Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Müller, Jan. [vielm. Jens Peter] - Passe, Wilhelm de
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1760661
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1761257
Murillo , 
Don 
Bartolome 
Esldvan. 
Die Idealitiit verschmilzt bei Murillo stets mit dem Geiniitliliehen, 
ja verliert sich in ihm nicht selten, und indem er in der Wahl 
und Bildung des Gedankens fast immer poetisch und daher origi- 
nell ist, tritt er noch niemals, in den Iireis des Grossarligen, Er- 
habencii, sondern verleiht seinen Bildern eine mehr oder weniger 
gediegene Sentimentalität, welche der griisseren Mannigfaltigkeit 
darum crmangelt, weil die Summe der sich äusscrnden I-iriifte eine 
geringere ist, Das Naive und Leiehtbeivegte gelingt ihm vorzüg- 
lich; das Gefuhlvolle und Iiinige, welchem er das Charakteristische 
unter-ordnet, sichert ihn bei  Auffassung der Na- 
tur vor dem Irrweg, auf welchem Andere ins Gemeine und Bedeu- 
tungsluse geriethen; denn fast immer bleibt er dem Edlen treu, 
und ohne nach Schönheit zu ringen, gibt er das Anmuthige und 
Liehliche in einer seltenen Reinheit. Bei vielenseiiicr (Seinäilde er- 
freut uns das Sinnige oder die grosse Iiunst, mit welcher er in 
Blick und Miene seiner Gestalten den Gedanken zwar erkennbar 
klar werden, aber zugleich ahnden liisst, dass in ihren Seelen 
noch Vieles unausgesprochen und tief verborgen liege. Durch 
diese Andeutung der innern Tiefe macht er dem Bescliauer niiig- 
lich, immer mehr aus dein Bilde herauszulcsen. Die Cumpusition 
gelingt ihm meistens, und entschuldigt bisweilen für die hie und 
da vernachlässigte Zeichnung, durch die Farbe aber vermag er das 
Meiste, denn mit der ausdauernde!) Wärme und Lebendigkeit ver- 
eint sich Harmonie und Zartheit. Doch möchte auch nicht ge- 
läugnet werden können, er habe an einzelnen Lieblingsgetlanlaen 
bis zur Befzingenheit und der Gefahr das Manierirtcii gehangen. 
Auch in]: Mlßßlltllll von Dr. liugler, 1835 No. 52, ist ein Itaison- 
neiiient iiacr Muri o. 
Gleichzeitig, heisst es da, mit dem Dichter Don Pedro Calderon 
de la Barca, der damals seine höchsten 'l'riuniphe als erster dra- 
matischer Dichter der spanischen Nation feierte, nimmt Murillo 
unter den Malern seines Landes dieselbe Stellung ein, wie jener 
unter den Dramatikern. Unter Velasquez Augen nach den Mu- 
stern der bedeutendsten italienischen und niederländischen Ge- 
mälde gebildet, scheinen besonders Van Dyclt und Sptignuletto den 
tiefsten Eindruck auf ihn gemacht zu haben. Selbst liafaePs Ein- 
fluss ist nicht zu verkennen, dessen berühmte Geiiiiilrle eben dri- 
mals nebst anderen Kunstwerken durch den kiiiistliebenrlen Iiiinig 
Philipp! IV. im Eskurial und zu Madrid gesammelt wurden. Das 
Vor ili der Perle von Rafael auf die liebliche Madonna in der 
herzoglich Leuchtenbergßehen Gallerie zu München, ein Bild. das 
durch Hanfstängefs Lithographie bekannt ist, ist unverkennbar. 
Eine ltladoiina in der Sammlung spanischer Gemälde des Obersten 
Schcpeler lässt in ihrer grossartiigen Auffassung den Eindruck der 
Matlonna del Pesce deutlich erkennen. Diese Richtung Murillrfs 
ilurfte aber nicht fiir die ihm eigenthiiinliche erkannt werden. Der 
Gegensatz der Akademiker und Naturalisten in Italien war schon 
vuruber, die Spanier, namentlich Murillo, standen gleichsam zwi. 
sehen beiden, ja sie vereinigten vielmehr die Yorziige beiden Nkht 
dass sie dieselben eklektisch nachzuahmen sich bestrebt hätten, was 
gewöhnlich ohne inneres Leben zu geschehen pflegt, und (lesshalb 
auch leblose Gebilde erzeugt, vielmehr waren beide Schulen durch 
ihre Vorzüge geeignet, den lebendigen, feurigen Geist des Spa. 
iiiiirszu erfassen, ihn zu wecken, zu bilden und zu leiten, Die 
hriiltig ausgesprochene Individualität der Naturnlisten musste unter 
diesen Umständen am meisten wirken, und wirklich scheinen die 
ßaiuboctliatlcll unsers AntlülUElCYS in nächster Vcrtvandgchaft mit
        

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