Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Müller, Jan. [vielm. Jens Peter] - Passe, Wilhelm de
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1760661
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1766230
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Parrhn sius. 
den Stock, welchen er trug, 
Athenäus uns benachrxchten. 
öiarros bei. 
mit Gold auslegen, wie Aelian und 
Er legte sich den Beinamen Cdßpo- 
Plinins nennt uns verschiedene Werke von der Hand dieses 
Künstlers, zuerst eines seiner canonischen Bilder, den Theseus, 
welchen man später auf dem Capitol sah, vielleicht dasselbe Bild, 
gegen _wel_ches Euphranor sich brüstete: der Theseus des Parrha- 
sius sei mit Rosen gefüttert, der seinige aber mit Rindfleisch. Eine 
Tafel zu llhodus, die Helden Meleager, Herkules und Perseus 
vurstellend, hatte dreimal der Blitz getroffen, ohne selbe ganz 
vernichten zu können, was Plinius als Wunder erklärt. Auf einer 
anderen Tafel erschienen wieder drei Helden: Aeneas, Castor und 
Pollux, und auf einer dritten vier; Telephus, Achilles, Agamern- 
non und Ulysses. Zu Lindus war jener Herkules so gemalt, wie 
der Künstler ihn öfter im Traume gesehen haben wollte. In 
Salnos wurde sein I-Iuchmuth etwas gedemiithiget, da ihm Ti- 
manthes vorgezogen wurde. Es gab da einen graphischen Agon, 
wo das Urtheil der Griechen, welche die Waffen des Achilles dem 
Ulysses zusprachen, die Aufgabe war. Parrhasius tröstete sich aber, 
und sagte nur, es thue ihm leid des Ajax wegen, ihn zum zwei- 
tenmale so unwürdig beurtheilt zu sehen. Dann malte er auch den 
verwundeten Philoktet, und den Ulysses, wie er sich wahnsinnig 
stellt. An sein Bild des gefesselten Prometheus am Caucasus knüpft 
sich eine alte Sage, welche das neuere Miihrchen von Michel An- 
gelo erzeugt haben dürfte. In den Controversen des Seneca lesen 
wir, dass Parrhasius einen gekauften Sklaven zu Todt gemartert 
habe, um den Ausdruck des Leidens zu finden. Der Sklave soll 
aus Olynthus gewesen seyn; allein diese Stadt wurde erst nach 
l'arrhasins' Tod von Iiünig Philipp erobert. Als Allegorie eines 
tüchtigen Zechers galt vielleicht sein Bild des Baechus, welchen 
er mit der Tapferkeit malte, und unter der Gestalt des Mercurius 
stellte er in einem anderen Gemälde sich selbst dar. Von Bildnis- 
sen rühmt man das eines Schiffsobersten in voller Rüstung, jenes 
des Iiomikers Philiscus; das Bild der Siiugamme Cressa mit dem 
Iiinde auf dem Arme; das eines Opferpriesters mit dem Knaben, 
der Rauchgefäss und Kranz hält, und die Bildnisse zweier Iina- 
ben in der ganzen Einfalt und Sorglosigkeit ihres Alters. Am aus- 
gezeichnetsten waren indessen zwei Athleten: ein Schwerbewaifxie- 
ter, der nach dem Laufe zu schwitzen schien, und ein anderer, 
den man beim Ablegen der Waffen aufathmen zu hören glaubte. 
In die Classe der unziichtigen Bilder scheint jenes des Archigallus 
zu gehören, des Obersten der verschnittenen Priester der ephesi- 
sehen Diana, welcher nach Sueton den Meleager vorgestellt haben 
soll, wie er mit Ider Atalanta spielt. Tiberius kaufte diesen Ar- 
Chigalllls um 60,000 Sestertien, und hing den Castraten lll seinem 
Geiuache auf. 
Ein schwer zu verstehehdes, aber viel besprochenes Bild des 
Parrhasius ist der Demos der Atheuer, wo in einer Figur durch 
Iiörpcrbildung, Ausdruck, Gesten und Attribute sehr widerspre- 
chende Ziige ausgedrückt gewesen seyn sollen. Der Iiiinstler wollte 
niiiiilich, wie Plinius erzählt, in einem sinnreichen Gemälde das 
atheuische Vulli zugleich unbeständig, jälllürnig, ungerecht, leicht- 
sinnig und wiederum lenlssam, nachsichtig, mitleidig, gmssmii- 
thtg. rulllnßüßbtig, kriechend, kühn und feig, alles in Einem 
Bilde darstellen; 
        

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