Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1759607
ten sie sich wohl desshalb nach Neapel, weil dort schon das schwä 
chere Talent geachtet wurde, da der frohe Lebensgenuss in neue- 
ren Zeiten die ernstere Entwicklung und Uebung in allen Iiiinsten 
verdrängt und gehemmt hat. Philipp heirathete die Tochter des 
Ilofmalers Carl's HL, Francesco Lianfs, und erzeugte mit ihr ne- 
hen mehreren Töchtern einen Sohn, den er Rafael Sanzio nannte- 
Rafael wurde früh in den Beschäftigungen seines Vaters und Oheirns 
geübt, doch zeigte er vorzugsweise Neigung zur Landschaftsmale- 
rei, der er sich mit einer Leidenschaft ergab, dass er schon als 
Iiuabe die entziickendsten Gegenden seines Vaterlaudes mit Was- 
serfarben analte. Er sah auch bald ein, dass der Landschafter die 
Iienntniss der Architektur nicht entbehren könne, und studirte da- 
her diese Kunst mitEifer. Seine ersten Stiche sind zwei Landschaf- 
ter mit Vieh nach Londoniu, und um sich auch in Darstellung 
von Figuren zu iiben, stach er bald darauf, als Knabe von 12 
Jahren, einige Propheten nach Baccio Bandinello. Hauptsächlich 
aber beniitzte ihn sein Vater bei der Herausgabe mehrerer kleiner 
Iiiilaferiverlie und Abbildungen von merkwürdigen Orten, um-Nea- 
pel. Diese Stiche, welche theils unter des Vaters Namen erschie- 
nen, sind iiusserst n1ittelxniissig„jetzt aber sehr gesuchte Seltenhei- 
ten geworden. Ein Landschaftsmaler, Giov. Bat. Tierce, freute 
sich iiber des jungen Iiiinstlers Eifer fiir dieses Fach der Iiunst, 
und nahm ihn auf seinen malerischen Wanderungen mit sich, be- 
mühte sich ihn auszubilden, und hielt ihn freundlich an, viele 
Gegenden nach der Natur zu zeichnen. Dabei vernachlässigte 
Morghen auch nicht das Zeichnen nach dem lebenden Mvilßllß. 
und schon in seinemQQ. Jahre stach er die Bildnisse Ferdinancfs II. 
und Maria Carolinen's, nach den Gemälden seines Grossvaters; je- 
doch ist dieses Blatt mehr eine gänzliche" Umarbeitung eines Sti- 
ches, welchen Philipp schfon um 1760 gemacht hatte. 
 Unter Rafaefs Arbeiten erregte zuerst ein Blatt in Callot's Ma- 
nier Aufmerksamkeit, die Abbildung des Masltenzuges, den der 
König im Carneval 1178 in Campagna felice hielt, und durch wel- 
chen die YVallfahrt des Grosslierrxi nach Mekka vorgestellt wurde- 
Der Vater sah nun wohl ein, dass sein Sohn ihn weit übertraf, 
und entschloss sich, ihn in eine Lage zu versetzen, in der er seine 
Anlagen vollkommen ausbilden konnte. Er sendete ihn daher im 
November 1778 nach Rom zu dem Tredliehen Vulpato, der ihn 
liehreich aufnahm, und das junge ausgezeichnete Talent zu pfle- 
gen und zu schätzen wusste. Die erste Ucbung, welche Rafael 
unter der Leitung des neuern Lehrers vornehmen musste, wtar das 
Blatt nach E. Sadeler zu cupiren, welches Christus vorstellt, der 
als Gärtner naeli seiner Auferstehung Magdalenen begegnet. Die 
Brüder Haclsert, mit welchen Murghen bekannt wurde, trügen 
ihm auf, eine allegorisehe Figur, die Malerei vorstellend, nach 
Hamilton zu stechen, und da diese Arbeit zu ihrer Zufriedenheit 
ausfiel. belohnten sie den jungen Hiinstler freigebig, wodurch er 
sehr crmuthigt svurtle. Nun erhielt Morghen mehrere Aufträge, 
und mit jeder Arbeit schritt er weiter vorwärts. Schon im Jahre 
1781 staeher die beiden herrlichen Blätter nach Rafael Sanzio da 
Urbino, die Poesie und Theologie. In diesem Jahre verlieirathete 
er sich auch mit seines Lehrers einziger Tochter Domenica, und 
half seinem Schwiegervater an der Platte, welche dieser nach dem 
Parnass von Rafael stach. Im J. 1787 erschien die Aurora nach 
Guido BenPs Dechenbild im Gartenhaus des Pallastes Piespigliosi 
in Horn. In dieser Arbeit wird eine Aenderung der Manier be- 
merhtiar; es verschwindet mehr die Radirung, und der Grabstichel
        

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