Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Poyet, Bernard - Renesse, Daniel
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1772497
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1774312
QUBSUOY, Franz du, genannt Fiamingho, Bildhauer. wurde 
159.1 zu Brüssel geboren, und daselbst von seinem Vater Heinrich 
(nach andern Hieronymus) in den Anfangsgrunden der Bildhauerei 
unterrichtet. Er führte unter Leitung dieses Künstlers schon in 
jungen Jahren mehrere Bildsäulen in Marmor aus, wie die Statue 
der Gerechtigkeit auf dem grossen Portale der Justiz-Canzlei zu 
Brüssel. zwei Engel an der Facade der Jesuskirchc, die Statue 
des heil. Johannes, und diese Werke gefielen dem Erzherzog Al- 
bert VI. so wohl, dass er dem jungen Künstler ein Jahrgeld aus- 
setztc, um in Italien seine Studien fortsetzen zu können. Qnesnuy 
niodcllirte jetztin Ilom mit griisster Genauigkeit mehrere berühmte 
antike Bildwerke, wie den Laokoon, Antinous, die Statue des 
Nil u. s. w., und von eigener Composition sah man eine lebens- 
grosse Statue der Venus mit Amor; allein bald unterbrach der 
Tod seines Giinncrs diese ernsten Studien. Fiamingho, so nannte 
man ihn in Rom, sah sich jetzt geniithigt, kleine Bilder in Holz 
und Elfenbein, und Hciligenkiipfe für Reliquienhiindlcr zu ferti- 
gen; allein die Vortrelflichlseit dieser Arbeiten: erwarb ihm an dem 
Cunetable Don Filippo Colonna bald wieder einen neuen Gönner, 
welcher neben anderen kleineren Sachen'ein drei Palmen hohes 
Crucifix von ihm hatte, welches er später dem Pabst Urban VIII. 
schenkte. Die Freundschaft Poussin's und Alhanrs war ihm in ar- 
tistischer Ilinsicht von grosser Förderung. Er üble sich mit Pous- 
ein im Zeichnen und Modelliren, es suchte aber jeder auf eige- 
nem Wege seine Vorbilder, Poussin der Maler in der Reihe anti- 
ker Meisterwerke, Quesnciy, der Bilclner, ausserdem auch in Gemiil- 
den Titiaifs und der Carracci, und daher mag es auch kommen, 
dasrseine Gewänder eher dem Charakter der Malerei als der Sculp- 
tur entsprechen. In den Formen des Nackten muss man ihm aber 
das Lob grosser Gründlichkeit geben, und besonders waren es 
 seine naiven Kinderfiguren, in welchen sich der Künstler schon 
frühe auf eigenthümliche Art auszcichnete. Diesen Vorzug schie- 
nen indessen seine römischen Zeitgenossen nicht nach Verdienst 
"zu erkennen, da sie es ihm im Gegcntheile zum Vorwurf mach- 
ten, dass er nichts als Iiinder bilden könne. In diesem Sinne ist 
der Beiname Fattore de? putti zxv nehmen. Von derselben Idee 
war auch Bernini befangen, der sich zur Zeit, als dem Fiaminghu 
die colossale Statue des St. Andreas übertragen wurde, spöttisch 
äusserte, der Flamänder werde aus seinem Heiligen ein grosscs 
Iiind machen. Meister Lorenzo hatte sich aber diessmal sehr be- 
trugen, denn Quesnuy lieferte auch im Colossalen ein Meisterwerk, 
immerhin aber waren es seine anmuthigen Figuren von Kindern, 
die ihm den meisten Iiuhm sicherten. Selbst der grosse Rubens 
 theilte die Bewunderung, welche man dem Künstler zollte. Im zwei- 
ten Bande der Isettere pilturiche p. 536 findet man einen Brief 
von Rilbens an Quesnoy, worin er ihm für die überschickten Mo- 
delle dcr beiden [iinderi an del Vandcnfs Grabmale in der Iiirche 
dell' Anima rlaukt. Ich bin nicht im Stande, Sagte er, das Lob 
ihrer Schönheit auszusprechen, da sie eher die Natur als die Iiunst 
gebildet zu haben scheint, und der Marmor so weich geworden 
ist, als ob er lebe. Eines dieser Iiindcr wurde nach Bellori für 
das schönste- unter allen, welche du Quesnoyß Meissel geschaffen 
halte, gehalten, und von den Künstlern seiner Zeit als ein Muster- 
hild studirt. Man zog aber überhaupt Fiaminghrfs Bilder dieser 
 Art nicht allein allen Iiindergestaltcn der nenern Iiunst, sondern 
selbst denen der Antike vor, und bis gegen das Ende des vorigen 
Jahrhunderts ist die Meinung ziemlich lterrschemi geblieben, dasS 
Fiamingho der erste wer, der den cigcnthünilichexx Charakter (Iss
        

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