Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1759292
Moor , 
Autonis 
439 
gen des Portraits der ersten Braut seines Sohnes Philipp, der Prin- 
zessin Marie von Portugal, nach Lissabon senden wollte. Moro 
kam glücklich in Lissabon an, und malte nicht nur die Prinzessin, 
sondern auch ihre Eltern zur allgemeinen Zufriedenheit, und ward 
mit kostbaren Geschenken überhäuft. Nächstdeni malte er noch 
viele Voruchme des Lissaboiicr Holes, und endlich kam er wie- 
der bei Scinein liaiser an. Moro malte nun in Madrid das Pur- 
trait Pliilipifs II., als (lieser 25 Jahre alt war, und wurde dann 
nach England gesendet, u:n das Portrait der Königin Marie, Phi- 
limfs zweiter Braut, zu fertigen. Das Bildiiiss dieser liünigin, 
eines seiner gelungensten, wurde sehr frcigebig belohnt. Er er. 
hielt dafür, ausscr einer schweren goldenen Kette und 100 Pfund 
Sterling, noch eine jährliche Rente von ebenfalls 100 Pfund. dann 
auch Überdies bedeutende Geschenke von mehreren fürstlichen und 
vornehmen Personen, denen er Copicn von diesem Bilde über- 
reichte. Iu seinem Vaterlande, wohin er von England zurückge- 
kehrt war, trat Anton Moro, nachdem liarl V. ilenrThrone ent- 
sagt hatte, in Dienste dessen Sohnes Philipp II., und ging 1559 
mit seinem lleri-ii nach Madrid, wo er eine Zeitlaiig am Hofe 
verweilte. Dieser grausame Despot, bei dessen hlosscm Namen 
sonst Alles zitterte, würdigte den Maler einer besondcrn Vertrau- 
lichkeit im Uiiigange. Einst, als Anton lVIoro im Beiseyn des Iiö- 
nigs malte, kloplte ihn dieser im freundlichen Gespräch ein Paar 
Mal auf die Achsel, und der Maler vergass sich unglücklicher 
VVcise so sehr, dass er diese Vertraulichkeit crwiedcrte. und zwar 
mit dem Malerstock, d'en er eben in der Hand hielt. Wunderbar 
genug schien der {innig dieses unvorsichtige Benehmen seines Lieb- 
lings gar nicht zu bemerken, doch hatte sein Aufenthalt in bla- 
drid am längsten gedauert. Ob indessen diese blosse uiililuge Ver- 
traulichkeit des Malers gegen den Honig der Anlass zu seiner Ver- 
folgung von Seite der Inquisition] oder vielmehr die angedrohte 
Verfolgung die Erfindung eines Neidcrs war, um auf diese Weise 
den lästigen Günstling zu entfernen, scheint nicht ausgemacht zu 
scyii. Bin Grosscr des Hofes entdeckte ihm die Gefahr, in wel- 
cher der Iiünstler schweben Sollte. und bewirkte, um denselben 
zu retten, unter irgend cincin passenden Vorwande vom Könige 
einen Urlaub fiir den Maler, den dieser mit dem Versprechen, 
bald wieder zurückzukehren, schnell benutzte, ein Schilf bestieg, 
und seinem Vatcrlandc zuscgclte, ehe die Inquisition Zeit hatte, 
ihn zu fassen. Dieses muss um das Jahr 1560 gewesen seyn, und 
Morifs Aufenthalt in Spanien kaum ein Jahr gewahrt haben, da 
er in der I-leiinatli noch 1560 das Bildniss seines alten Freundes 
und Lehrers Sehoreel malte. 
Jetzt lebte Moor in Utrecht, bis ihn eine Botschaft des Herzogs 
von Alha nach Brüssel rief. So wie König Philipp, so war auch 
der nicht minder furchtbare Alba dem Künstler zugethan, und 
iiberliäuftc ihn mit Beweisen seiner Huld. Er machte ihm nicht 
nur bedeutende Geschenke, sondern übertrug i-hni auch eine Stelle 
bei dem Steuerwesen in Westflandern, bei der es viel einzuneh- 
men und wenig ZU thlln gab, so dass der IWaler wie ein kleiner 
Fürst leben konnte, und immer niit stattlichem Gefolge und vie- 
len schönen Pferden in Brüssel einzog. Auch seine liinder, deren 
er viele hatte, wurden alle durch Canoiiicate, Präbenden und auf 
andere Weise sehr reichlich und anständig versorgt. Dafür malte 
A. Moro Alles, was sein Beschützer von ihm verlangt-e, besonders 
alle schönen Damen, welche der Herzog von Alba nach seiner _Art 
liebte, und deren nicht wenige waren. Auch König Philipp liess
        

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