Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Passe, Simon de - Powle, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1766577
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1771905
In der Bildersammlung zu Paiisanger, dem Landsitze. des Grafen 
Cowper, ist eines der schönsten Gemälde des Meisters. Das auf 
dem Schoosse der Maria sitzende Christuskind hat so eben dem 
kleinen Johannes das Iireuz gegeben. Maria, in deren Gesichte 
von dem feinsten Oval und echt jungfräulichem Ausdruck man 
deutlich den Einfluss des Leonardo erkennt, sieht Johannes mit 
sanftem Mitleid, Jesus ihn mit schmerzlicliem Ausdruck an. Augh 
in dem abgewandten Profil des Johannes ist das Gefühl schmerzlich; 
seine auf die Brust deutende Linke sagt aber, wie gern er das 
dargebotene Iireuz annimmt. Links neben der Maria sitzt Joseph, 
den Hintergrund bildet eine schöne Landschaft mit einer Fächer- 
paline. Die ungewöhnliche feine Grazie in den Linien der Com- 
position lässt Waagen verniuthen, dass dieses Bild aus den Jahren 
herriihre, in welchen er mit Rafael verkehrte. Die Farbe ist selbst 
für den Frate von ungewöhnlicher Gluth und Tiefe, die Ausfiih- 
rung des Einzelnen im zart verschmolzenen Vortrag höchst fleissig, 
und in den Sfumato auf die Einwirkung des Lionardo deutend. 
Leider sind einige Theile verwaschen. In der Bildersammlung zu 
Light-Court wird ihm eine Maria mit dem Iiinde beigelegt, die 
aber in manchen Tlieilen an Andrea del Sarto erinnert. In der 
Sammlung des Sir Abraham Huine ist eine Madonna, die vom 
Iiinde gehcrzt wird; von edlem und, wie Baccio es bisweilen liebt, 
wehmiithigem Ausdruck. Waagen sagt, man fühle es, dass Frate 
durch IlafaePs Bild aus dem Hause Tempi zu dieser Composition 
angeregt worden sei. Die Färbung ist selbst für ihn von beson- 
derer Iiraft, Klarheit und Tiefe.  
In der kaiserlichen Gallerie zu St. Petersburg ist ein Bild aus 
der späteren Zeit des Künstlers, eine Madonna mit dem Kinde 
auf dem Sclioosse, sitzend von vier miisicirenden Engeln umgeben. 
Maria umfasst das Kind mit miitterlicher Zärlichkeit, und dieses 
schmiegt sich mit inniger Liebe an die Mutter. Diese Liebe macht 
den Grundgedanken des Bildes aus; Alles lös't sich in Gefiihl auf. 
In den Figuren zeigt sich eine grosse Lebensfülle, namentlich in 
den vollen runden Gesichtern. Hand, Kunst in St. Petersburg 
I. 81 , spricht mit grosser Begeisterung von diesem Bilde. 
In der königl. Pinakothek zu München sind drei Gemälde von 
Frate, die zu den schönsten ihrer Art gehören. Eine heil. Fami- 
lie, aus der späteren Zeit ClBS Meisters, zeichnet sich durch unge. 
mein zarten Farhenschmelz aus. Das Bild der heil. Jungfrau mit 
dem auf ihrem Schoosse stehenden Iiinde, Iiniestiick, ist unter 
dem Einflusse des Leonardo entstanden. Auf dem dritten Gemälde 
dieseHSammlung sehen wir die knieende Madonna, wie sie das 
Jesuskiiid anbetet, kleine Figuren, und im Hintergrunde eine 
offene Landschaft. 
In der k. k. Gallerie zu Wien ist eine Darstellung im Tempel, 
eines der bedeutendsten Werke Bartolomeds, und ein Bild der 
Maria mit dem Binde, aus der Briisseler Sammlung. Die _Skizze 
zur Darstellung im Tempel ist in der Gallerie der Uffizien zu 
Florenz. In der Gallerie Esterhazy daselbst ist eine Maria mit; 
dem Kinrle, ein heiteres Bild, voll Grazie und Zartheit. In der 
gräflich Thurifschen Sammlung zu Wien sieht man eine schöne 
heil. Familie. 
Die Gallerie des königl. Museums in Berlin besitzt eine grosse 
'I'afcl mit der Himmelfahrt der Maria, an Welcher aber nur die 
obere Hälfte von Frate herriihrt. Von lichten Wolken und musi- 
cii-enden Engeln umgeben, schwebt die Heilige empor. Der un- 

        

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