Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1759949
cdlere Freundschaft. Auf solche Weise gin das Erworbene bald 
wieder zu Grunde, und Morland stürzte Sifäl in unerschwingliche 
Schulden, welche ihn 1800 in die liings  Bench brachten. Er 
malte da während eines Zeitraumes von zwei Jahren eine unglaub- 
liche Menvefßilderj deren man einiwe Teniers vollkommen wür- 
dig hielt, tiso wie er denn selbst mich? selten der englische Teniers 
genannt wurde. Endlich wurde er wieder frei; allein die alte Ge- 
wohnheit hatte ihn nicht verlassen, und so musste er 1804 wieder 
in das Spunginghouse einziehen , das er nie mehr verliess; denn 
als der Künstler hier ein Gemälde vollenden wollte, wurde er vom 
Schlage berührt, und nach zehn Tagen war er eine Leiche. 
MorlancPs Gemälde bieten gewöhnlich Scenen des gemeinen Le- 
bens dar, Vorfälle in den Trinkgelagen, denen er beigewohnt 
hatte. Keiner malte je plumpere Bauern, besnffenere Matrosen, 
treuer-e Esel, fettere Schweine, als dieser Morland, wie seine Bio- 
graphen erzählen. lllerliwriirdig ist es. dass der Künstler bei sei- 
ner vollen Besolfenheit doch die Umgebung so meisterhaft und 
charakteristisch auffassen konnte. Sein Naturell scheint ihn zur 
niedrigsten Gesellschaft gezogen zu haben, wo er Nahrung für 
seine liunst fand, die sich selten über das gemeine Leben_ erhob. 
Als ihn daher einst ein Freund vergebens eine Stunde "der Schenke 
zu entziehen suchte, und ihn in seinem nüchternen Zustande fragte, 
wie es denn möglich sei, sich solcher Liebe zum gemeinen Vollae 
hinzugeben, zog Morland eine seiner besten Zeichnungen hervor, 
die "erede eine Scene 'ener besoffcnen und lärmenden Brüder mit 
alle: Accidenzien vorstvillte, und fragte den wohlmeinenden Freund, 
wie er denn solches finden könne, wenn er es nicht in Mitte der 
Gemeinheit suche? Diese Zeichnung war die Skizze zu einem sei- 
'ner besten Bilder. Die 100 Gemälde, welche Morland in der ehe- 
maligen Poetengallerie zu Maclslin ausgestellt hatte, linllfiß 1805 
ein Privatmann. Selbst in Gottes schöner freier Natur vergass er 
Kneipen nicht. Wenn er daher im Sommer, wie alljährlich es 
geschah, auf flerhlxisel Wight die schönsten Aussichten zeichnete, 
so suchte er e eic vvietlcr die cmcinstcn Alehäuser auf. um da 
von den Exctürsitrxicn auszuruhdgn. Das Leben des Künstlers ist 
in seines vertrauten Freundes W. Collinsfs Memoirs of a picture, 
5 Voll. London 1305 beschrieben. Collings widerspricht, was J. 
Hasse] in den Memoirs of the life of the late George Morland, 
und Andere über ihn geschrieben, als verliiumderisch. Andere 
giaubtlenbdagegen, dass Morland CollingÄs Biographie kaum ver- 
dient xa e. 
Das. ähnlichste Bildniss des Künstlers soll jenes seyn, welches 
B. Müller gemalt und W. Ward gestochen hat. Da Murland der 
grösste 'I'rinker Englands war, su hat man auch sein Bildniss mit 
einem Glase in der Hand. 
Eine grosse Anzahl von Werken (iieses Künstlers wurden gesto- 
chen, meistens in Mezzutinto und in Punktirmanier. 
T. Gaugain stach zwei hübsche Pendnms: The lass of Living- 
stone und Ramsays songs, dann: How swcet is the love {hat mccts 
return. 
W. Bernard stach 1802 zwei Blätter: Sommer und Winter. Ein 
1806 von Th. Wilson gestochenes Blatt hat die Aufschrift: A Series 
of Prints illustrative of a country iife, liy iilurland. 
Was VV- Ward, J. K. Smilh, J. W. HCyHOiIiS, T. Rowlandsun, 
E. Scott, G. Iieating, F. D. Suiron, B. Duterrcau, M. C. Prestcl 
nach ihm gestochen haben,  in den Artikeln dieser liiinsller.
        

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