Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Müller, Jan. [vielm. Jens Peter] - Passe, Wilhelm de
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1760661
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1761232
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Murillo , 
Don 
Bartolomc 
Enlävan. 
 die sich auf VVcrke der Barmherzigkeit beziehen, und die zwei 
übrigen stellen den heiligen Johann de Dios mit einem Ar- 
men beladen, und die heilige Isabella, Königin von Portugal, 
vor, wie sie kranke Bettler heilt. Diese Gemälde wurden von 
den Franzosen weggeführt, und noch gegenwärtig sind sie in 
der Sammlung des Marschall Soult zu Paris. S. unten: Paris. 
Diejenigen, welche dem Murillo kein anderes Verdienst als das 
des Colorits zugestehen wollen, werden an der Schulter des Gicht- 
briichigen am Teiche die genaueste Iienntniss der Anatomie des 
menschlichen Körpers; an den drei dem Abraham erscheinenden 
Engeln die menschlichen Proportionen; an den liiipfen des Chri- 
stus, des Moses und anderer die edlen Ziig-e; an den Gestalten 
des verschwenderischen Sohnes und einiger Weiber und Kinder, 
die sich begierig zudrängen, das aus einem Felsen springende 
Wasser zu trinken, den Seelenausdruck wahrnehmen können, und 
überhaupt an diesen ausgezeichneten Gemälden die Beobachtung 
der Regeln der Composition, der Perspektive und Optik nicht we- 
niger, als philosophische Einsicht bei Schilderungen der Tugen- 
den und Leidenschaften des menschlichen Herzens finden. Fiir 
das Gemälde der Speisung mit Brod und Fischen erhielt er 15,975 
Realen besonders, für das dazu gehörige des Moses 13,500, fiir 
die hierauf folgenden vier kleineren 52,000; und für die übrigen 
zwei Bilder des heiligen Johann de Dios und der heiligen Isa- 
bella 1Ö,81'10 Realen, woraus man sieht, wie hoch man seine Werke 
zu einer Zeit schätzte, wo doch die Lehensbediirfiiisse um die 
Hälfte leichter zu befriedigen waren, als jetzt. Auf diese Gemälde 
folgten die der Empfängniss und des heil. Petrus, die sich in der 
Kirche de los Venernbles befanden, und dasjenige der heil. Jungfrau 
mit dem Iiinde, wie sie an einige fremde Priester Brod verlheilt, 
an der Wand des licfektoriums in diesem Hospital. Die Empfäng- 
niss hält Bermudez für das beste Zeugniss der Fertigkeit lilurillefs, 
so wie von seinem Geschmack und seiner Einsicht bei den Gegen- 
sätzen des Lichtes und zu Hervorbringung des Tbtaleilickts, und 
fiir das beste seiner Hand. Auch malte er in eben dieser Zeit die 
19 Gemälde mit Figuren natürlicher Grösse, welche dic Altäre und 
den unteren Chor des Capuzinerklosters zieren, und viclc andere. 
Nachdem alle diese Werke beendigt waren, ging llIurillo nach 
Cadiz, um das grosse Bild der Verlobung der heil. Catharina fiir 
den Hauptaltar der Kapuziner zu malen. Ehe er aber das Werk 
vollendete, fiel er auf dem Gerüste, ward hierauf bedeutend krank, 
und sah sich desshalb gcniithiget, nach Sevilln zurückzukehren, wo 
er den übrigen Theil seines Lebens immer liriinkclnrl zubrachtc, 
und endlich 1682 starb. Er hatte zwei Söhne, Don Gabriel, der 
sich in Amerika aufhielt, und Don Gaspar Stövan, einen Gcistli- 
chen, und noch eine Tochter, als Nonne, Donna Francisca ge. 
nannt, im Kloster der Mutter Gottes zu Madrid. Er hingerlicss 
ausser einem beträchtlichen Vermögen auch eine Anzahl von Ge- 
mälden, wovon einige beendigt, andere inur entworfen sind. Ei- 
ncs der vorziiglichsten darunter ist sein eigenes Bildniss. Murillo 
hatte einen liebenswürdigen Charakter, seine Schüler behandelte 
er liebevoll und leitete sie mit Sanftmuth auf dem Wege, der zur 
Nachahmung der Natur führt, sowie mehr Anoch durch die Errich- 
tung einer öffentlichen Zeichen-Akademie in Sevilla, die endlich 
nach manchem [iampfe 1660 erölinet wurde. Er war der erste Vor- 
steher, welcher in jener Stadt das Studium des Nackten oHentlieh 
lehrte, indem er Nackte stellte, und die Proportionen nebst der 
Anatomie lehrte. So ist er auch der Gründer der Sevillanischen
        

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