Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Poyet, Bernard - Renesse, Daniel
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1772497
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1773576
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Protogenes. 
anderes als für Linien, andere glaubten, Apelles hätte irgend ei- 
nen Gegenstand umrissen; wieder andere nahmen das Ganze für 
ein Miihrchen des Plinius. Die Sache entbehrt indessen durchaus 
nicht der Möglichkeit, und es dürfte buchstäblich wahr seyn, was 
Plinius behauptet: lineam ex colore duxit suinmae tenuitatis per 
tabnlain. 
Die Gemälde dieses Iiunstlers waren sehr selten , aber un- 
schätzbar, da sich in ihncii das genaueste Naturstudium und, 
oft allzu sorgfältiger Fleiss offenbarte. Apellcs selbst hatte den 
Protogenes getadelt, dass er bei seinen Arbeiten zu ängstlich ver- 
fahre und nicht wisse, die Hand von denselben abzuziehen. Eiy 
nen Beweis seiner Sorgsamkeit liefert das Meisterwerk des liünst- 
lers. welches den Heros Jalysos vorstellte, mit seinem ltßUCllßlHlCH, 
noch schäumenden Hunde, zu Rhodos im Tempel desselben aufge- 
stellt. Protogenes malte sieben Jahre daran, oder gar eilf, wenn 
Fronto Recht hat. Er soll während der Arbeit nur aiigefeuchtete 
Lupinen genossen haben, um Hunger und Durst zu stillen. und uin 
den Sinn nicht durch zu viel Süsse des Genusses abzustumpfen, wie 
Plinius bemerkt. Der Künstler war bei der Darstellung dieses Stadt- 
Heros ausserordentlich besorgt, und wollte das Bild dadurch vor 
Beschädigung und Unbild der Zeit schützen, dass er es viermal 
vollkommen übermalte, damit, wenn die obere Farbenlage weg- 
ginge, die untere zum Vorschein käme. Dieses erzählt Hinius, 
Neuere haben aber die Sache für fabelhaft erklärt. Hirt hat indes- 
sen in den Schriften der liönigl. Akademie der Wissenschaften zu 
Berlin 1801 zu erläutern gesucht, wie dies bei der Malerei der Al- 
ten, welche zum Bindungsmittel. der Farben den Leim gebrauch- 
ten, möglich, und bei der Sorgsamkeit des Proltngenes auch wahr. 
sclieinlich sei. Diesem berühmten Bilde zu lieb hob DGmelriQ5 
der Städtebezwinger Ol. 119 die Belagerung der Stadt llhodus auf, 
weil er sie nur von der Seite mit Erfolg zu erstürmen hoffen konnte, 
wo der Tempel des Jalysos stand, welcher dabei hätte zu Grunde 
gehen können. Protogenes hielt sich damals in einem kleinen 
Gartenhause der Vorstadt auf, wo ihn Demetrios öfter besuchte, 
und ihm eine Sicherheitswache zutheilte, um ungestört arbeiten 
zu können. Auch soll ihn der König gefragt haben, woher das 
Zutrauen komme, sich gleichsam in Feindes Hände zu geben? 
worauf der Meister erwiederte, er habe geglaubt, Denietriuspsei 
gekommen, um die Stadt, aber nicht die liuiist zu beliriegen. 
Das Bild des Jalysos wurde später nach Rom gebracht, wo es 
Vespasian im Friedensteinpel aufstellen liess. Dasjenige, welches 
Protogenes während der Belagerung malte, stellte einen ruhenden 
Satyr vor, der die Flöte hielt. Dabei brachte er eine Wachtel 
an, und zwar so natürlich, dass die Leute mehr auf den logel 
als auf den Satyr sahen, bis sie endlich der Künstler wegstrich. 
Einige glauben diesen Faun des Protogenesin den oft vorkom- 
menden Bildwerlien zu erkennen, welche einen braun vorstellen, 
der so eben aufgehört hat, die Flöte zu spielen", uber deren ver- 
lalungene Töne er aber noch das innigste Vergnugen zu empfinden 
scheint. Das Motiv dieses Bildes, welches den Beinamen des 
Faun Anapauomcnos hatte, ist allerdings sehr ansprechend, so dass 
es einen Bildhauer bewogen haben konnte, den Faun in einer Sta- 
tue zu geben. Iin Pariser Museum sind zwei Exemplare. 
Dann malte Protogeiies auch den "flepolemus und Cydippe, den 
Tragödiendichter Philiscus nachdenkend. einen Athleten, den liö- 
nig Antigonus, und die Mutter des Philosophen Aristoteles, der 
den Künstler ermahnte, auch die Thaten Alexanders, ihrerUnver- 
gesslichkeit Willen, zu bearbeiten; Plinius erwähnt aber nur Ein
        

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