Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Passe, Simon de - Powle, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1766577
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1769767
 n 
Johann 
Ulrich. 
307 
Pllgrlm, J-Qhann UlrlCby Formschneider, auch geradewe Jo. 
hann Ulrich, und von den Franzosen le maitre aux gour- 
dons croisees, der Meister mit den Pilgerstiilwen genannt." So 
nannte ihn Heinecke zuerst muthmasslich, yun Murr aber, und 
dann auch von Bartsch, nahmen iLiess als ausgemacht Ian, und seit die- 
ser Zeit nennt man den Meister Jo. V mit zivei gekreuzten Pilger- 
stäben Joh. Ulrich Pilgrim, was freilich noch eines nähern Bewei- 
ses bedürfte. Auch die Lebenszeit des Künstlers ist nicht genau 
bekannt, man schliesst aber aus seiner gothisirenden lYIanier, dass 
er gegen das Ende des '15. Jahrhunderts geblüht habe. Seine llliit- 
ter sind gut geschnitten und von kräftiger Wirkung, alle in Hell- 
Dunlael von zwei Platten gedruckt. Pilgrim ist älter als Hugo da 
Carpi, und somit haben ihn Einige als Erfinder der Manier in 
Helldnnkel erklärt, während Andere diese Erfindung dem lWich. 
Wohlgemnth, oder dem Mair von Landshut beilegen möchten. 
Die Blätter dieses alten, höchst vorzüglichen Meisters sind sehr 
selten. Bartsch P. gr. VII. p. 41g u. f. beschreibt 10 solche Blätter: 
i) Christus am Iireuze, unten zu den Seiten Maria und Jo- 
hannes, am Fusse des Kreuzes Magdalena. Links unten 
ist das Täielchen mit dem Zeichen: H. 7 Z. Br. 4 Z. 11 L. 
Man findet diese Darstellung gewöhnlich in einer Einfas- 
sung von vier schmalen Streifen. 
2) Die hl. Jungfrau mit dem Kinde auf dem Schoossß in einem 
Garten sitzend. Links unten das Täfelchen mit den Stäben, 
H. 10 zu Br. Ö Z. 7 L. 
5) Die heil. Jnngfiml mit dem Iiiude in den Armen, Link, 
oben ist das Zeichen. H. 7 Z. Br. c't Z. 3 L. Diese; Blatt 
findet man gewöhnlich mit derselben Einfassung wie Nro. 1. 
d) St. Ilieronymtis in der Wüste mit dem Steine in der einen, 
und dem Buche in der andern Hand. Gegen die Mitte nach 
oben ist das Zeichen. H. 7 Z. Br. c't Z. 3 L. 
5) St. Sebastian am Bauxne. Rechts unten das Zeichen. H. 7 
Z. Br. 4 Z. g L. 
Man findet dieses Blatt in einer Einfassung von drei Strei. 
fen. Die untere Seite fand Bartsch ohne Einfassungf allein 
es gibt auch Aludrüclae mit einer vollständigen Bordure, von 
vier Streifen. 
6) Ein Todtenkopf in einer Nische. Mundanae fuelicitatis 
gloria. Links unten ist das Tiifelchen mit den Stäben, ohne 
Buchstaben Jo. V. H. g Z. 10 L. Br. 6 Z. 8 L. 
 7) Thisbe findet den Leichnam des Pyraxnus. Am Raume 
 hängt das Tiifclchen mit den VVorten: Quid Venus in veni; 
possit etc. Links unten ist das Zeichen des Künstlers. I1, 
    
18) Orpheus von den Thieren umringt. Auf dem Tiifelchen 
oben steht: Orpheus vatesi. Links unten ist das Zeichen 
des Künstlers. H- 9 Z- 9 L. Br. 6 Z. 7 L. 
9) Alcon von Creta befreit seinen Sohn von einer monströsen 
Schlange, die ihn umschlingt. In der Mitte oben ist ein 
Täfelchcn mit eplgläyungler Schrift, und links unten das Zei. 
chen desliiinstlers. H. 10 Z. BrLÖ Z. 8 L. 
10) Ein gcharnischter Ritter zu Pferd nach links reitend, von 
rechts folgt der Hellebardier. Unten links ist das Mo- 
nogramm des ßiinstlers, ein höchst seltenes Hauptblatt. 
H. 10 Z. B125 Z. g L, 
von Murr behauptet irrig, dass Dürer dieses Blatt copirt habe. 
'20 
        

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