Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1755839
Memmi , 
LipPC" 
93 
und dann malte er ein Temperabild des heil. Augustin in St. Ge- 
migiiano, wodurch er einen so grossen Namen erlangte, dass er 
dem Bischofe Guido Tarlati in Bild mit drei halben Figuren nach 
Arezzo schicken musste, welches dieser in der Capelle seines Pal- 
lastes aufstellte. Dieses Bild, so wie viele andere von Lippo nach 
"Vasari hier genannte, ist nicht mehr vorhanden. Auch die gew 
nannte, dem heil. Gregor geweihte Capelle ist eingegangen. Ein 
anderes Bild in Tempera, welches Lippe nach Simon's Zeichnung 
ausführte, wurde am Hauptaltare des heil. Franz zu Pistoja auf- 
gestellt, 3a man es für sehr schön hielt. 
Alle diese Bilder entstanden bis zu dem 1544 erfolgten Tod Si- 
mone's, und jetzt vollendete Lippe dessen unvollendet hinterlas- 
sene Bilder. Darunter nennt Vasari eine Passion in Aneona, über 
dem Hauptaltare von St. Nicola, bei deren Ausführung L. Meinrni 
eine andere Leidensgesehichte naehahmte, welche Simon im (lapi- 
tel von St. Spirito zu Florenz völlig fertig gemalt hatte. Vasari 
lobt dieses Bild, aber es ist jetzt nicht mehr vorhanden, so wie 
die schönen Figuren in der unteren Kirche zu Assisi, die von Si- 
mone angefangen wurden. Auch die kleinen Bilder und das Cru- 
cifix, welches Simon im grösseren Befeetoriurn des Klosters nur 
angelegt hatte, sind nicht mehr zu sehen. Der Künstler hatte sie 
nur mit dem Pinsel und mit rother Farbe auf die Mauer gezeich- 
net, ein Verfahren, welches den alten Meistern den Carton ersetzte. 
Vasari sah diese Conturen noch, und zählt sie unter den Werken 
auf, die Lippe vollendet haben sollte. Nach seiner Angabe lebte 
Lippe noch 12 Jahre nach dem Tode Simons, und so muss er 
nach Vasari's Ansicht im Jahre 1357 gestorben seyn. Vasari sagt 
ferner, der Künstler habe noch viele Bilder ausgeführt, und weil 
die Manier dieser beiden Brüder (Verwandten) sehr ähnlich ist, 
fährt Vasari fort, so schrieb Simon unten an seine Werke: Simo- 
nis Memmi Senensis opus, und Lippo liess den Vornamen weg, 
und setzte nur: Opus lllemmi de Senis me feeit. Die erstere die- 
ser Insehriften findet man nach Rumohr (ital. Forsch. II. 95) nir- 
gends auf Gemiilrlen Simon's, und die letztere bedeutet ein Werk 
des Memmo, Lippo's Vater. ' 
In Orvieto malte Lippe ein grosses Altarblatt, welches die schü- 
tzende Madonna (Madonna de' Iiaccomandati) vorstellt. Sie brei- 
tet ihren Mantel über viele vor ihr Kniende aus. Am unteren 
Ilande steht: Lippus de Sena nat. nos pincx. amena. Dieses Ge- 
mälde ist blühend und angenehm. So viel von Werken MemmPs 
in Italien.  
Wenn die Gemälde dieses Künstlers schon im Vaterlande sehr 
selten geworden sind, so muss die Seltenheit im Auslande nicht 
geringer seyn, obgleich es sich oft fügt, dass die Heiinath solcher 
VVerlie entblüsst, und fremde Gallerien damit geschmückt werden. 
Im liönigl. Museum zu Berlin wird ihm ein Gemälde mit vier See- 
nen aus der Passion zugeschrieben , eine Annahme, die nach Dr. 
Iiugler (Besch. des ltünigl. Museums S. 16) wenig begründet seyn 
dürfte. Dagegen beschreibt Kugler daselbst ein sicheres Gemälde 
des Künstlers, im Besitze des Hofraths Förster zu Berlin. Es ist 
dieses seiner Seltenheit wegen ein sehr wichtiger Beleg für die 
Kunstgeschichte, und das Bild lehrt zugleich die ganze eigenthiim- 
liche Schönheit der sienesischen Schule jener Zeit. Es ist ein klei- 
ner Hausaltar mit der alten Unterschrift: Lippus Menimi de Senis, 
und enthält die Halbfigur einer Madonna mit dem Kinde- Die 
Auffassung ist sehr eigenthümlieh und aus dem innigsten, zartesten
        

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