Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1757696
Blignzxrd , 
Pierre. 
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mehrere historische Bilder, denn er blieb bis an sein Ende thiitig 
und fruchtbar am Geiste. Dann war er ein Mann von grosser 
körperlicher Vollkommenheit, liebenswürdig und voll von andern 
Tugenden, so dass ihm die geistreichsten Männer und Frauen sei- 
ner Zeit in Freundschaft zugethan waren. Moliere, Lafontaixie, 
Bacine, Boileau, Ninon Pläluclos sind darunter zu nennen. Der 
erstere widmete ihm: La gloire de Val de grace. Seine Grabstätte 
zierte ein schöner Stein mit dem Brustbilde des Verewigten und 
der Figur seiner schönen Tochter, der Gräfin Feuquieres. Er ist_ 
in Milliifs Anticluilcs nationales I. N0. {t abgebildet. 
P. hlignard gehört zu den berühmtesten französischen Iiünst- 
leru, wenn ihn die Natur auch nicht mit einem trerschwentlerischen 
Talente ausgestattet hatte. Er wurde schon in Italien bewundert, 
und in Frankreich, wohin er als Fünfziger kam, vergöttert. In 
Pwm erwarb er sich frühe einen eigenen Ruf mit seinen heil. Jung- 
frauen, welchen er eine solche Schönheit und Anmuth zu verlei- 
hen wusste, dass die Italiener in dieser Hinsicht ihn mit H. Car- 
racci verglichen. Man nannte sie Mignarden, was aber später 
nicht selten ironisch gebraucht wurde. Im Fache der Historie 
nannte man besonders den heil. Carolus, wie er dein Sterbenden 
die letzte Wegzehrung reicht, ein Bild, das er für St. Carlo ai 
Catenari 1m Grossen hiitte auszuführen gerviinscht, wenn ihm nicht 
Berettini vorgezogen wvorden vviirc. Mignartfs VVerk ist blos als 
ausgeführte Skizze zu betrachten, die uns durch Poillfs tretlilichen 
Stich bekannt ist. Ein anderes geschätztes Altarbild damaliger 
Zeit ist auch jenes mit dem heil. Carl in S. Carlo alle quatro fon- 
tane, und eine Verlaüncligung in Fresco hielt man eines guten 
Schülers der Carracci würdig. Unter seinen Werken in Paris steht 
die Kuppel in Val-de-Grace oben an, aber so sehr diese Male- 
reien anfangs bewundert wvurilen, so sprach man später mit Gleich- 
gültigkeit davon, als auch noch die Pastellretouchen, die der 
liünstler vorgenommen hatte, verwischt waren. lVlit grösserenx 
Beifall betrachtete man immer noch die Bilder in St. Cloud, in 
welchen der Künstler ebenfalls ein grosses und reiches Talent ent- 
wickelte, und nngcmeinen Sinn für Farbe und ihre Harmonie. 
Füssly ist sehr erbost, dass Dligrxarcl, den er zwar nicht für einen 
begeisterten Dichter, doch mit Recht für einen sehr geschickten 
lYlaler erklärt, nach seinem Tode immer geringer geschätzt wurde, 
und er gibt als sichere Ursache diese-r Missachtung den "tropf- 
schlägigen Esprit du Corps" der k. Akademie, und dass 
der Iiünstler bei seiner Rückkehr aus Italien sich nicht dieser letz- 
tern, sondern der Akademie von St. Luca zu Rom einverleibeu 
liess. Mignard war indessen schon früher Akademiker von St. 
_Luca, dass er aber Le Bruifs Herrschaft nicht anerkennen wollte, 
ist gewiss. Die Geringschätzung des Iiüxistlers ist ebenfalls nicht 
auf einen zu hohen Grad gestiegen; man schätzt seine Werke noch 
lieut zu Tage. Dr. YVaagen, Iiunst und Künstler in England und 
Paris III, S. 661, nennt ihn den Sassoferato und Carlo Dolce der 
Franzosen in Einer Person; denn in Composition und Charakteren 
ahmte ernwie Ersterer, den Rafael, bisweilen auch den Domini- 
chiuo nach, in dem lieblichen aber schwächlichen Gefühl. der 
VVSirme, lilarheit und dem Glanzc der ITiirbung, der grossen ver- 
schniolzencn Ausführung ist er dem zweiten verwandt, indessen 
geziertcr und bewusster als beide. In der Sammlung des Louvre 
ZU Paris kann man ihn als Oehnaler kennen lernen, und bei der 
Aufzählung der VVerke hebt Dr. WVaagen einzelne Verdienste her- 
vor. Ein Gemälde mit Maria, welches dem Iiinde eine Weintraube
        

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