Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1755457
Melchior, 
Johann 
Peter. 
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Hofbildhauer und Modellmeister an die Borzellanmanufaktur nach 
Nymphenburg, wo er auch die Inspektion über die Anstalt führte, 
Melchior war da auf die mannigfaltigste Weise thätig, sowohl mit 
Anfertigung von Modellen für die Manufaktur, als mit anderwei- 
tiger_Iinnstbeschiiftigung. Von dieser Zeit an lieferte die Anstalt 
geschmackvolle Gefässe, die weithin sich verbreiteten; den eigent- 
lichen Glanzpunkt erreichte aber die Manufaktur erst später unter 
Leitung des Professors Gärtner, der jetzt als liönigl. Oberbaurath 
die herrlichsten Schöpfungen seiner Kunst schaut. ' 
Melchior fertigte auch Büsten und Figuren in Marmor, und be- 
sonders in Bisquit, einer Masse, die in Nymphenburg besonders 
gut gefertigetwurde. Von seinen früheren Arbeiten verdient das 
marmorne Monument des Domprobstes von Brudenbach im Dome 
zu Mainz besondere Erwähnung. An diesem Grabmale ist ein 
vortrefflicher Ghronos, im Geschmacke Michel Angela's, der von 
vielen für das Werk eines berühmteren Meisters gehalten wurde. 
Der Bildhauer Schöll in Mainz hat diesen Kopf in Gyps abgegos- 
sen. Dann rühmte man auch das einen Schuh hohe Bild der 
Ariadne, eine weibliche Gestalt vom reinsten Ebenmaase, bis auf 
das sorgfältigste vollendet. Dieses Bild erhielt A. von Iilein, für 
dessen Leben und Bildnisse Melcliior auch drei schöne Zeichnun- 
gen fertigte. Die eine stellt Otto den Grossen dar, wie er einen 
Dichter krönt, die andere den Kaiser Günther von Schwarzburg. 
wie er sterbend seine Rechte vertheicliget, und die dritte und 
schönste schildert das Gastmahl ohne Brod. Diese Zeichnungen 
sind von Schellenberg, Iiiiffner und Hess gestochen, einzeln und 
mit Text in der Iiupferbergischen Buchhandlung in Mainz zu ha- 
ben, wo damals lVIelchior noch lebte. Die meisten seiner Arbeiten 
sind in Nymphenburg entstanden. Für den Churfürsten Garl Theo- 
dor fertigte er die Statuetten der schlafenden Venus und einen 
liegenden Knaben in Marmor; dann einen Amor, der im Begriffe 
steht, den Bogen uinzuhängen, und einen schlafenden Amor, zwei 
kleine Statuen; eine Madonna und einen Engel in Medaillous. 
Ein schlafendes und ein mit einer Taube spielendes Blind in Ala- 
baster erhielt die Iiünigin Garoline von Bayern, so wie die Pro- 
{ilbildnisse der hohen Eltern. Für den böchstseligen Iiöxxig Ma- 
ximilian führte Melchior die Bildnisse der zwei Prinzen und der 
zwei Prinzessinnen erster Ehe in Alabaster aus, und die Prinzessin 
Auguste purtraitirte er zum zweitenmale kurz vor ihrer Vermäh- 
lung mit dem Prinzen Engen von Leuchtenberg. Die Fürstin 
von Taxis erhielt das Alabasterbild eines ruhenden Amor, der im 
verstellten Schlafe nach einem Pfeil greift, und für den Grafen 
Präsidenten von Törring fertigte Melchior die kleine Statue eines 
Mädchens, die einen Amor im Neste betrachtet.  
Ueberdiess machte der Künstler auch mehrere Bildwerlae in Biki- 
quit, die Büsten des Königs und der Königin, jene der königli- 
chen liinder zweiter Ehe, die Büsten NapoleoNs, Göthe's etc. Un- 
ter seinen Gruppen erhielt besonders jene Beifall, welche er auf 
die Geburt des Prinzen Maximilian Joseph Friedrich fertigte. Das 
personifizirte Bayern hält den Prinzen liebend auf dem Schousse 
und die Freude neigt sich zu ihm heran. Erwähnung verdienen 
auch seine drei Gruppen aus der Fabel von Amor und Psyche: 
Amor empfängt von Zephyr die Psyche; Amor, wie er die Ohn- 
{uiichtige erweckt, und beide Liebende in Umarmung; alles dieses 
H1 mehr als halber Lcbensgrösse. Auch einzelne Figuren fertigte 
Melchior in Bisquit, wie den Iiriegsgott Mars, die Juno, die vier 
Jahreszeiten, Flora mit dem Blumenkranz, Ceres mit Aehrexi, Po-
        

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