Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Passe, Simon de - Powle, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1766577
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1771445
Polyclelus. 
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Die Werke des Sihyoniers nachzuweisen, ist unmöglich, da über 
ihn die Alten nicht ins Einzelne eingehen. Der jüngere Polyclet 
aus Argus lieferte aber jene durch Jugendlichkeit und Schönheit 
der Verhältnisse hewunderungsvvürdigen Musterhilder des Diadu. 
menos, des Dorynhoros, den Canon, der den Späteren zum Ge- 
setz wurde, und in den Iinüchelspielern, nach dem Urtheil der 
Meisten, das vollhommenste Werk der ganzen Plastik. Man weiss 
nur von weiblichen und Jiinglingsgcstalten, die der Iiünstler bil- 
dete. Man behauptete sogar, er habe die Darstellung des ernsten 
Alters absichtltch vermieden, und sich nicht über die glatten Wan- 
gen hinausgewagt, was durch die Angabe der Gegenstände bestä- 
tiget wird, die Polyclet bearbeitet hat. In ernsten, strengen, männ- 
lichen Gütterbildcrn genügten Yhidias und Alcamencs mehr als der 
Meister von Argus. Er scheint sich indessen hierin auch wenig 
versucht zu haben, da die alten Schriftsteller kein solches Werk 
benennen. Plinius nennt vor allen den Diadumenos, einen Jüng- 
ling von weiehlichen Formen (fecit moliter juvenem), der sich die 
Binde um den Kopf legt, und dessen Werth man auf 100 Talente 
schätzte. Eine ähnliche Statue ist jene aus der Villa Farnese, 
Wiuckelmanßs Werke VI. Th. 2, Gerhard antike Bildw. 69. Noch 
berühmter machte er sich durch seinen Doryphoros, den Lanzen- 
triiger, in dem der Knabe mit Männlichkeit gebildet war (viriliter 
puerum fecit), jenes Werk, in welchem er den Canon der schönen 
Verhältnisse des menschlichen Körpers aufstellte. Dieses Werk 
gab auch wahrscheinlich die Veranlassung zu seiner Schrift über 
die Symmetrie. Uebcr das Wesen eines solchen Canons s. Hirt 
in den Schriften der künigl. Akademie der Wissenschaften zu Ber- 
lin 1818. Von zwei anderen berühmten Werken stellte das eine 
einen Jüngling vor, der sich in der Palästra mit dem Schabeisen 
reiniget (Apoxyomenos), das andere einen Nackten, der zum VVür- 
felspiel auffordert. Von Polyclefs Knaben, die mit Würfel spie- 
len. Astragalizontes genannt, die zu Plinius Zeit im Vorhofe del 
Kaisers Titus zu sehen waren, sagt eben dieser Schriftsteller, dass 
sie von vielen für das vollendetste VVerk des Meisters gelten. 
Einige wollen diese Astragalexi-Spielcr in der Gruppe des brittischen 
Museums erkennen, wo der eine der Knaben den Arm des anderen 
hält und voll Aerger in denselben beisst. Diese Gruppe wurde 
im Pontifikate Urban VIII. in den Bädern des Titus gefunden. 
Hirt meint, es sei eine Gruppe von Amor und Ganymed gewesen, 
wovon es noch Nachbildungen gibt. Vgl. Levezow in der Amal- 
thea I. 275. Mit seiner Amazone überwand er in einem Künstler- 
wettstreit zu Ephesos den Iitesilaos, Phradmon, Phidias und Ky- 
don. Phidias' an eine Lanze gestützte Amazone 1st in der zum 
Sprünge sich bereitenden im Vatikan, Iitesllaof Verwundete in ei- 
ner Capitolinischen Statue Wieder erkannt Würden, und die PÜIY" 
cletische müssen wir uns nach Müller darnach als das Höchste in 
der Darstellung dieser blühenden und kräftig ausgebildeten Frauen- 
gestalten denken. Dann scheinen dem Argiver auch zwei Jung. 
frauen in Erz anzugehören, welche mit gehobenen Händen Körbe 
mit Heiligthürnern auf dem Kopfe tragen, und Canephoren heis- 
sen, die besonders durch zierliche Kleidung und miidchenhafte Ge- 
bärde unter den schönsten Werken sich auszeichneten, wie Cicero 
versichert. S. Al-mathea III. 16.1- Polyclet W81" auch schon in Por- 
traitstatuen ausgezeichnet. Man nennt besonders jene des Artcmon 
Periphoretos. des Maschinenbauers des Perililes. Dann werden 
auch mehrere Statuen von olymliischen Siegern einem Polyclet bei- 
gelegt, die aber dem jüngem Argiver dieses Namens angehören 
dürften.
        

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