Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Müller, Jan. [vielm. Jens Peter] - Passe, Wilhelm de
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1760661
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1764093
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Ohlmiüler, 
Joseph 
Daniel. 
ist achteckig. Durch eine viereckig gestaltete Vorhalle tritt man 
in das Gebäude. Das Ganze ist neich mit Pfeilern, Spitzgiebeln 
und 'l"hiirmchen geziert, deren Ornamente von ungemeiner Schön- 
heit sind. Im unteren Stockwerke sind sieben Capellen zur Auf- 
stellung Her Büsten. 
Aus den vereinigten Motiven der beiden letzteren Entwürfe ging 
endlich Ohlmiiller's letzter, durclr Grösse, Pracht und Schönheit 
gleich ausgezeichneter Plan zur lluhmeshalle hervor, dessen Aus- 
führung schon nach dem Vornnschlage des Architekten kaum weni- 
ger als drittllalb Millionen Gulden in Anspruch genommen hätte. Der 
Plan ist auf mehreren, zu einem Ganzen zusammengefieten Per- 
gamentblättern mit wunderbarer Genauigkeit bis in die ileinslen 
Details ausgeführt.  
Endlich nahte eine Zeit, in welcher dem Künstler die Hoffnung 
bliihte, einen selbstständigen grossen Hunstbau nach eigenen Ent- 
würfenyausznfiihren. König Ludwig beschloss, in der Vorstadt 
Au teine neue liirche zu bauen, und liess daher an die berühmte- 
sten Architekten die Aufforderung ergehen , zu diesem Zwecke Ent- 
wiirfe einzusenden. Ohlmiiller trat ebenfalls als Mitbewerber auf, 
und sein Plan erhielt allgemeine Genehmigung. Am 28. Novembclr 
1831 wurde der Grundstein gelegt, aber vergebens suchte man 1859 
bei der Einweihung des Gotteshauses den lfiiinstler. Er hatte sein 
Werk mit Liebe gepflegt, er sah es heranwachsen und sich aus- 
breiten in schönster Harmunie der Theile, er sah auch noch den 
zierlich durchbrochenem Thurxn mit dem vergoldeten Kreuze im 
Aliendliehte schimmern, aber bald darauf sank er in die Grube. 
Später werden auch seine Gebeine in dieser von ihm gebauten 
Iiirche beigesetzt werden. Aber sein VVerk steht da , ein Tempel 
im reinsten gothischexl Slyle erbaut, einer der schönsten seiner 
Art. Vier und achtzig Fuss über dem Beschauer breitet sich das 
kühne Gewölbe aus, getragen von zwvailzig Säulen des Schiffes und 
vun O Säulen im Chnre. llier ist überall die schönste Harmonie der 
'l'l'ieile unter sich und zum Ganzen, Einfachheit und Schönheit bis 
zum kleinsten Zierwerls. Die Beleuchtung wird durch 19, mit den 
prächtigsten Glasmalereien geschmückte Fenster bewirkt. Die äus- 
sere Form ist durch einen schönen Stahlstich von G. Müller, und 
durch die Lithographie bekannt. Der Plan der Kirche wird durch 
Ziebland ebenfalls veröffentlicht, und dieFenster mitihren architektoy 
nischeii Verzierungen und Malereien gibt jetzt der Glasmaler F. 
Eggert in lithographirten und ausgemalten Abbildungen heraus. 
Ausführliche Bemerkungen über diesen Bau gibt Dr. R. Marg- 
gratl? in den Nliixlchner Jahrbiichern für bildende Iiunst. III. H. 
18406. 290. 
Obgleich dieser Bau allein dem Iiiinstler das ehrenvollste Anden- 
ken sichert, so müssen wir doch nucll anderer Bauwerke und Ent- 
Würfe erwähnen, welche in die Zeit nach der Grundsteinlegung 
der Alierkirche fällen. Dahin gehört zunächst das Nationaldenk- 
mal zu Oberwittelsbach, welches zu Ehren eines rulunvrallen Ge- 
schlechtes 1852 gegründet wurde. Es ist 1m_ altdcutschen Style er- 
baut, _in Gestalt eines schlanken, freianfstcigcnden Thurmes, der 
etwa m halber Höhe mit Spitz  Thiirmchcn geziert ist, wo- 
durch flaä Monument griissere Breilß erhält. Das Hauptgcsims 
krönt eine ilßhlfrßitige, "leicht durchbruchcne Pyrmuicle. Das Ganze 
ist einfach, aber es entspricht allen Anforderungen architektoni- 
scher Schönheit.
        

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