Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Müller, Jan. [vielm. Jens Peter] - Passe, Wilhelm de
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1760661
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1761732
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Myron. 
Beweissstellen, dass Mvron AnakreonÄs Zeitgenosse gewesen. S. des- 
sen Werke VII. 4148  Plinius ist mit seiner Angabe im Irrthum, 
indem in jenem Epigramine (Anth. gr. Palat. VII. 190), welches ei- 
nes solchen kindischen Monumentes erwähnt, nicht von Myron, 
sondern von einem Frauenzimmer, Namens Myro, als der Errich- 
terin dieses Denkmals, die Rede ist. Ob Erinna die Dichterin, 
oder ob ein anderer sie nachgeahmt habe, ist unbestimmt. S. Sil-V 
lig Cat. artif. p. 285.  
Myron wurde in Griechenland zu den Iiiinstlern erster Grösse 
gezählt, und er wird neben Phidias und Polykleitos allein genannt, 
wenn von grossen Mieistern der Plastik die Rede ist. In Myron 
äussert sich nach O. Müller (Arch.  122! die Iiunst noch körper- 
licher, als in den beiden genannten Künstlern. lhn fiihrte seine 
Individualität besonders dahin, kräftiges Natur-leben in der ausge- 
dehntesten Mannigfaltigkeit der Erscheinungen mit der grössten 
Wahrheit und Naivetät aufzufassen, "Primus hie," sagt Plinius, „mul- 
tlplicasse veritatem." Man hatte von ihm höchst lehensvolle Dar- 
stellungen ans der Thierwelt, und mit einer solchen beginnt Pli- 
nius die Reihe seiner Werke. Dieser Schriftsteller behauptet, dass 
ihm die Nachbildung einer Kuh den grössten Ruhm bereitet habe, 
„bucula maxime nubilltavit." Doch auch in seinen athlethischen 
Bildungen und in seinen mythischen Gestalten leistete Myron Gros- 
ses. Petronius sagt, dass der I'iiiixstlei' fast im Stande gewesen, das 
Leben der Menschen und Thiere auszudrücken, "Myron qui paene 
horninum animns ferarumque expresserat," was nach lliiiller nicht 
im Widerspruche steht mit dem Ausspruche des Plinius: "Curporum 
tenus curiosus, animi sensus non expressisse videtur," dass dem 
Myron das Seelenvolle, die Grazie des Ausdruckes gefehlt habe. 
In der gleichgültigen, regungslusexi Bildung des Gesichtes, sagt. O. 
Müller, und in der steifen Arbeit der Haare blieb er auf der Stufe 
der friihern Erzgiesser (der Aegineten besonders) stehen, von denen 
er sich überhaupt weniger unterschied, als Polyklet und Phidias. 
Thiersch, Epochen S. 256, sagt indessen, dass Niemand glauben 
werde, Myron, der die Iiürper naturgemäss und so vortrelTlich ge- 
bildet, die Haare nicht anders zu bilden vermocht habe, als nach 
der Einrichtung "des rohen Alterthums. Das Verfahren eines sol- 
chen Meisters, fährt Thiersch S. 245 fort, lehrt im Gegentheile, 
dass er bei der alten Form der Haare mit Absicht auch jenen, in 
den Schulen überlieferten Ausdruck der Gesichtsbildung. wenn auch 
gemildert, doch seinen Grundzügen nach beibehalten habe. 
Myron schuf ein colossales Kleeblatt, indem er die Idee erfasste, 
wie die schützende Minerva den apotheosirten Herkules dem Ju- 
piter vorstellt, und sich nun beide Götter dem Vater zur Rechten 
und Linken präsentiren. Dieses VVerk stand im Heräon zu Samos, 
wo es Antonius wegnahm, Cäsar aber wieder zuriickgab bis auf 
die Statue Jupiters, welche zu Rom auf dem Capitol aufgestellt 
wurde. Unter den mvthischen Gestalten sagte dem Myrgn besonders 
Ilerkules zu. In ihmi erscheint das lleruiinitieal in höchster Puten; 
ausgeprägt. Durch Anstrengung gestählte unrhbewahrte Kraft ist 
der Hauptzug, den bereits die altgriechische Ilunst in ihren Bil- 
dungen andeutete, aber besonders Myron und Lysippos zu einer 
Form entwickelten, die nicht mehr überboten werden konnte. Siehe 
Ü. Müller s, 410. Plinius erwähnt einer zweiten berühmten Her- 
kulesstatue von llvlyron, die damals in der Nähe des Circus Maxi- 
mus im Hause des Pompejus zu Rom aufgestellt war, Sie isg aber 
vqn jener Bronzestatue des Herkules zu unterscheiden, welche Ver-
        

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