Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Poyet, Bernard - Renesse, Daniel
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1772497
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1774842
Baimondi , 
Ißiarcanfonio. 
Schrechlichen des Gegenstandes vollkommen anssiihixt. Mal- 
vasia sagt, dass Marc-Anton dieses Blatt fur einen römischen 
Privatmann gestochen habe, mit der Verpflichtung, weder 
fiir sich, "noch für einen-andern die Darstellung im Stiche 
zu wiederholen. Allein Raimondi soll sich durch den Bei- 
fall, welchen dieses Blatt erhielt, und durch die HoFfnung 
zum Gewinn haben verleiten lassen , den Hindermord nach- 
zustechen, was den Besitzer der ersten Platte zur tödtlichen 
Rache reizte. Vasari vveiss indessen nichts von dieser Anek- 
dote, obgleich er den Stich kennt, und auch Malvasia sagt, 
er könne die Wahrheit nicht verbiirgen. Desswegen nimmt 
man die Suche jetzt allgemein als Fabel. Dass aber zweier- 
lei Platten mit dieser Darstellung existirten, ist gewiss. Man 
unterscheidet die Abdrücke an einem Tannßnbänmchen, wel- 
ches im Grunde rechts, nahe den Plattenrande aus einer 
Gruppe von Biiumen emporragt. Daher heisst es nun der 
Iiindermord mit dem Bäumchen, welches im Französischen 
unter Chicot oder Forgere, im Italienischen unter dem 
Ausdrucke: Fel ce, Felcetta oder Al b ero bezeichnet wird. 
Eine andere Frage ist die, ob beide Stiche mit und ohne 
Bäumchen, von Marc-Anton herruhren, und welchem Künst- 
ler die Wiederholung angehöre, wenn Raimondi nur eine 
Platte gestochen hat. Malvasia, dessen Felsina pittrice 1673 
zu Bologna gedruckt wurde, ist der erste, welcher dem Bai- 
mondi beide Platten zuschreibt, und dessen Commenta- 
tor theilt dieselbe Meinung, fiigt aber bei, dass die Wie- 
derholung noch sorglältiger und zierlicher behandelt sei. 
Diess ist nach seiner Ansicht la Strage di Felcetta. Heinecke 
tritt der ältern Meinung bei, und Huber schreibt ihr nach, 
Ottley hält ebenfalls beide Blätter für Arbeit Marc-Antons 
von welchem aber die Darstellung ohne Fichtenbäumchen 
erst mehrere Jahre später erschienen seyn dürfte.- Armano 
Malaspina, Longhi, Ferrario, Zanetti, Biihlen u. A. erklären 
sich ebenfalls dahin. dass Marc-Antonio den liindermord 
zweimal gestochen habe, es gehen aber nur wenige auf die 
Bestimmung der Priorität ein. Bartsch steht an der Spitze 
derjenigen, welche behaupten, dass nur der Massacre au 
Chicot von Marc-Anton herrühre, und das Blatt ohne 
Bäumchen eine Wiederholung des-Agostino Veneziano sei. 
Graf Cicognara (im Giornale delle belle arti, Venedig, 1855 
S. 501) theilt dieselbe Meinung und sucht sie durch Griinde 
zu rechtfertigen, die besonders auf der Vergleichung des 
Styls und des Verdienstes beider Blätter beruhen. Einzeln 
steht Zani da, welcher, Bartsch, Frenzel, Zanetti u. A. ent- 
gegen, die Darstellung ohne Bäumchen für Originalstich des 
Marc-Anton und jene mit demselben für Wiederholung des 
Marco di Ravenna erklärt. Zani stützt seine Meinung nur 
auf zwei unhaltbare Gründe, nämlich dass man auf dem 
Blatte ohne Felcetta das gewöhnlichem aus MAF bestehende 
Zeichen finde, und dass die Mehrzahl derCopien ohne 
Bäumchen sei. 
Fassen wir nun die verschiedenen Meinungen zusammen, 
59 ergibt sich vor allen, dass die alten Schriftsteller von 
einer zweiten Darstellung das liindermordes gar nichts wis- 
Sßn- und dass die Mehrheit der neueren beide Platten als 
Yyerh derselben Hand betrachten. Nur wenige, aber sehr 
gilUgfr AUSlChten nehmen das Blatt mit dem Bäumchen ein- 
zig lur Marc-Antotfs Werk. Es herrscht aber jetzt auch die
        

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