Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Passe, Simon de - Powle, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1766577
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1769433
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Pichler, 
Joseph Anton. 
Pichler , 
Johann. 
liebe gewonnen, dass er sich vernahm, selbe ernstlich zu pflegen. 
Erverfertigte sich selbst die nüthigen Instrumente, und bildete sich 
nach und nach ohne Lehrmeister zum wirklichen Iiiinstler in diesem 
Fache. Pichler blieb mehrere Jahre in Neapel, verehlichte sich 
auch daselbst mit einer deutschen Wittwe, Namens Therese Viller, 
zog aber 1750 nach Rom, und starb daselbst 177g. In S. Lorenzo 
in Lucina ist die Grabstätte des Künstlers. Pichler erzeugte meh- 
rere Kinder. Sein älterer Sohn war Architekt, starb aber schon im 
zwanzigsten Jahre. Der zweite ist der bcriihmte Edelsteinschneitler 
Johann Pichler. Aus seiner zweiten Ehe, die er in Rom mit Ca- 
jetana lllligozzi schloss, stammen Joseph und Ludwig Pichler, wel- 
che die Kunst ihres Vaters erbten. Eine Schwester heirathete den 
 berühmten Dichter Monti. 
Autotfs vorziiglichste Werke belaufen sich ungefähr auf 40 
Stiicke, von denen sein Sohn Ludwig Gypsabtlrücke besitzt. Dar- 
unter sind nach eigener Erfindung: Antigonus und lsmeue vor 
dem Tempel der Furien, wie sie dem Vater rathen, nach Theben 
zurückzukehren, ein grosser Onyx. Ferner sind zu nennen: Pria- 
mus zu den Fiisseu des Achilles, ebenfalls ein grosses Stiick von 
eigener Erfindung; die grosse Büste des Homer, en face; der Kopf 
des Julius Caesar, lYIeleager, nach der Statue im Vatikan; das 
Bacchanals des Michel Angele, dessen Siegelring genannt, genau 
copirt. Nachrichten über Anton Pichler findet man 1m Sammler fiir 
Tirol, V. 170, und auch im Tiroler Iiiixistler-Lexikon. Da ist ein 
Schreiben des Alois Pichler abgedruckt, welches den 12. April 16g? 
als die Zeit von dessen Geburt bestimmt, und auch das 'I'anfhucli 
der Pfarrc Brixen zeigt unter jenem Tage und Jahre die Geburt 
des Joseph Anton Pichler an. Fiissly nennt ihn Johann Anton, und 
läSSt dieser! 1700 geboren werden. 
PlClllCP, Jühünn, berühmter Edelsteinschncider, und Sohn des Obi- 
gen, wurde 1734 zu Neapel geboren, und vom Vater mit solchem 
Glücke in der Iiunst unterrichtet, dass er schon vor seinem zwan- 
zigsten Jahre eine hohe Stufe der Ausbildung erreicht hatte. An- 
fangs bezeichnete er seine Werke nicht, was die Ursache war, dass 
sie von den Gemmenhiiudlern fiir antik verkauft wurden; als aber 
Pichler den Betrug bemerkte, bediente er sich eines eigenen Zeichens- 
Die Anzahl seiner Gemmen ist nicht unbedeutend, sowohl vertieft 
als erhaben geschnitten, mit einer Reinheit und Schärfe, dass sie 
allerdings mit jenen des Cinquecento verglichen werden können. 
Auch in der Pastellmalerei leistete er Gutes. Er verlebte die grösste 
Zeit seines Lebens in Rom, wies die glänzendsten Anträge aus Eng- 
land ab, und entschuldigte sich selbst vor dem Iiaiser, als dieser 
ihm Vorschläge machte, Sich in Wien niederzulassen. Als nämlich 
Joseph II. 1769 in Roms war, und einst in der Villa Medici speistß. 
drängte sich Pichler unvermerkt an ihn, um sein Bildnis; abzu- 
nehmen, und es dann H! Stein zu schneiden. Der Kaiser bemcrkle 
es, und liess den liiinitler "am nächsten Tage rufen, wo er ihm 
jene Anträge machtß- Der greise Vater und eine zahlreiche Familie 
machten ihm seinen Aufenthalt in Rom wünschenwerlh, und selhit 
der Kaiser nahm die Weigerung nicht ungnädig auf, da er ihn 
in den Adelstand erhob, und ihm den Titel eines kaiserlichen Hilf" 
steinschneiders ertheilte. Sein Ruf war ein europäischer, und die 
Italiener nannten ihn häufig Artefice di sempre gloriosa memoriW 
Er starb zu Rom 1791, und im Pantheon wurde ihm ein Denkstei" 
mit passenderlnschriit gesetzt, wo aber irrig Trient als Seine VW 
tcrstaclt genannt wird. Abbate Rossi schrieb im folgenden Jahre Vi" 
del Cav. Giovanni Pickler, intagliatore in pietre fine. Murr gab l"
        

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