Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Poyet, Bernard - Renesse, Daniel
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1772497
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1773737
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oder 
Puget 
Pujet, 
Pierre. 
und von seinem Sohne beendigt. Auch in Genua, wo er später 
längere Zeit lebte, führte Puget einige Werke aus, wie den Haupt- 
altar der Kirche St. Cyr. Die Annunziata fing er zu bauen an, 
brachte sie aber nicht zu Ende. Das Modell ist in der Sakristei 
der Kirche. 
Einen ausgezeichneteren Bang verdient indessen Puget als Bild- 
hauer. Er übte die drei Künste, wie Michel Angele, und daher 
nannte man ihn den französischen Buonarotti. Sein erstes plasti- 
sshes Werk sind die beiden Tritonen, welche den Balcon des 
Stadthauses zu Toulon tragen, und die Ludwig XIV. bewunderte. 
Im Jahre 165g lud ihn der Minister Fouquet nach Paris ein, um 
seine Gärten von Vaiix-le-Vicomte zu verzieren. Weil in Paris 
der Marmor fehlte, so musste Puget selbst nach Carrara reisen, 
um die nötliigen Blöcke zu besorgen. Während man diese berei- 
tete und einschilfte, verfertigte der Künstler eine sitzende Statue 
des Herkules, der oft der Gallische genannt und später in der 
Kammer der Pairs aufgestellt wurde. Nachdem er bei Fouquet in 
Ungnade gefallen war, nahm er einen Ruf nach Genua an, indem 
er fürchtete, er möchte in Paris keine Arbeit mehr bekommen. 
Hier verfertigte er für den Dom die colossalen Statuen des Alexan- 
der Saoli und des heil. Sebastian, die mit Recht bewundert wird. 
Auch drei Statuen der heil. Jungfrau meisselte er, von denen die 
für Lomellini jetzt in der Bruderschaft des heil. Philipp ist. Für 
den Herzog von Mantua stellte er die Himmelfahrtin Basrelief dar, 
welches selbst Bernini bewunderte. Der letztere pries die Verdienste 
Pugefs bei jeder Gelegenheit, und so berief ihn der Minister Col- 
bert wieder nach Paris. Der Künstler kehrte also nach einem neun- 
jährigen Aufenthalte zu Genua endlich wieder ins Vaterland zu- 
rück, und erhielt dort den Titel eines Directeur de la seulpture 
des vaisseaux und 5600 Fr. Pension. Als er nach Toulon kam, 
musste er vor allem die Gnllerie des Schiffes verfertigen, welches 
den Namen: le Monarche hatte. Dann führte er auch eine Menge 
Zeichnungen zum Gebrauche der Marine aus, sehr fein auf Velin 
getuscht. In Toulon stellte Puget auch die Statue des Milo von 
Croton auf, an welcher man den Ausdruck, die Stellung und die 
Ausführung bewunderte. Diese ausgezeichnete Statue wurde 1685 
nach Versailles gebracht, wo sie_selbs_t L_e Brun der vorzüglichsten 
Achtung würdig fand, und sie ist wirklich alsfruhes Beispiel des 
Geschmackes am Grässlichen von ausserordentlichem Werth. Der 
Künstler erhielt auch den Auftrag, ein Gegenstück zu verfertigen, 
welches man in der Gruppe des Perseus und der Andromeda be- 
wunderte. Dieses Werk befindet sich jetzt im Garten zu Ver- 
sailles und das erste in einem Saale des Louvre. Die Stadt Mar- 
seille ertheiltc ihm den Auftrag, das Modell zu einer lleiterstatue 
Ludwigs XIV. zu machen, um sie in Bronze zu giessen. Puget 
erfüllte das Begehren, aber das Werk kain nicht zu Stande. Ini 
Jahre 1690 vollendete er das Basrelief des Alexander bei Diogenes, 
welches, vom Neide verdächtiget, lange Zeit in einem Magazine 
des Louvre verborgen lag, bis es zu Anfang unsers Jahrhunderts 
im Vestibulum der Schlosskapelle zu Versailles befestiget wurde. 
Zu eben dieser Zeit führte er auch das Basrelief mit der Pest zu 
Mailand zur Zeit des heil. Carolus Borromäus aus, welches Cay- 
lus in Kupfer bekannt machte. Dieses Werk fertigte er für den 
Abbc de la Chanibre, Pfarrer von St. Barthelemy zu Paris, konnte 
es aber nicht ganz vollenden, weil ihn der Tod überraschte. Das 
Basrelief blieb desswegcn wahrscheinlich in Marseille, wo es die 
Administratoren der Gonsigne für 50,000 Fr. kauften, und wo man 
es noch sieht.
        

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