Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Poyet, Bernard - Renesse, Daniel
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1772497
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1774718
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Baimondi , 
Dlznwiantonio. 
vollkommener. Und es konnte bei dem Talente RaimoudPs auch 
nicht anders kommen, musste im Gegentheile zu dem glücklichsten 
Resultate fiihren, da sich Rafael selbst im hoben Grade fiir diese 
Kunst interessirte, welche im Stande war, seinen Ruf durch ganz 
'Europa zu verbreiten. Man glaubte sogar, dass Rafael selbst Öfter 
die Umrisse gestochen habe, wenn es ihm daran lag, die griisstrniig- 
lichste Bestimmtheit und Sicherheit der Zeichnung im Stiche eines 
seiner Werke zu erreichen; allein dieses bleibt als spätere Sage 
dahingestellt, da weder Vasari, noch ein anderer alter Schriftsteller 
davon Meldung macht. Es thut sogar der hohen Meisterschaft ei- 
nes Rafael wenig Eintrag, wenn wir im Gegentheil glauben, dass 
seine Hand im Stiche diesen Schwung und diese Reinheit der 
Linien Marc-Antomscher Blätter nicht erreicht hätte. Es war 
schon Vortheil genug fiir Piaimondi, unter den Augen eines sol- 
chen Meisters zu arbeiten, dass ihm dieser mit Rath und That 
beistehen konnte. Rafael sorgte sogar für einen guten Drucker, 
indem er zu diesem Zwecke seinen Farbenreiber Baviera an die 
Presse stellte. Dieser hatte zugleich auch mit dem Verschleisse 
der Abdrücke zu thun. Rafael selbst scheint an berühmte auswär- 
tige Künstler manchmal Exemplare verschenkt zu haben, wie diess 
namentlich .mit A. Diirer der Fall war, welchem Rafael einige 
Blätter nach seinen Compositionen iiberschiclste. Es währte indes- 
sen nicht lange, so war das Verlangen nach Blättern der römischen 
Challsographie allgemein, liiinstler und reiche Liebhaber brachten 
deren von ihren italienischen Reisen mit sich, da aber viele andere 
von Italien aus nicht befriediget werden konnten, so reitzte fremde 
Stecher und Kunsthändler bald die Lust, durch triigliche Copien 
einen Vortheil zu suchen. Die römische Iiupferstecherschule war 
indessen ausserordentlich"fruchtbar, da sich Marc-Anton viele Schii- 
ler hcrenzbg, deren mehrere später selbst berühmte Iiiixistler wur- 
den, wie Marco di Ravenna, Agostino Veneziano, Giulio Bona- 
sone, die Ghisi Iund etliche andere. 
Durch die Bemühungen Marc  Antonio's ist uns vor allen ein 
reicher Schatz von BafaePschen Compositionen erhalten, die ausser- 
dem grösstentheils verloren gegangen wären; da die meisten nur 
in Zeichnungen bestehen: begeisternde Ausfliisse des Götterfunkem 
welcher das ganze Wesen RafaeYs durchgliiht hatte. Und gerade 
die Iiunstweise eines Marc-Anton ist es, welche uns die geistvollefl 
Entwürfe desselben in ihrer vollsten Schönheit und Bestimmtheit 
der Umrisse durch die einfachsten Mittel vor Augen stellt. Keiß 
Iiu ferstecher hat den Geist und den Charakter der Werke Rafael? 
so bestimmt und wahr wiedergegeben, die Umrisse und Formell 
desselben so streng bezeichnet, wie liaimondi. Die Form war ihm j8' 
doch nicht die Hauptsache; er driiclste sie nur durch eine anspruch" 
lose, freie Schattirung aus. Seine Linien sind nach den Forme" 
gebogen, 'aber i-iusserst einfach die Lagen und Verbindungen der" 
selben. Diese Mittel waren ihm aber zur Erreichung seines Zwe" 
ckes hinreichend", welcher einzig auf Zeichnung und Ausdruck 
ging._ Glanz der Farbe, concentrirtes Licht scheint dieser liünSV 
ler nie beabsichtiget zu haben, während spätere Iiiinstler das f!" 
stere gleichgültig hinuahmen, durch letzteres das Auge zu M11" 
scheu, und den Beschauer in Bewunderung zu setzen strebtfiW 
Die Art-seines einfach zeichnenden Schrafiirens ist ihm eigenthinß" 
lieh, verschieden von jener A. DürcFS. Welcher durch ein gläm" 
resySchreffir von feineren rechtwinlclich gekreuzten Linien ganz? 
Schattenrnassen, und dadurch den Umfang der Körper ausdrückt? 
wer indessen behaupten wollte, dass Marc-Anton hierin fiaS emllg 
gültige Vorbild für Stecher sei, würde sich auch auf Einwendl-"V
        

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