Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Passe, Simon de - Powle, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1766577
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1770472
37.9 
Pisano , 
Giovauni. 
Zur selben Zeit fertigte Pisano für S. Giovanni daselbst auch einen 
VVeihkessel in Marmor, von drei allegorischen Figuren getragen, 
nach Vasari ein Werk von seltener Schönheit. Ehe er von Pistoja 
wegging, machte er noch das Modell zum Glockenthurme auf dem 
Platze von St. Jakob. An einer Seite dieses Thurmes steht die 
Jahrzahl 1501. Bald nachher, zur Zeit des Todes des Papstes Be- 
nedikt IX., wie Vasari behauptet. was aber wahrscheinlich Bene- 
dikt XI. heissen muss, der 1305 Papst wurde,  erhielt G. Pisano 
einen Ruf nach Perugia, um in der alten Iiirche S. Domenico das 
Denkmal jenes Papstes zu verfertigen, den er nach der Natur ab- 
bildcte, im päpstlichen Ornate auf dem Sarge ruhend, zur Seite 
zwei Engel, welche den Thronhiunnel halten, und dariiber, erha- 
ben gearbeitet, eine Madonna zwischen zwei Heiligen. Siehe die 
Abbildung bei Cicognai-a I. tav. 21. In der neuen Iiirche der Du- 
minikaner arbeitete er das Grabmal von Niecolo Guidalotti, Bi- 
schofs von Recanati und Stifter der neuen Hochschule in Perugia. 
In dieser Kirche haute er auch das Mittelschiff, da der erste Bau- 
meister wenig Einsicht verrieth. 
Nachdem Giovanni sich von den Arbeiten in Perugia losgemacht 
hatte, gedachteer nach Rom zu gehen, allein er ging von diesem 
Vorhaben ab, da der Hof kurz vorher nach Avignon gegangen 
war, was 1305 geschah. Giovanni kehrte jetzt nach Pisa zurück, 
und begann da im Dome den Bau der grossen Kanzel, die mit 
vielen drei Ellen hohen Figuren. als Trägern, geziert ist, so wie 
mit Saulen, die auf Löwen ruhen. An den Wänden stellte er ei- 
"niges aus dem Leben Jesu dar. Vasari beklagt es, dass so vie- 
len Kosten, Mühe und Fleiss nicht eine gute Zeichnung zu Hiilfe 
kam, dass weder Erfindung noch Aumuth, noch (eine irgend gute 
Manier dies Werk zieren und ihm jene Wollkommenheit geben, 
"welche zu seiner Zeit bei weit geringerem Aufwand von Geld und 
Mühe jede Arbeit erreicht haben würde. Dessenungeachtet, fährt; 
.Vasari fort, musste dieses Werk den Menschen jener Zeit, welche 
gewohnt waren, nur grobe Arbeit zu sehen, als ein nicht geringes 
Wunder erscheinen. 
Diese Kanzel wurde im Jahre 1627 aus dem Chore, wo sie ur- 
sprünglich stand, an eine Säule des Mittelschiffes versetzt und durch 
einen französischen Bildhauer zum Theil erneuert. Sie ruht nun 
auf zwei Säulen von Brocatello und Purphyr, unter welchen Lii- 
wen auf Hirschen stehen und ansserdem auf fünf allevorischen Fi- 
guren, die schlecht erfunden und von magerer unbehiilflieher Aus- 
führung sind, obgleich man die Nachahmung antiker Motive darin 
wahrnimmt; siehe die Abbildung von zvveien derselben bei Cicog- 
nara I. tav. 16. Die Reliefs an den Wänden, worin Giovanixi 
ganz die Werke seines Vaters nachgeahmt hatte, wurden hinweg- 
genommen und an der Gallerie über der Hauptthüre angebracht, 
welche die beiden Seitenlribünen verbindet, wo man sie der Höhe 
und Dunkelheit wegen kaum sehen kann. (Anmerkung Schorxfs 
in der deutschen Ausgabe des, Vasari I. 103). 
Ueher der IIauptthÜFC des Domes Sieht man ferner, in Marmor 
gearbeitet, eine Mutter Gottes zwischen Johannes dem Täufer und 
einem anderen Heiligen, und die Gestalt, welche zu Füssen der 
 Madonna kniet, soll der Iiirchenmeister Pictro Gambacorti seyn. 
Auf dem Fussgestelle der Madonna liest man: 
Sub Petri cura haec pia fuit seulpta figura: 
Nicoli natn, Sßulptore Joanne voeato. 
Eben so steht über der Seilenthiire, dem Glockcnthurme gegen- 
über, eine Madonna von Giovanni; zur einen Seite eine weibliche
        

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