Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1757685
Zeit noch einewahre Schule, wohin Iiiinstler pilgerten, um sich 
durch die Anschauung der Meisterwerke, die dort eine frühere, 
für die Iiunst günstige Zeit geschaffen hatte. Doch verweilte Mig- 
nard nicht lange an jenem Orte; es zog ihn nach Rom, wo er 
mehr als zwanzig Jahre blieb, so fdass er den Beinamen des Rö- 
mers (le Rumain) erhielt. In Bnm gewann er an Poussin einen 
rathentlen Freund, was ihm Mignarcl zeitlebens in gleicher Freund- 
schaft dankte. Von seinem edlen Verhältnisse zu du Fresnoy haben wir 
im Artikel des letztern gesprochen. Die Muster, welche er in 
Rom zum Studium nahm, waren Rafael, Michel Angele und die 
Carracci, und auch er selbst wurde ein Meister, dessen Name mit 
Bewunderung genannt wurde. Er verdunkelte den Ruhm des da- 
mals allmachtigen Ch. Le Brun. was jcner Meister so hart ertrug, 
dass zuletzt der Verdruss an seinem Leben nagte. Rom betrat er 
1656, und von da aus verbreitete sich bald sein Ruhm auch nach 
Paris. Er malte die Bildnisse der Piibste Urban VIII. und Alexan- 
der VIL, mehrere Fürsten und Adeliche in Rom, und eine bedeu- 
tende Anzahl anderer Bildnisse führte er in Venedig aus. Nach- 
dem er zwei und zwanzig Jahre in Italien zugebracht hatte, berief 
ihn der junge Iiiinig Ludwig XIV. an seinen Hof; wenn aber 
schon früher die Eifersucht zwischen Le Brun und Mignard rege 
geworden war, so brach sie jetzt in Feindschaft aus, in welcher 
Mignard unversöhnlich verharrte. Doch hatte er das Vergnügen, 
zu sehen, wie ihm der allmächtige Le Brun einen Theil seiner 
Macht abtreten uittsste. Die Bildnisse seines jungen Iiönigs und 
des Cardinnls lVlazarin wurden als Meisterstüclre crltliirt, und bald 
darauf übertrug ihm die Iiiinigin Mutter die Ausschmücltutig der 
Iiirche Val  de  Grace, Er malte da in der Kuppel den Sitz der 
Seligcn, und stellte in grüsster Herrlichkeit über 200 Figuren von 
Propheten, Martyrern beiderlei Geschlechts, Bekennen des Glan- 
bens u. a. dar. In der Mitte selbst sieht man die Königin Anna, 
wie sie, von St. Anna und St. Ludwig geführt, das Modell der 
Kirche "weiht. Das Werk ist ungeheuer, verlor aber schnell das 
schöne Colorit, da der Hiinstler auf dem Iialkgrunde die Farben 
nicht gehörig zu behandeln wusste. Umfassende Arbeiten des Iiiinst- 
lers sind auch im grosseti Saale zu St. Cloud, wo er mythologische 
Gegenstände malte. Nach dem 1685 erfolgten Tod des Ministers 
Colbert, der Hnuptstütze Le Brun's, erhielt Nlignzird an dem Mi- 
nister Louvois einen eifrigen Gönner. Unter ihm führte er für 
das Schloss Versailles verschiedene Bilder aus. Er malte an der 
Decke der kleinen Gallcrie den Apollo, wie er den Künsten und Wis- 
senschaften Belohnungen ertheilt, und andere Bilder sind in den 
kleinen Gemiichern, alle von G. Audran und Thomassin gestochen, 
Er vollendete da Alles zu allgemeiner Bewunderung, so dass ihn 
der König 1685 in den Adelstand erhob, und fünf Jahre darnach 
an Le Emu's Stelle zum ersten lrlofmaler ernannte. Ch. Le Brun 
war tudt, und man sagt, dass ihm der Aerger über seinen Neben- 
buhler recht am Leben genagt habe. Ausserdem bekleidete Mig- 
nard auch die Stelle eines Direktors und Oberiuspeltturs der k. 
Sammlung von Gemälden und Zeichnungen, eines Direktors und 
Kanzlers der Alaademie der liiixiste, und dann führte er noch die 
oberste Aufsicht über die Manufal-ttur der Gubelins. Als erster 
Hofmaler malte er den Iiiinig zum zehnten Male. und als bei die- 
Ser Gelegenheit der liünstler den Monarchen scharf ansah, sagte 
dieser: "ihr findet mich wohl gealtert?"  Sire," war die Ant- 
wort. "ich erbliche in Eurer Majestät Gesicht die Spuren mehre- 
rer Schlachten." Dann malte Mignard für den Iiöuig auch noch
        

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