Patenier ,
Joachim.
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die Landschaftsmalerei zur selbstständigen Kunst erhob. Die Land-
schaft behauptet zwar schon in den Werken der Eyck'schen
Schule eine bedeutende, aber doch noch untergeordnete Stelle,
endlich abenliessen einzelne liiinstler dieselbe inuner mehr her-
vertreten. und die in ihr vorgehende heilige Ilandlung, deren
man noch nicht ganz zu entbehren wagte, wurde zur blassen Staf-
fage der Landschaft, vornehmlich bei Patenier und seinen Mitstre-
banden. Allein diesen ersten selbslsliindigeretl Landschaften fehlt
es, bei der Ueberfiille des Details, bei noch nicht ausgebildeter
Luftperspektive, noch mehr oder minder an Thtalwirhung und an
dem Ausdrucke einer durchgreifenden Stimmung. Jene Meister
liebten namentlich allerhand phantastische Bergfurinen, die noch
selten zu einem harmonischen Ganzen verbunden erscheinen, und
darin ist noch eine kindliche Lust am Bunten und Mannigfaltigen
vorherrschend, wie denn auch die Ausführung bis in die tiefste
Ferne hinaus detaillircnd und sorgfältig bezeichnend ist. Vergl.
Yiugler Gesch. der Maierei II. 152, Beschreibung der Gemäldegal-
lerie des hiinigl. Museums in Berlin 190. Waagen Kunst und
Iiiinstler I1. etc. Letzterer fand bei Vergleichung der Werke die-
ses Biixistlers, dass in den Charakteren und Motiven immer der
Einfluss des Lucas van Lcyden sichtbar sei, und somit könnte er
ein Schiiler desselben gewesen seyn.
Patenier wurde um 1490 zu Dinant geboren, und daher hat er
den Beinamen Dionatensis. Ausserdeiu weiss man noch, dass der
liiinstler 1515 Mitglied der Akademie in Antwerpen geworden, und
von dieser Zeit an iene Stadt nicht mehr verlassen habe. Wie alt
er geworden, ist nicht bekannt, doch dürfte er kein hohes Alter
erreicht haben, da sein Leben nngeregclt war. Er hatte sich dem
Trunhe ergehen , ivohei es auch nichtlan Ausschweifungen fehlte,
und er soll nur dann gearbeitet haben, wenn ihm das Geld man-
gelte. Er fand indessen durch seine Bilder reichen Ersatz, denn
sie wurden geschätzt und theuer bezahlt. Ueber seine Tüchtigkeit
vergass man die Trnnhsucht und das liederliehc Leben des liiinst-
lcrs. Selbst Albrecht Diirer war 1520 in Antwerpen bezaubert von
dessen Arbeiten, und er zeichnete mit dem Silberstifte Patenier's
Bildniss, welches in Iinpfer gestochen ist, als Brustbild mit Pelz
verbriimter lYIiitze und dem Mantel um die Schulter, Oben Steht
die Jahrzabl 1521 bei den Buchstaben A D, was den Albrecht Dii-
rer wohl als Zeichner, aber nicht als Stecher bedeutet, wie Einige
glaubten. C. van llrlander nennt den Gorn. Cort als den Urheber
des Stiches.
Es gibt noch eine ziemliche Anzahl von Werken dieses Iiiinst-
lers, die in verschiedenen Gallerien aufbewahrt werden, und nicht
alle von gleichem Werthe sind. Eines der vorzüglichen Bilder ist
die Anbetung der Könige in der liönigl. Gallerie des Louvre zu
Paris, wie Dr. Waagen behauptet.
In der königl. Pinakothek zu München ist ebenfalls ein schöne:
Gemälde von Patenier, welches die Flucht nach Aegypten vorstellt,
wahrscheinlich das Bild der Boissercäschcn Sammlung. Es olTen-
bart sich darin eine gewisse Grösse der Anordnung, und dann er-
reichte der Künstler auch eine kräftige Wirkung.
In der S. Morizkapelle zu Nürnberg ist die Versuchung Christi.
und in der kiiuigl. Gallerie zu Schleissheim die klugen und thü-
richten Jungfrauen und die heil. Dreieinigkeit, lauter ganze Figuren.
In der k. k. Gallerie zu Wien sind acht Gemälde von Patenier.
grösstentheils der treltlichstexi Art. Man sieht da in Landschaften-