Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1757865
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Millet , 
Jean 
F rangois. 
der Kunst nach an jenen Meister anschliesst. Er sah indessen auch 
andere grosse Landschafter, da der Iiiinstler Holland, Flandern 
unclEnglantl bereiste, stets aber war Poussin sein Liebling. dem er 
zeitlebens treu blieb. Itiiclzgelsehrt von seinen Preisen, wurde er 
Mitglied der k. französischen Akademie, und nach einiger Zeit 
auch Professor an derselben. Von dieser Zeit an verliess er die 
Stadt wenig mehr, und erlangte grossen Ruf, ohne Italien gesehen 
zu haben. Man sagt, dass der Neid sich an sein Leben gewagt 
habe; es erhob sich nämlich der Verdacht, dass der Künstler in 
Gentilly Gift bekommen habe, was seinen Verstand verwirrte und 
1680 den Tod verursachte. Francisque malte Landschaften mit histo- 
rischer, mythologischer und anderer Staffage, und alle tragen das 
Geprifge einer fruchtbaren Einbildungskraft. Doch darf man in 
seinen landschaftlichen Formen nicht treue Abkonterfeiung der 
Natur suchen; er malte im Gegentheile sehr oft aus dem. Gctiiicht- 
nisse das, was er bei irgend einer Gelegenheit gesehen hatte, so 
stark war sein Gerlächtniss, Einige glaubten sogar, Millet hätte 
dennoch die Gegenstände mit aller Treue wieder gegeben, was in- 
dessen nicht behauptet werden kann, da das Hauptbcstreben des 
liiinstlers nur auf imposante, wohlberechnete Massen gerichtet war, 
wobei ihm weniger um bestimmte historische Charakterisirung zu 
thun war. ln der Luft- und Linearperspective suchte er seinen Mei- 
ster, und er war desswegen im Stande die Raume auf bewunde- 
rungswsiiirdige Vfcise auseinander 1,11 setzen, und in Folge seines 
glücklicher: Gefühls fiir alle Nuancen der perspektivischer] Linie 
den Vorgrund dem Besclrauer näher zu bringen. Ucberail leuch- 
tet die höchste Empfänglichkeit fiir das Grossartige in der Natur 
hervor, und die Griinrllichkeit seiner Studien gibt seinen VVt-rkexr 
eine Wahrheit des Einzelnen, die uns mit dem etwas Gesuchten 
in der Zusammensetzung wieder versöhnt. So urthcilen Iienner 
der Werke Millets; in der Färbung findet man ihn aber manch- 
mal monoton und ohne Reiz, vielleicht wenn er etwas nur aus 
der Erinnerung malte, wobei die Farben-Niiairccn seinem Geiliicht- 
nissc nicht so vollkommen eingeprägt seyn konnten. Seine Bilder 
wurden indessen in den k. Palästen ebenso bewundert, als in den 
Hotels der Grossen; noch jetzt verschmiihen selbst die berühmte- 
iten Gallerien diesen Meister nicht. 
Theodore, fvlillefs Schiller, hat 23 Blätter nach ihm radirt, die 
mit dem Namen des Malers (Francisque) und mit Simon's Adresse, 
nicht mit "l'heodore's Namen, versehen sind, und welche derWurk- 
ler'sche Catalog dem Francisque selbst zuschreibt. Dann bemerken 
wir, dass die Abdrücke ohne Simon's Adresse die spiilern sind. 
C. Stahl stach nach ihm eine grosse Landschaft mitWVassrarfall, 
J. Coelemans ein Bacchanale mit dem betrunkenen Silen: Silenus 
Pater Bacchi etc., eine Landschaft mitJuda und_Thamar, das Grab- 
mal der Kachel, eine Isanrlschaft mit zwei unter Bitumen ruhenden 
lYfiinraeru, ilabei eine Frau; NIarcenay eine Landschaft mit zwci 
Miinnern im Mahne; Lord Newham eine grosse Landschaft; P91, 
letrers Le conteur de fleurettes und labonne femrue qui serrnnnne; 
Chatelain und Vivaresz- die Landschaft mit dem Hauptmann von 
Capernanm; van der Launen: zwei schöne Landschaften n. s. w. 
Man hat von Francisque auch drei iiusserst seltene Blätter, von 
denen ßartsch Nr. 1, und der Rigalsche Catalog die beiden andern 
beschreibt. Sie erinnern in der Behandlung an die Blätter des 
Abraham Gcnoels, die dieser Meister in Rom gefertiget hat. IJlU-s 
bei-t Dumesnil P. gr. franc. I. 245 verzeichnet alle drei. 
1) Die zwei Liebenden am Fasse eines grossen Baumes, der
        

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