Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Poyet, Bernard - Renesse, Daniel
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1772497
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1774738
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Baimondi , 
IMarcantdnio. 
und des Malers Baccio Bandinelli seine Freiheit wieder erhielt. 
Diese Geschichte erzählt Vasari, sie wurde aber in neuerer_Zeit 
mehrfach bezweifelt, weil man keine Iiunde von irgend einem Ab, 
drucke der 20 Blätter hatte. Allein die Sache ist dennoch wahr, 
es hat sich aber vielleicht nur ein einziges vollständiges Exemplar 
erhalten, welches im königlichen liupfersticliJiabinete zu Paris 
aufbewahrt wird, wahrscheinlich dasjenige, welches 1775 bei der 
Auktion der Mariettdschen Sammlung um 80,000 Fr. gekauft wurde. 
Bartsch' beschreibt nur ein einziges Blatt dieser unter dem Na- 
men "der Stellungen, Postures" bekannten Sammlung, die aber 
nicht mit einer späteren zu verwechseln ist. 
Nachdem Raimondi seine Freiheit erlangt hatte, stach er aus 
Dankbarkeit die Marter des heiligen Lorenz nach B. Bandinelli, 
ein Meisterstiick, welches ihm die Gunstdes Pabstes wieder gewann, 
aber den Hass BandinellVs erregte. Letzterer klagte nämlich im 
Publikum und auch bei Clemens VIL, dass sich Marc-Anton beim 
Stiche willkiihrliche Aenderungen der Zeichnung erlau-bt habe. Im 
Bewusstseyn nichts Tadelnswverthes gethan zu haben, eilte liaimondi 
selbst nach dem Vatikan und legte dem Pabste den Iiupferstich 
nebst der Zeichnung vor, um darüber zu entscheiden. Das Ur- 
theil fiel dahin aus, dass Marc-Anton nicht allein keine Fehler 
gemacht, sondern "dass er deren im Gegeutheile mit vieler Umsicht 
verbessert und überhaupt die Originalzeichnung im Ganzen über- 
troffen hätte. Der Pabst, ebenso wie Iiaimondi von der Grazie Ra- 
faePs, von der Schönheit und Bedeutung der Werke aus der ihn 
umgebenden blühenden Schule eingenommen, musste an dem_ Sli- 
che lVlnrc-Antorfs immerhin griisseres Wohlgefallen finden, da 
letzterer den etwas rohen und ruanierirten Styl BandinellPs rafae- 
lisirt hatte. Dieses ist aber zugleich auch ein Beweis, dass Bai. 
mondi selbstständiger liiinstler war.  
Im Jahre 1527 traf den Iiiinstlei- neues Unglück. Die Spanier 
eroberten-damals Rom mit Sturm, verübten Grausamkeiten und Plün- 
derungen.  Marc-Anton verlor seine ganze Habe, und fast als ein 
Bettler kam er in Bologna an, wo jetzt seine Spur verschwin- 
det. Vasari sagt, er sei bald nach seiner Abreise von Rom daselbst 
gestorben, und dieser Schriftsteller ist jedenfalls der Wahrheit näher 
gekommen, als Gav. Fuge und _Zan'i, wovon ihn der erstere 1520, der 
letztere schon 1518 sterben lässt, aus dem sonderbaren Grunde, dass 
Marc-Anton die letzteren Werke" llafaeYs nicht mehr gestochen hßß 
(Malpe setzt "sein Todesjahr 1559, G. Longhi, in seinem Werke über 
die Iiupferstecherei, lässt ihn 1546 sterben, Malaspinä dehnt seine 
'Lebenszeit bis 1550 aus, u. s. w. Malvasia erzählt, der Künstler 
sei von einem römischen Edelmanne ermordet werden, weil 81' 
der Üebereinltunlt zuwider den Iiinclermord zum zweiten" Male 
gestochen hatte. lDiesc Angabe ist jedoch nicht bewiesen. Auch 
die Behauptung dieses Schriftstellers, dass Marc-Antonio nach B?" 
faePs Skizzen gut, ja zur Bewunderung des Meisters gemalt habe: 
bleibt dahingestellt. 
 Marc-Antonä: Werke. 
Unter den Schriftstellern, welche über das Leben unddie Werke 
des Marc-Anton geschrieben haben, steht Bartsch (Peintre-graveur 
XIV. A Viennc, 1815) noch" immer oben an. Vor ihm hatte Heiß" 
Chß die grösste Authorität, trotz seiner vielen lrrthiimer, Wieder" 
holungen und Mangelhaftigkeit. Ottley (An lnquiry etc.) hat {last 
nur einen Auszug aus Bartsch gegeben, und ein einziges Blatt 
hinzugßsctzt, welches das Gegenstück zu Nro. 120 Zu seyn schelnh 
Zani (Euciclopetlia metorlica, Parma 1820 ff.) gibt hier und da Qlne 
andere Ansicht, die aber den von Bartsch bezeichneten Gang nicht
        

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