Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Müller, Jan. [vielm. Jens Peter] - Passe, Wilhelm de
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1760661
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1761947
Nanni , 
Giovanni. 
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die Sinnbilder der Familie Medici, den Diamantring und das Joch. 
Die Wände wurden von ihm mit hleinen Figuren, Gruppen und 
Arabeslsen geschmückt, deren lebhafte Farben durch schöne Zu- 
sammenstellung dem Auge einen sehr wohlgcililligen Eindruck ge- 
währen. Als in der Folge Pius IV. die Ausschmiickung dieser 
Loggien durch Johann von Udine zu vollenden beschloss, ward 
dieser Künstler, der sich damals bereits im hohen Alter befand, 
von dem Pabste genöthiget, die gedachten, von-ihm in der Blülhe 
der Jahre gemalten Weintrauben mit Wasserfarben auf dem 'I'roclse- 
neu zu übergehen. Obgleich sie dadurch, wie Vasari bemerkt, 
ihre vornmlige leichte Behandlung und die Frische der Farben ver- 
loren, so sind die Malereien doch noch in ihrem gegenwärtigen 
Zustande bewunderungssviirdig, insbesondere wegenlder vortreff- 
lichen Vögel und vieriiissigen Thiere von mancherlei Art, die sich 
in ihnen befinden. Durch den Tod des liiinstlers uuterblieb die 
weitere Fortsetzung jenes Unternehmens bis zum Poutificate Gre- 
gofs XIII.  
Im Anpartamento Borgia dieses Stoclswerlaes ist die Decke des 
grossen Saales (Sala Borgia) mit Malereien und Stuccaturen 
von ihm und Pcrin del Vage verziert, noch zur Zeit Leo X. Im 
Pontificate dieses Pabstes malte er auch in einem der vordem Saale 
Constantids liegenden Zimmer Iiinderfiguren, Löwen, das päbst- 
liehe Wappen und Marmorfelcler, aber diese Malereien sind nicht 
mehr vorhanden, so wie auch die existirenden sehr beschiidiget 
sind. ln dem daneben liegenden Zimmer (Stanze de' chiaruscuri) 
hatte er Affen, Papageien und andere ausländische Thiere ange- 
bracht. Auch diese vortrefflichen Malereien gingen zu Grunde, 
als Paul IV. den Raum zur Anlegung von kleineren Zimmern be- 
nutzte. 
Ilicamatore blieb nach RafaePs Tod in llom, und war eines der 
thiitigsten und fruchtbarsten Glieder des römischen Iiunstvereines. 
Er führte mit den Freunden die schönen Werke in der Sala vecchia, 
im Palluste Aquila, in der Villa des Cardinals aus. Er lieferte 
auch treffliche Arbeiten für den Ilerzng von Medici in Florenz, 
und fiir den Griinani in Venedig. Im Pallaste Grimani daselbst 
sind mehrere Wiinle und Dcclsen von iluu verziert. Nach der 
Plünderung Roms zog der Hiinstler in Italien umher, überall als 
der geschiclsteste und heiterste Meister in Verzierungen anerkannt. 
Er nahm an dem damaligen gegen Rom gerichteten Iiriegsgetiimmel 
thiitigen Antheil. Mehrere seiner Mitgenossen schreiben ihm die 
Ehre zu, den schiclasalsvullen Schuss gethanzu haben, der den 
Cunnetable von Buurhou dahinrallte, eine That, deren sich Ben- 
venuti Cellini mit Zuverlässigkeit rühmt. Erst in seinem Alter 
lsam Giuvaxmi wieder nach Rum zurück, wo er, vom Pabste mit 
einem Jahrgehalte unterstützt, starb. 
Die Gemälde in Oel von diesem Künstler sind äusserst selten. In 
Boni scheint er mehrmalen dem Rafael Beiwerke in seinen Bilder 
gemalt zu haben. So weiss man, dass er im Gemälde der heil. 
(Tücilia die Orgel gemalt habe. Lanzi sagt, dass man in manchen 
Sammlungen lsleine Fruchtstiiclae oder Vögel in Oel von ihm zeige, 
flßubt aber, dass diess zweifelhaft sei. Vasari erwähnt einiger 
iünner von ihm; eines malte er für die Bruderschaft von 
Castello in Wien, welches in nicht kleinen Verhältnissen eine Mu- 
(lßmm mit dem liinde und einem Engel vorstellt, der ihm 11118 
CEISW" Selbst überreicht. Zu Lenni's Zeit war das Urbild in ver- 
Naglerk Künstler-Lax. Bd. X. 8
        

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