Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Poyet, Bernard - Renesse, Daniel
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1772497
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1774856
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Baimondi , 
Marcantonio, 
jziemlich allgemeine Meinung, dass die Darstellung mit dem 
Bäumchen noch ziemlich unmittelbar unter den Augen Pia- 
fael's gestochen wurde, so vstie auch Vasari vom Stiche des 
Vliindermordes behauptet. ,Die k. k. Bibliothek zu Wien 
besitzt einen Probedruck, welchen Rafael selbst mit grosser 
Geduld mit der Feder retouchirt hat. Alle Umrisse sind cor- 
rigirt, erweitert oder verengert, je nachdem es ihm nöthig 
schien, sie richtiger und zierlicher zu machen. Mit beson- 
dercrßeuauigkeityrsind die Üebergänge vom Schatten in's 
Licht angegebene Er harsich hier der Punkte bedient, um 
die Schatten mehr verlaufen zu machen, und zugleich dem 
.Gegenstand mehr Rundung zu geben. Dann stimmt auch 
die Manier des Stiches, das cigenthiimliche Feuer ganz mit 
iandern noch zur Lebzeit BafaePs entstandenen römischen 
{Arbeiten Baimondiß iiberc-imdie. Harmonie des Ganzen aber 
und dienllegeliruiissiglteit der, Schraliirc, die freier-e, breitere 
Behandlung, yvelche im Blatte ohne Bäumchen sich kund 
gibt, bemerken wir nur in den VVerken seiner spätern Zeit. 
jWir stimmen jnit denjenigen, Welche glauben, dass Marc- 
_._Anton beide Blätter gestochen habe, vollkommen überein. 
indem  Verschiedenheit der Arbeit und die Veränderung 
 in der Comgosition, am allerwenigsten aber die Bezeichnung, 
keineswegs yerschiedeue Hände beurkunden. VVartnn sollte 
Marc-Anton spiiter sich nichtnwieder an den Stich eines 
Bildes gemacht haben, welcher ihm Ruhm und Vortlieil ge- 
Jnacht hatte? Beide Blätter sind -nur,ein'es Marc-Anton wür- 
Mdig, Augustixi vongVenecLig-erreichte.in seinen bekannten. 
ihm ganz zugeschriebenen Blätterny diese Vortreftlichkeit 
nicht. Die Blätter sind in gleicher Grösse 10 Z. liL. hoch und 
 15Z. 10L. breit, aber nicht Copie das eine von dem andern, 
da sich, bedeutende Veränderungen zeigen. Dennoch glaub! 
Zanetti, dass beide Blätter nach Einer Zeichnung gestu- 
chen seyen, welche damals im Besitze des Cardinals von Este 
sich befand. Diese Zeichnung kam später nach Holland, 
wo sie vor einigen Jahren Dr. Iluybcns erwarb, und dann 
selbe an das k. Cabinet in Dresden abliess. Im Kunstblattß 
von 13,32 _Nro. 25. wird darüber benachrichtet. M. Steinlß 
 hat sie in Kupfer gestochen. Zanetti erwähnt aber aussßl" 
der Zeichnungdes Cardinals Este noch zweier anderer, diß 
ebenfalls dem Rafael zugeschrieben werden. Die eine, in 
rother Kreide, schon von Zani citirt, befindet sich zu Neapel 
in der Sammlung des D. Ciccio de Lucca, die andere war 
schon zu Zeiten des A. von Bartsch in der. Sammlung dßi 
Prinzen Ch. de Ligne. 
Die unterscheidenden Merkmale der beiden Stiche sind 
folgende: 
A. Auf dem Blatte mit dem Tanncnbäumchen liest man: 
[BAPH -_VBBJ  JNVE  MA (zusammenhängend) 
B. Das Blathohne Bäumchen ist. bezeichnet: IlAPHA " 
VBBJ  ÄINVTEN  MAF (zusammenhängend). Bei 5' 
ist das Haar der beiden Henker am Bande durch ein Vflll" 
kommen sichtbares Band gebunden, bei B. ist es ntßllt 
Amehr zu sehen; dann ist imbcrsteren Falle das Ohr des 
Henkers mit dem Dolche von den Haaren nurhalb, f: 
zweiten ganz bedeckt. Die Frau zur rechten, deren {im 
,mit dem Dolche bedroht ist, hat bei A. ein mit einer 
schönen Stickerei eingefasstes Iileid an, bei B. ist ab? 
diese Franse ärmlich. Dann sind im älteren Stiche die
        

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