Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Passe, Simon de - Powle, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1766577
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1769801
Pilon , 
Gcrmain. 
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I r- 
PIlOII, Germain, einer der grössten französischen Bildhauer und 
Architekt der Renaissance, wurde  nach der gewöhnlicheren An- 
nahme  zu Laue geboren, wo sein Vater, und dessen Familie lebte, 
während unser Iiiinstler in Paris sein Gliick gründete , da er der 
Lieblingsbildliauer der Königin Cathariita de Medicis war. Zu 
Laub, in dem benachbarten lVIans, in den Kirchen der Umgebung, 
fand man vor der französischen Itevolution viele Werke von den 
Pilon; damals aber gingen mehrere zu Grunde, andere läamen 
in den Privatbesitz, und wurden so theilweise vergessen un ver- 
nachlässigen Gerrnain's tVerke fanden in Paris an A. Lenoir ei- 
nen Beschützer, der bekanntlich mit Gefahr seines Lebens "das 
Musöe des petits-Augustins gründete, w-orin eine grosse Anzahl von 
französischen liunstdcnknlälern erhalten Wurden. Lenuir errichtete 
daselbst dem Iiiinstler auch ein Denkmal eigener Art, welches mit 
mehreren Basrcliefs von dessen Hand geziert war. Im Museum 
der Iiunstdenkmiiler sieht man jetzt das lYleisterstüclt Pilon's. die 
schöne Gruppe der drei Grazien , welche in der Itiircbe der Cöle- 
stiner zu Paris sich befand, und bestimmt war, eine Urne zu tra- 
gen, welche das Herz lrleinriclt II. und der Cntharina von Mcdicis 
einschloss. VVatelet behauptet, dass diese Gruppe die theologischen 
Thigenden vorstelle, und sie sind auch wirklich so ziichtig, dass 
man sie dafür halten könnte, wenn sie anders zusammengestellt, 
und Weniger leicht bekleidet wären. Ehedem hatten diese züch- 
tigen Göttinnen ein Geläss von Gold, jetzt aber ein solches von 
Brunzej Piloifs VVerk ist ferner das prächtige Monument der bei- 
den genannten königlichen Gatten in der Stiftskirche zu St. Denis. 
Sie sind in weisscm hdarmor, wie auf dem Paradebette liegend ab- 
gebildet. Dann hat man von ihm zwei Statuen dieses Itiiinigspaa- 
rcs in Bronze, vor einem Bctpulte lmieentl, und dann beide noch 
einmal, jedesmal in Holtracht. M. d' Argcnsville nennt von 
Pilon noch mehrere andere Wlerlte, die thciliveise noch an Ort und 
Stelle seyn werden: in der heil. Capelle eine Schmerzensmutter, zuSt. 
Gervais ein Ecce homo, und ein ähnliches aux Picpussus, zu St. 
Gdncvieve eine Grahlegung, und ein autcrstandcner Heiland in 
gebrannter Erde; zu St. Eticnnc-dti-lYIort eine Grablegung, eine 
Auferstehung und drei kleine Basrelicfs mit St. Paul, Christus im 
Garten, und Aaron; am Ilauptaltare von St. Germain-P Auxerpuig 
vier Engel in Erz; bei den Ciilcstincrn das kupferne Chorpult 
und eine Urne von Metall mit dem Herzen des Connetable von 
Montmorcnc_x_i'; an der lianzel in der Iiircho der Gialtd-Auguglins 
zwei Basreliefs mit Johannes dem Tiiut'ei' und Christus am Jacobsw 
hrunnen, im Kloster daselbst ein heil. Franz auf den Iinieeil, eine 
(iypsiigur von 1588; in St. Loux das Grabmal des Iianzlcrs de Bi- 
rague und seiner Gattin, letztere in blarnmr liegend, und über 
der ehernen Bildsäule des Kanzlers. ein Crucifix; tlIC Statue der 
lNIaria und des Johannes und das Basrclief einer Grahlegung am 
llauptaltare ebendaselbst.  
Germain Pilon ist nach Jean G-oujon der griisste Bildhauer Frank- 
reichs. In seinen Werken vereiniget sich liraft und Stärke des 
Ausdrucks mithGrazie und Reinheit der Form; doch besitzt er we- 
niger Grossartigkeitfals Goujon. Er war der erste französische 
Bildhauer, dem es gelang, die Stoffe vollkommen auszudrücken, 
unddileganz in die Belaleidilng zu bringen. Doch ist die Dra- 
pirung manchmal etwas trocken, und besonders an den friihern 
XVerken gotbisirend. Das 'l'udcsjahr dieses Iiiixistlcrs ist nicht 
ganz sicher zu bestimmen; Einige nennen 1590, d' Argensville 
vermuthet aber aus der von dem Grafen JYIainaIrtl auf den liiinstler 
gefertigten Grabschrift, dass {ein Todesjahr um 1605 zu setzen sei.
        

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