Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1760399
Müller , 
Christian 
Tr'l'icdi'ich, 
549 
, 
mit der gründlichsten Einsicht in alle 'l"heile der Zeichenkunst und 
mit der Theorie und Praxis eines Iienners in der Malerei verband. 
Auf solche Weise erkriiftiget, begab sich der Iiünstler endlich 1302 
nach Paris, und ein mehrjähriger Aufenthalt daselbst brachte seine 
friih entwickelte Iiunstfertigkeit zur Reife. Sein Johann-es, nach 
Dominichino, wurde bald als ein würdiges Seitenstiick Lzu dem, 
was. neben seinem Vater die ersten Meister in Florenz, Mailand 
und Paris geleistet hatten, bctrnchtetl Zwei Portraits aus verschie- 
dener Zeit, das des Kronprinzen von Wiirteinberg, wwelcheneer selbst 
gemalt halte, und das ihm unter annehmlichenvßcdingungen fast 
aufgedrungene Bildniss des damaligen Königs von Westphalen, das 
nie in den Iiunsthandel gekommen ist, begrenzen gleichsam wie 
zwei Marlgsteine iiu Portraitstiche seine Iiunst. Hierauf beschäf- 
tigte ihn fast ausschliesslich ein ihm von dem Iiuusthiindler 
Ptittner in Dresden aufgetragener Iiupferstich der hochgeprieseuen 
Sixtinischen Madonna BafaePs in der k. Gallerie zu Dresden. Mül- 
ler hatte dabei mit unbeschreiblichen Schwierigkeiten zu kämpfen, 
um die Erhabenheit des Urbildes zu fassen, und nur durch eigene 
Auschauunglsonnte ihm der Stichin sohohem Grade gelingen. Müller 
wurde nämlich im Jahre 1814 von dem damaligen provisorischen 
Gouvernement bei der Dresdner Hunstakademie als Professor der 
Bupferstecherl-iunst angestellt, und so nun hatte er das Original 
bis zur Vollendung vor sich. Diese Arbeit war jetzt sein einziger 
Tag- und Nachtgedanke, und das Ziel einer Anstrengung, der 
sein zart organisirter Körper schon früher zu unterliegen drohte. 
Er verfiel auch liLlFZ nach Vollendung der Platte in eine diistere 
Schwermuth, die immer zunahin, und, nur selten durch lichtere 
Zwischenräume unterbrochen, in eine unheilbare Gcmiithskranli- 
heit ausartete. Seine Phantasie beschäftigte sich mit himmlischen 
und heiligen Gegenständen, die zu bilden er Jahre lang sein ein. 
ziges Geschäft scyn liess, und um zu der vollendeten Entkörpe- 
ruug zii gelangen", die ihm wundersam vorschwebte, verweigerte 
cr hartnäckig den Genuss irgend eines Nahrungsmittels oder Ge- 
triinlses, wodurch sein Leben gefristet werden konnte. Die erfah- 
rensten Aerztc, die treucste Freundschaft, die liebende Beharrlich- 
lseit seiner Gattin, und der Anblick zweier lieblichen Iiinder ver- 
mochten nichts über ihn. Er starb auf dem Sonncnsteiu bei Pirna, 
wohin er gebracht wurde, um dort die Pflege des berühmten phy- 
sischen Arztes Dr. Bienitz zu geuicssen. Es wurde ihm nicht ein- 
mal mehr der Genuss zu Theil, einen durch Bainboz in Paris bc- 
sorgten Abdruck seiner Platte zu selten. Wenig Stunden nach dem 
llinscheiden des Künstlers ham aber ein solcher, und dieser wurde, 
wie einst bei Iiafaefs Leichnam die Tlransfiguraiißn, bei deriLeiche 
tlos Sßjührigen Künstlers ausgestellt.  
Nliiller erwarb sich durch diesen Stich einen Ehrenplatz an der 
Seite der besten Meister seines Faches, und steht heinern Zeitge- 
nossen nach; denn bei einer Vergleichung, selbst mit Blättern tleS 
berühmten Pi. lYIorghen, steht er, keineswegs im Nachtheil. Vor- 
trelflich löset sich die herrliche, lcbdnsbewvegte Figur der heil. 
Mutter vom Grunde ab; die Gliirieubzähliger Cherubimsköpfe hin- 
ter der Madonna ist durch eine Klarheit und durch sanftem Ueber- 
gnng von hellem Lichte zur Dämmerung wahrhaft" bewundernswerih. 
Auch iu Hinsicht auf kräftig malerische Behandlung ist dieses Blatt 
ein Vollendetes Meisterstiick. Ebenso. Verdienen dieÄWQllWII, auf 
WClChen'dl-9 Madonna cinherschreitet und St. Släclthund Barbara 
knien , wegen ihrer sanften Uebei-gäufge bemerkt zu werdßn- AUClI 
in Ilinsicht" auf Geist u-ndAusdruck der Köpfe h'at'Mii'llei' das ge-
        

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