Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Passe, Simon de - Powle, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1766577
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1769199
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Piazza , 
Albertino 
Blartino. 
und 
und nach ihm Lanzi, nennt nur den Albertino, und zwar unter 
den Malern, welche im grossen Hofe des Schlosses zu Mailand zur 
Zeit! des Herzogs Francesco Sforza die bewaffneten Barone gemalt. 
Alle andern Schriftsteller übergehen diese beiden Brüder 'mit Still- 
schweigen, obgleich sie eine ausgezeichnete Stelle in der Kunstge- 
schichte verdienten. Nach Passavanfs Behauptung ist namentlich 
einer derselben nicht nur würdig, neben Perugino und Francia 
genannt zu werden, sondern noch ausgezeichneter, als diese, we- 
gen seiner trefflichen Darstellung strenger Charactere, seiner stu- 
irten Zeichnung des Nackten und seiner grossartigen Gewandung. 
Da aber Albertino und Martino meist gemeinschaftlich gearbeitet 
haben. so ist es bis jetzt noch nicht gelungen, mit völliger Sicher- 
heit zu" ermitteln, welcher von Ihnen der ausgezeichnetem war. 
Nach dem, was Lomazzo von dem erstern sagt, wird es wahrschein- 
lich, dass dieser der ältere Bruder war, daher auch der noch Alter- 
thiimliche in seiner Iiunst, während Martin der jüngere Bruder 
wäre, der schon der entwickelten Iiunstperiocle aus dem Anfange 
des 16. Jahrhunderts angehört, und zugleich ein grüsseres Talent 
besass. Von ihren Lebensumständen wissen wir nur, dass Martino 
drei Söhne, mit Namen Callisto, Scipione und Cesare 
gehabt habe. die sämmtlich Maler waren, unter denen aber Cal- 
listo gewöhnlich allein genannt wird. Martin starb 1527. Alber- 
tino soll bis zum Jahre 1533 gelebt haben, was wohl nicht wahr- 
scheinlich ist.  ' 
In der nach Bramante's Plan von Gio. Battagio da Lodi 
gebauten Kirche dell' Incoronata, sieht man in der Capelle des heil. 
Anton eine Altartafel, welche in zweimal drei Felder getheilt, auf 
einem Sockel steht. Das Mittelbild der untern Reihe zeigt in ei- 
ner Landschaft die von zwei Engeln gekrönte heil. Jungfrau, die. 
mit dem liinde auf dem Schoosse, und ein Vüglein haltend, sich 
nach dem Donator wendet, der auf der nächsten Tafel lmieend, 
von dem heil. Antonius empfohlen, dargestellt ist. Gegenüber 
rechts, steht St. Bassiano, Bischof von Lodi. Diese drei Tafeln 
sind weit ausgezeichneter als die oberen und die der Predella, und 
werden dem Martina zugeschrieben. Die etwas unter lebensgros- 
sen Figuren sind von gutem Verhältnisse, _und richtig gezeichnet; 
die Charaktere haben alle etwas Seelenvolles; die Gewänder sind gut 
geworfen und studirt. Die Ifandschaft, welche durch alle drei Bil- 
detkdurchgeht, ist liräftig_im Yordergrunde, von einem klaren 
Blau in der Ferne. Das Mittelbild der obern Reihe stellt den Ge- 
kreuzigten und Maria mit Johannes zu den Seiten dar; das Bild 
links, Johannes den Täufer und den Apostel Paulus, das rechts, 
die! Heiligen Sebastian und Rochus. Im Sockel sieht man die halbe 
Figur des Heilandes und der zwölf Apostel. Alle diese Bilder 
werden dem Albertino zugeschrieben. Im Durchschnitt zeigen die 
Köpfe in denselben eine gewisse Anmuth im Ausdruck und in der 
Bewegung, aber die Zeichnung ist schwach, der Torso des Chri- 
stus und des Sebastian ist zu stark, die Arme schwach. Die Ge- 
wänder "sind rundlich gebrochen, und überhaupt ist die Behand- 
lungsart weniger geistreich als in den zuerst genannten Bildern- 
Im Chore derselben Kirche bewahrt man auch noch eine ehema- 
lige Hirchenfahne hinter Glas und Rahmen, welche ebenfalls von 
den Gründern der Malerschule zu Lodi verfertiget wurde. Sie 
zeigt auf der einen Seite die heil. Jungfrau vor Christus linieend, 
der ihr eine Krone autsetzty vier musicirende, und viele andere 
Engel umgeben die Gruppe. Passavant hält dieses Bild unbestreit- 
bar fiir ein Werk desselben Meisters, der den oberen Theil der
        

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