Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1758693
bedungen ist, mit drei Etagen geschmackvoll gezielterBogenfenster, 
und einem fortlaufenden Balkone, der den davor liegenden Platz 
beherrscht. Dass auch das Innere des Gebäudes wohl bemessen, 
zweckmiissig, wohlgefällig, heiter sich gestaltet habe, ist nicht min- 
der hervorgehoben, und ein Hauptvorzug ist es noch, dass (las 
Gebäude auch in akustischer Hinsicht nichts zu wünschen übrig 
lässt. Zu den schönsten Eigenthiimlichkeiten dieses originellen 
Gebäudes gehört dann die halbrunde Gallerie (Foyer), welche von 
einer Haupttreppe zur andern führt und mit dem Balkone verbun- 
den ist, und so einen liingcrn Spaziergang bildet. Das fünfte Heft 
seiner Entwürfe gibt dieses Theater in Abbildung. Im Jahre 1836 
fertigte er den Plan zum Bau eines neuen herzoglichen Residenz- 
schlosses in VViesbaden. 
Dr. Mollei-"s Ruhm als praktischer Architekt ist seit Jahren be- 
gründet, und seine Verdienste um die Baukunst sind lnannichfhltig. 
So wie er in einer Ilesidenzstadt, deren Strassen sich täglich mehr 
ausdehnen, für sein architektonisches Talent erwünschte Gelegen- 
heit fand, so beschäftigte. er sich auch mit Abbildung altdeutscher 
Bauwerke, und das Boissereifsche Prachtwerk über den Cölner Dom 
wird von seinem Fleisse und seiner Genauigkeit, so wie von seinem 
Geschmacke das unzweideutigste Zeugniss ablegen. Nach seiner 
Zeichnung stach Leisnier die innere Ansicht der von dem Ver- 
fasser ergänzten Vorhalle, beleuchtet durch ein grosses, reich mit 
Steinwerk verziertes und mit Malereien geschmücktes Mittelfenster, 
und die geöffnete Thiire, in' welche eben eine Prozession herein- 
zieht. Dieses Blatt ist vielleicht das schönste Werk, was die 
Iiupferstecherkunst im Fache der Architektur in so grossern Maas- 
stabe hervorgebracht hat. Dr. Moller kam auch in den Besitz des 
Originalrisses des CiilnerDomes, und davon gab er in DnBoisscrcds 
VVerla ein Facsimile. Auch ein selbstständiges VVerk bildet dieser 
Riss unter dem Titel: Die Originalzeichnung des Domes zu Cöln 
in gliliittern, roy. l'ol. Niiheren Aufschluss über das Werk geben: Be- 
xnerkungeu über die aufgefundene Originalzeichnung des Domes in 
Cöln. Darmstadt 1818. Pol. Dann haben wir in zweiter Auflage: G. 
Moller's Facsimile der Originalzeiehnung des Doms zuCöln, g lith. 
Blätter in roy, Fol. mit Text. Darmstadt 1857. 
Ferner verdankt ihm die Geschichte der deutschen Baukunst die 
schönsten Beiträge, indem er clie alten Gebäude seines Bezirks in 
Mainz, Oppenheim, Worms, Speier, Frankfurt u. s. w. zeichnete 
und in Kupfer stechen liess. Zu diesem Werke veranlasste ihn 
die Betrachtung der Dome in Strassburg undFreiburg, und so ent- 
stand ein Prachtwerk mit clemTitel: Denkmäler deutscherBaukunst. 
Auch unter dem Titel: Beiträge zur Iienntniss der deutschen Bau- 
kunst des Mittelalters, enthaltend eine chronologisch geordnete 
Reihe von Werken aus dem Zeitraume vom 8. bis zum 16Jahrhunderte. 
Mollei- hat bei aller Anerkennung des Iiunstwerthes der gothischen 
Baukunst, doch die Ansicht, dass dieselbe nicht dazu geeignet sei, 
wieder allgemein eingeführt zu werden, er glaubt aber dagegen, 
dass ihre Constructioxisart, welche irriger Weise zugleich mit der 
gothischen Baukunst selbst verlassen wurde, in technischer Hinsicht 
die grösste Achtung verdiene. Die ausserordentliche Leichtigkeit 
und Festigkeit" der gothischen Gebäude beruht, seiner Meinung 
nach, auf Anwendung eines sehr einfachen Princips, welches er das 
Netz- oder Hnotensystem nennt, und dessen Annahme sowohl in 
der Civil-, als in der Briiclien- und SchiiTsbaul-tunst vom griissten 
Vurtheile seyn wiirrle. Dieses Princip ist auch bereits mit glück-
        

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