Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Müller, Jan. [vielm. Jens Peter] - Passe, Wilhelm de
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1760661
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1765590
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Pglladio , 
An 41' ein; 
und hier begann er von neuem seine Studien, indem er die alten 
Denkmäler untersuchte, ihre Maasse und Verhältnisse erforschte, 
und in den Geist der antiken Iiunst einzudringen suchte. Diess 
Resultat seiner Forschungen legte er in gelehrten Restaurationen 
nieder. Aus den Trümmern der alten römischen Architektur stellte 
er seine Säuleuordnungen her, die neben jener des Vignola, Sca- 
Inozzi und Serlio elassisches Ansehen hatten, rhis endlich die neuere 
Zeit die Mängel erforschte, welche diesen-ankleben, ohne. (lieVor- 
ziige Zu verkennen. Ueber seine Siiulenordnungen handelt beson- 
ders C. Norrnand in seinem Nuuveau Paralelle des ordres d'Archi- 
tecture etc. (Deutseh- von M. H. Jacobi,.1mit Supplementen von 
Manch.) Da ist angegeben, was an seinen Ordnungen auszusetzen 
ist. iZuniichst zeigt sich, dass er das Alterthum nicht sklavisch 
nachgeahmt, unclrim Allgemeinen (las Verhältniss sehr variirt habe. 
Sie erscheinen reicher als die reiugi-iechischen Ordnungen, denn er 
fand sich bei seiner Aufstellung auf ieinem Boden, wo im Alter- 
thume Eleganz und sogar Luxus geherrscht hatte. Besonders zart 
und. rein proiilirtiist seine curinthiseheOrdnung  nur die, Prbifilia 
des Kämpfers und des Pustaments sind zu schwer, die Säulen sind 
kürzer, untersetztexy-sie stehen weiter auseinander, und-doch glaubt 
Normand, diese Ordnung sei sehr gut zu Palliisten undansehnlichen 
Privathäusern, die keine colossalen Dimensionen erheischen, weil 
man hiebei die Zartheit und den gereinigten Geschmack, wovon 
Palladio so viele Prubeil geliefert hat, anrallerbcstenvvrilrdigen 
könnte.      
'Duss Pnlladio vor allen auch den Vifruviüs studirt habe, bewei- 
set der Umstand, dass er eine Ausgabe desselben veranstaltet hat, 
wie wir am Schlusse derAi-tilsels angeben werden.  
Pnllaclio war 29 Jahre alt, nls er in seine Vaterstadt zuriichkehrte, 
um die Summe-seiner Kenntnisse anzubietemqllrlrui glaubt, erhnbe 
zuerst einigen Antheil an der Erbauung, des Theaters in Utline ge- 
nommen, indem Temanza an mehreren Tllßllßl) des Gebäudes Pal- 
ladicfsliunstvveise erkannte. Einen grösseren Spielraum ,fangl sein 
Talent bei der Wiederherstellung der Basilica von Vicenza, ein 
Gebäude im golhisehen Style, welches damals dem gänzlichenVer- 
falle nahe war. Die Sache war schwierig, so Gefahr drohend, dass 
mehrere Architekten" darüber zu Rathe gezogen wurden, Dem Pal- 
ladio wurde das VVerl-a anvertraut, welches er zu SOlDCTTXIiUlHHC 
vollendete, aber 'in' ein Gebäude umwandelte, in welchem die go- 
fhisehen Forineninwischen" den Gnllerien der derisehexi und "jonie 
sehen Art ganz fremd hervorbliclsen. Palladio baute um denßaal, 
welchen er erhalten sollte, zwei Gallerien, die untere in tierischer, 
die obere in jonischer Ordnung. Die Säulen sind analen Pfeilern 
der Arkaden halb eingeinauert, der Bogen ebenfalls auf einzelnen 
kleinen Säulen ruhend. Das Jorische Gesims ist mit Triglyphen 
und Metopen geziert, das junische trägt eine ßalustrade, ivvelizhe 
die Brustlehne einer rings bei-umlaufenden Plattfurnl bi-ldet-üiiber 
welche siclreine Art von Attika erhebt, deren Pfeiler zwischen den 
Säulen mit runden Öel-fnungen durchbrochen Sind, welche dem 
alten Baue angehören. Diese Umwandlung (168 Gebäudes, welche 
Wir mit Quatremerew de Quincy (Leben der berühmtesten Architek- 
ten etc.) nicht eine glückliche Restauration trennen wollen, ver- 
schallre dem Hiinstlereinen Ruf nach Rom, wn Papst Paul III. 
Enhlviirfe zur neuen Peterskirche machen liess. Allein da drang 
Palladio nicht durch, weil der Pabst bald darauf starbynnd so 
richtete er wiederisein Augenmerk aiifdie alterthiimliehen Gebäude
        

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