Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Passe, Simon de - Powle, G.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1766577
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1768084
'lich t-dem Agostino Chigi, einem Sieneser, der zu Rom in glän- 
zenden Verhältnissen lebte. Dieser liess sich durch Peruzzi einen 
Pallast, oder vielmehr ein Casino bauen  welches jetzt. unter dem 
Namen denFnrnesina bekannter ist: Hier legte nun der Künstler 
einen glänzenden Schatz nun architektonischen henntnissen dar, 
und hier erreichte durch ihn auch die Architekturmalerei einen 
Grad von Vorzüglichkeit und Vollkommenheit, wie man früher 
nie gesehen. Schade nur, dass die von ihm gemalten architekm. 
DlSChCKl Verzierungen des Vordertheiles verschwunden sind. Sie 
waren so sehr anfdie Wirkung des Ganzen berechnet, dass die- 
ses aninuthvolle Gebäude nach Beraubung des Scliniuclies einen 
etwas nüchternen Eindruck macht. Die Hauptfacade bietet im 
Erdgeschosse einen schönen Porticus (Loggia) von fünf Bogen dar, 
und in dieser Gnllerie malte Rafael die Fabel der Psyche. Dieser 
Porticus, so wie das Hauptgebäude machen den Hintergrund von 
zwei Flügeln aus, welche demnach die Vordergebäude desselben 
bilden. Rings um die untere Etage läuft eine Ordnung derischer 
Pilaster, von gleicher Raumweite, wie die Oeffnung der erwähnten 
fiinf Bogen. Die Etage über dem Erdgeschosse ist ebenfalls mit 
dorischen Pilastern, und der Fries iiber der Haupt-etage mit von 
Genien und Cariilelabern getragenen Fruchtschnüren geziert, alle 
Details der Profile von attischer Eleganz undRcinhcit. Dieses 
Gebäude ist noch jetzt "eine der elegantesten Schöpfungen der Ar- 
chitektur, und als es noch allen Zauber der Decorationsnialerei in 
sich vereiniget hatte, musste es als eine Art Wunderwerk erschei- 
nen, Von der Harmonie eines unter solchen Umständen geschaf- 
fenen Gebäudes kann man sich kaum einen Begriff machen. Va- 
sari sagt davon, es sei nicht gemauert, sondern wirklich ge- 
wachsen (_Si vede rion niurato ma veramentc nato). Dieses 
Gebäude verbreitete weithin seinen Ruf, und so wurde er auch 
nach Bologna berufen, um die Facade der Kirche St. Petronio 
zu entwerfen. Er machte zwei grosse Aufrisse mit ihren Durch- 
schnitten, deifeincn im neuen Geschmacke, den andern im gothi- 
scheu Style;  allein es bliebibei der Bewunderiin . Dann fertigte 
er die Zeichnung zur Pforte der Iiirche St. Michäe in Busco, den 
Plan zur Hauptkirche von CIJPFl, welche darnach auch ausgeführt 
wurde, der Bau der Kirche des heil. Nicolaus in Bologna wurde 
aber wieder unterbrochen, weil Peruzzi zur Leitung der Festungs- 
bauten nach Siena berufen wurde. 
Bei seiner Riickkunft nach Rom. richtete Palast Leo X.  sein 
Augenmerk auf ihn, denn er bedurfte eines Architekten, der den 
Bau der St. Peterskirche leitete. Die Bestallung ist vom 1. August 
1520, wie Carlo Fea, Notizie intorno Raffaele etc. p. 17, aus den 
Büchern der Bauverwaltung ersah. Rafael vrar gestorben, und so 
trug der Papst dein neuen Meister auf. cm Modell der Kirche 
nach einem kleineren Plane zu verfertigßll, Weil ihm RafaeYs Ent- 
wurf zu weitläufig schien. Der Grundriss dieses neuen Modells, 
der in Serlio's Architekturwei-k abgebildet ist, zeigt die Kirche in 
Form eines griechischen Kreuzes, und vielleicht ist dieser Entwurf 
der schönste von allen, die zu der neucil Peterskirche gemacht 
wurden, der aber leider nicht zur Ausführung hafn, obgleich Pe- 
ruzzi bis an sein Ende Hauptmeister des Baues blieb. Allein die- 
ser ging einen sehr langsamen und schleppenden Gang, woran 
auch grösstentheils die Erschöpfung der päpstlichen Cassc Schuld 
war, und zuletzt wurde unter Peruzzüs Leitung nur die von Bra- 
iiiimte angefangene Haupttribune vollendet. Ausserdem fertigte der 
Biinstler einige Ylaue zu Pallästen und bescheidenen Wohnungen,
        

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