Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Passe, Simon de - Powle, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1766577
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1771483
Polygnotus. 
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ihre Vermählung mit den Leucipiden. Er maltemig Micon eben. 
falls im Tempel des Theseus, und wahrscheinlich schmückte e,- 
auch die Halle bei den" Propyläen. Die darauf sich beziehgudg 
Stelle des Pausanias ist sehr dunkel. Er scheint da die Polyxena 
auf dem Grabe des Achilles geopfert, und die Unterredung des 
Ulysses mit der Nausikaa gemalt zu haben. 
Polygnot malte auch zu Platäa, zu Thespiä und in Delphi. In 
Platäa malte er im Vorbause des Tempels der Minerva Area die 
Vertilgung der Freier durch Ulysses, und Onatas den Zug der sie- 
ben Helden gegen Theben. Dass Polygnot auch in Thespiä ge- 
malt habe, wissen wir nur aus einerStelle des Plinius, wo es 
heisst, dass Pausias später die Gemälde dieses alten Künstlers 
restaurirt habe. Was hier dargestellt genesen, weiss man nicht, 
es wird nur bemerkt, dass Pausias hinter Polygnot zurückgeblieben, 
weil er nicht in seiner Gattung mit ihm in die Wette malte. Pau- 
sias war nämlich ein Encaustiker, der da Pinselmalereienau re- 
stauriren hatte. Indessen schloss die Encaustils, mit welcher sich 
Pausias zum Theil abgab, seine Uebung in der Malerei mit dem 
Pinsel nicht aus, und daher möchte Hirt eher glauben, dass Pan- 
sias, einer der grössten Maler der besten Zeit, bei der Restaura- 
tion eher zu viel that, und daher dem einfachen, alterthümliehen 
Charakter nicht treu blieb.. Demnach wäre also Pausias getadelt 
worden, dass er durch seine Erneuerung die Hand des Polygnot 
gleichsam verwischt habe. Böttiger, Archäologie der Malerei S. 563. 
sehliesst aus der obigen Stelle des Plimus, dass Polyguot selbst 
nie in Encaustik gemalt habe; allein Plimus gesteht an einer an- 
deren Stelle wirklich zu, dass von diesem Meister eneaustische 
Bilder Vorhanden gewesen.  
Am umfassendsten scheinen die Gemälde Polygnofs in der Lesche 
der Iinidier zu Delphi gewesen zu seyn. Rechts an der Wand 
sah man die Eroberung Ilions und die Abfahrt der Hellenen, links 
Odysseus Besuch in der Unterweltn Bei dem Gemälde von Ilion 
steht der unermüdliche Bluträchcr Neoptolemos mit dem sanften 
Menelaos, der nur die schöne Beute fortzubringen sucht, in einem 
interessanten Gegensatze. Das Nolanische Vasenbild (Tischbein's 
Homer lX. 5. 6.) hat mit diesem Gemälde einige Züge gemein. Bei 
dem Bilde der Unterwelt ist nach Müller (Areh. s. 1514- 3.) beson- 
ders auf die Andeutungen der lWIysterien zu achten, Wßlßbßfbeils 
an den Ecken (die Priesterin Iileoböa, OliIHJS, die" Üngeweihten), 
theils in der Mitte angebracht waren. Bier sass der Mystagog Op- 
pheus in einem Kreise von Sängern und Greisen, umgeben von 
fünf Troischen und fünf Griechischen Heldßn- Vergl- Ilatbgeber 
in der Eneyclopädie unter Ok-nos. Pausanias beschreibt diese Ge- 
mälde mit ihren vielen Abthßilüngßll 11m1 911119111911 GYUPPCU, die 
theils neben, theils übereinander gemalt waren. Es gibt auch 
neuere Ausleger und Restauratoren solcher Gemälde. Im Allgemei- 
nen über diese Bilder s. Correspond. de Diderot. Aufl. 131-31. III, 
270 Hi; Göthe's Werke 44- 5- 97; Gemälde des Polygnot in der 
Lesche zu Delphi von Riepenhauäen, 1395- M" Erläuterungen 
von Ch. Schlosser; Peintures de Polygnot a Delphes dess. et grav. 
d'apres la desc. de Pausanias nar T. et J. Riepenhausen, 1826 11- 29. 
Die Zeit. in welcher diese Gemälde ausgeführt iyurdßnijleflllen 
die Alten nicht, nach einer Beischrift des Simomdes (bei Pausa- 
Dias 10- 27. 2.) 1111155 man aber glauben", dass Polygnot selbe früher, 
als die in Athen gemacht habe, da Simonxdes Ol. Z7.  gestorben 
seyn soll. Auch in der Anordnung der beiden (Jenmlde ist dns 
Altcrthümliche nicht zu verkennen, und so mochte nach Hirt das
        

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