Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Müller, Jan. [vielm. Jens Peter] - Passe, Wilhelm de
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1760661
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1762574
von Bildern und Gedanken befriediget das Auge. Die sieben dra- 
matischen Gegenstände aus Fiesco, Don Carlos, VVallenstein, d 
Braut von Messina, Maria Smart, der Jungfrau von Orleans uneöl 
Wilhelm Tell, sind jede in drei Scenen dargestellt, von welchen die 
eine als Hauptbild in Figuren von ä Lebensgrösse, die beiden an- 
deren in kleineren Figuren innerhalb einer über dem Hauptbilde 
befindlichen Lunette angebracht worden. Im Iiunstblatt 1858 
N0. 101 wird näher über diese Bilder gesprochen, und über die 
Schwierigkeit bei deren Anordnung. Bei der VVahl der Gegen- 
stände musste sich der liiinstler die Aufgabe setzen, jedesmal in 
drei Bildern die Hauptmomente des Drama's oder doch wenigstens 
die Hauptidee, nach welcher es der Dichter aufgefasst hat, anschau- 
lich zu machen. Wie schwer diess zuweilen mit den Forderungen 
malerischer Darstellung zu vereinigen war, bedarf kaum einer Erin- 
nerung, da die Iiunst des Malers Vorgänge schildern muss, deren 
geistige Bedeutung sich in sinnlichen Bewegungen ausspricht, wiih 
rend der Dichter oft die wichtigsten Wendepunkte, ja die ganze 
Catastrophe seines Stiickes in blos geistige Bewegungen legt. Bei 
dieser Arbeit kam dann noch die besondere Schwierigkeit hinzu, 
dass die Hauptbilder auf wenige, den ganzen Raum ausfiillende 
Gestalten beschrankt werden mussten, und blos in den kleineren 
Compositionen eine reichere Zahl von Figuren angebracht werden 
konnte. Nur durch diese Anordnung nämlich konnte man eine 
bedeutende Grösse für die Hauptfiguren, und damit liir die Anord- 
nung im- Ganzen Ernst und Ruhe gewinnen. Daher waren für die 
grösseren Bilder auch nur Scenen zu wählen, welche fast symbo- 
lisch die Idee des Dramas versinnlichen, während die kleinen mehr 
als dramatische Erweiterungen anzusehen sind, aber auch, jedes 
fiir sich, ihren Gegenstand deutlich aussprechen müssen. So musste 
in dem grossen Bilde aus Don Carlos nothwendig das Verhälmiss 
zwischen dem Prinzen und der Königin geschildert werden. Der 
Iiiinstler hat desshalb die letzte Scene gewählt, wo Don Carlos 
in der Nacht, in Mönchskleidung verhüllt, vor dem Zimmer der 
Iiöniginn von ihr Abschied nimmt. Don Carlos kniet vor ihr, und 
sie reicht ihm innig bekiimmert die Rechte, während sie mit der 
Linken den Leuchter in die Höhe hebt. um den langen Gang zu 
erhellen. Diese Stellung des Lichtes bringt eine magische Wirkung 
hervor, und hat dem lhinstler Gelegenheit gegeben, ein brillantes 
Nachtstöck zu malen. Ein tieferer Reiz aber liegtxin der zarten 
Anmuth und einfachen VViirde der Königin. Die beiden kleinen 
Scenen aus diesem Drama stellen die Scene im Garten von Amn- 
juez, also die Einleitung und den Tod des Posa, die Catastrophe, 
dar. Die letztere Scene liihrt dann auch die Hauptpersonen der 
Tragödie, den König, den Herzog von Alba und den Beichtvater, 
in charakteristischen Figuren dem Beschauer vor Augen. 
Aus Fiesco ist für das Hauptbild die letzte Catastrophe gewählt, 
wie Verrina den neuen Herzog vom schmalen Stege hinab in die 
Fluthen stürzt. Dieses Bild ist klar, harmonisch, kräftig, und 
von grossem Reiz der Farbe. Köpfe und Gewänder sind vom-elf- 
lich, und so sorgfältig wie in einem Oelgelnälde behandelt. Die 
Nebenscenen schildern mehr den äussern als den innern Gang der 
Begebenheit: wie der alte Doria nach Gianettinds Tod entiliehl. 
und Fiesco, welchem die Soldaten Treue schwören; also Sieg und 
'l'riumph des Empörers, welchem jählings sein Sturz folgt. 
Die Scenen aus Wallenstein dagegen sind allein nach den poe- 
tischen Intentionen des Dichters gewählt. Das Hauptbild stellt den
        

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