-iben, den heil. Laurentius und 
den Erzinartyrer Stephanus , den heil. Dionysius , mit den Werk- 
zeugen ihrer Marter. So wie man dem Altare näher kommt, tre- 
ten die unmittelbaren Gefährten Christi und seine Zeitgenossen 
vor die Augen: Johannes der 'I'äu'fer mit dem Lamnie; die heil. 
Evangelisten, unter welchen die jugendlich schöne und blühende 
Gestalt des Johannes sich auszeichnet; die heil. Mutter Anna, mit 
ihrer Tochter Maria und dein Jesuslsindlein, alle auf einem Bilde 
nach gewöhnlicher Weise zusammengestellt. An den äussersten 
Ecken sieht man wunderschöne Engelchen , mit reizenden runden 
Gesichtchen, besonders einen Schutzengel, der die ihm anvertraute 
Seele, deren Gestalt an Iiarl IV. selbst erinnert, schützend be- 
wehrt, und zum Ziele des Lebens hinweiset.  Die Zeichnung 
der Gesichter ist im Ganzen für jene Zeit ziemlich gut; man er- 
kennt in ihnen überhaupt das Streben nach dem Idealen, oder 
nach einer mehr typischen und herkömmlichen Form, wie dies in 
der byzantinischen und alt-italienischendiunstweise der Fall ist, 
wogegen die deutschen Meister jener Zeit schon mehr die Natur 
in ihrer ganzen Schärfe, aber unbehultlich, nachzuahmen suchten, 
wodurch sie meist in Carrihatui- verfielen. lndess bleibt es wahr, 
dass Theoderichs Köpfe den entgegengesetzten Fehler haben, und 
unbestimmt. geschwollen und muslcellos erscheinen. Augen und 
Mund sind meist schön und edel, der Blick fast iminer seelenvoll, 
tief und durchdringend, und gibt den Bildern den grössten Werth, 
über dem man viele andere Unvollkommenheitcn vergisst. Die 
Nase dagegen pflegt Theoderich fast immer ins Profil zu stellen, 
was bei den Köpfen en face natürlich am unau enehmsten auffällt. 
Die Hände sind manchmal recht schön gezeicäinet. Das Colorit 
der männlichen Köpfe ist meist wärmer und besser, als jenes der 
weiblichen, bei welchen die grauen kalkigen Töne, zumal in den 
Schatten, vorherrschen. Die Lichter sind nirgends stark aufgetra- 
gen, sondern alles ist glatt und verbunden._ Die Haare scheinen 
nicht so unverständig gemalt, als Fiorillo meint; auch die Hände 
haben oft eine sehr wahre Farbe. Was die Gewandung betrillit, 
so lässt sich nicht von allen gleich urtheilen; einige, z. B. das 
weisse Gewand der heil. Ludinilla, zeigen Spuren eines gut gedach- 
ten und nach der Natur verständig gemalten Faltenwurfes; andere. 
vorzüglich männliche Kleider. hat die seltsame Behlebung mit ver- 
goldeten Gypsplättchen, die, ohne alle Rücksicht auf den Gang der
        

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