Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Müller, Jan. [vielm. Jens Peter] - Passe, Wilhelm de
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1760661
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1761334
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hlnrillo , 
Don 
Bartolome 
Estävan. 
grösstes Verdienst des Murillo gcriilimt wird, kann einen genüg- 
liehen Beweis in der Ruhe in Aegypten und der Anbetung der Hir- 
ten finden, die beide aus XValpohfs Sammlung nach Petersburg 
lsamcn. Das letztere ist in der Iloughtonhall-Gnllery gestochen. 
Wie viel Murillo in der treuen, aber geistreiehen Üebcrtragiing 
der Naturgegenstünde leistete, beweiset das liniestüeli einer jungen 
Bäuerin, welche mit einer Hand ein weisses Tuch an den Backen 
hiilt; denn sie leidet an Zahnschmerzen. Auf dem Nebenbilde 
neigt sich die Bäuerin lächelnd zu einem sie anbellenden Hunde. 
Beide Bilder zeichnen die Natur mit der höchsten Wahrheit und 
der lebendigsten Charakteristik. 
Durch einen sinnigen, gemüthvollen Charakter zeichnen sich 
vorzüglich aus: die Segrfuiig 'l'obiä und der heil. Johannes mit 
dein Lainnüe an einem Felsen. Letzteres Bild war früher 'in den 
Zimmern der Kaiserin Mutter. Niemand hat die zarte Iiindlichhcit, 
das Soelenvolle und Bedeulsame der Unschuld lebendiger oder voll- 
ständiger ergriffen. 
Auf den Bildern der heil. Familie erscheint seit P. Perngino und 
Rafael, und schon seit früherer Zeit, entweder in einem secnndii- 
ren Antheil an der Handlung, oder selbst in dein Charakter eines 
Gegensatzes, Miirillo aber scheint die Idee der xüiterliehen Liebe 
vorzüglich liebgevvonnen zu haben; Joseph erscheint bei ihm als 
Vater des Kindes. Die Eremitage enthält 4 tretfliche Bilder dieser 
Gattung.   
Dass Murillo auch als Landsehaftsmaler ausgezeichnet ist, be. 
urhiindet einisehr schiitzhares Stück der ehemaligen I-Ioughtonhall- 
gehen Sammlung, welches auch in Walpolds Werk als Kupfer- 
stich Vol. I. n. 25 zu finden ist. Üeber das ganze Bild ist eine 
IIeitei-lseit und ein Leben verbreitet, das nicht beschrieben wer- 
den kann. Das Brustbild eines jungen VVeibes mit dem teilten 
Binde iui Arme trägt ebenfalls IVIui-illifs Namen; eine Flucht nach 
Aegypten stammt aus Walpule's Sammlung, der es durch den Ge- 
sandten Benjamin Iieene in Madrid erhielt; St. Joseph mit dem 
Christusliinde auf dem Schoosse kommt aus der Houghiqnhalrschei; 
Sammlung, und ist Vol. II. p. 46 gßslßcllßll. und das letzte der 
k. russischen Gallerie stellt Joseph oder Siineon vor, mit dem 
Iiinde andachtsvoll nach dem Himmel blicliend. 
Sevilla hatte vor der Ankunft der Franzosen viele und schöne 
Bilder von Murillo, allein_sei_t dem Proconsulnte des berühmten 
Marschalls Soult sind Salanstcxen und Capellcn ihres schönsten 
Schmuclses beraubt. In der Sammlung des Marschalls lmnnlc man 
die llleisterwerlse des Hospltals San Jorge della (Inridad bewundern 
allein sie sind schon theilweise zerstreut. um nie mehr nach S a: 
nien zu wandern. P 
Das berühmte Bild des heil. Anton von Padua, ehedem im Ab 
cazar zu Sevilla, ist jetzt im k. Museum zu Berlin. 
Die Bilder der Hospitalkirche, so wie jene im Kloster des heil. 
Franz, in der Kirche de los Venerables, in der Cnthcdrqlg, in S_ 
Maria la Blanca und des Cnpuzirlerklosters haben wir oben im 
Contexte erwähnt. Ob die Gemälde ausser jenen in 1a Cnridad 
noch an_Ort und Stelle sind, wissen wir nicht, und glauben e, 
sogar nicht. S0 ist wahrscheinlich das berühmte Bild des heil. 
'l'homas von Villa nuova bei Lord Ashburton in London jenes der 
Cupuzinerlsirchc zu Sevilla.
        

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