Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1757551
Biieris , 
Frans 
van- 
556a 
auch in hurzer Zeit solche Fortschritte gemacht, dass der Ruhm 
zwischen Schüler und Meister streitig war. Mieris ist jedenfalls 
der grüsste Schüler G. Dow's, und in vielen Dingen über jenen. 
Seine Zeichnung ist correltter und voller, als jene des Meisters, 
er hatte eine höhere Idee von Schönheit, als Dow, und auch im 
Uebrigen steht er theils über Dow, oder ihm gleich. E1: fand desswc- 
gen schon zu Lebzeiten Bewunderer, die sich um den Besitz seiner 
Werbe stritten und seine Bilder mit 2000 Liv. bezahlten, die aber 
jetzt nicht selten das Vierfache kosten. Es hat auch nie an lob- 
preisenden Schriftstellern gefehlt, worunter wir Huubraclsen, Des- 
Cälnps, Watelet, Fiorillo nennen, und auch die neuesten kunst- 
histurischen Werke eines Passavant, Dr. liugler und Dr. Waagen 
sprechen sich verdienterweise mit grussem Lobe über diesenIIiünst-h 
ler aus. Der Letztere, Iiunst und liünstlcr etc. I. 284, sagt: 
"dieser grösste Schüler G. Dunfs übertraf diesen in der Eleganz 
des Vortrages, in der Brillianz der Iilarbe, in der Hunst, Sammet 
und andere Stoffe zu malen, und lsam ihm in der Vollendung sehr 
nahe. Er ist von allen Meistern dieser Gattung der seltenste." 
Hierin sind die lrlauptvorzüge des liünstlers bezeichnet, und so- 
mit enthalten wir uns anderer Allegatiouen." 
Seine Bilder sind jetzt in allen Ländern zerstreut, und als Zierde 
jeder Sammlung betrachtet. Es sind dieses Genregemälde und äus- 
serst zart vollendete Bildnisse, unter denen man besonders jenes 
der Frau des Cornelius Poots rühmt. Sie sind nicht sehr zahl- 
reich, da der Künstler nur ein geringes Alter erreichte. Auch 
dürfte er nicht sehr angestrengt gearbeitet haben, da ihn sein 
Freund Johann van Steen oft von der Arbeit hinweg in die 
Schenke führte. Dass er bei dieser Gelegenheit nicht immer ganz 
nüchtern blieb, beweiset der Umstand, dass er einmal zur Nacht- 
zeit im benebelten Zustande in eine Schleusse fiel, worin er zwar 
nicht das Leben, aber die Gesundheit verlor. Seinem Retter. ei- 
nem armen Schuhflicltcr, schenkte er eines seiner lsleinen Bilder, 
der selbes für 800 Il. verkaufte. Auch die Gemälde der la. bayeri- 
schen Sammlungen zeigen manchmal den Mieris als Freund von 
Bacchus und Amor. 
Man sagt Ihm indessen noch mehr nach, wir glauben aber nicht, 
dass er die Beschuldigungen in so hobeln Grade verdiene. Sein 
Freund Steen führte wohl ein ausschweifendes Leben, und es 
scheint, tlaSS man nach dem Sprichworte: Cognoscitur ex sociis, 
qui nun cugnoscitur ex se, auf ihn gleich nachtheilig geschlossen 
habe. Ein ÜiiHS-Cifchen ist noch kein grosses Verbrechen; und dass 
er nicht selbßt lI-Istcrhaft war, beweiset der Umstand, dass er sei- 
nen Sohn, der bei Lairesse war, zu sich nahm, aus Furcht, er 
möchte ihn verführen. Dann sagt man ihm auch nach, er sei im 
Schuldthurm gesessen, und ein unordentlichcs Leben hätte ihm 
all' diese Leiden verursacht. Es mag seyu, dass er in Geldnoth 
gewesen, und vonieinein bösen Gläubiger gar in Arrest gesetzt 
Wovflßn. 88 wird Ihm aber sehr wohl zu verzeihen seyn , wenn er da 
keine Lust zu malen hatte. Er hiitte sich durch ein Gemälde lose 
ltaufen können, verschmiihte aber diese Bedingung, weil ihm die 
eisernen Gitter des Gefängnisses das nöthige Licht nahmen. Dann 
war der Künstler in letzterer Zeit auch lsränltlich, und so starb 
er im Gefängnisse. Mit diesen Anekdoten beehrte uns Houbracken, 
es wäre aber besser gewesen, dieser Schriftsteller hätte uns mehr 
von Mieris Kunst in lienntniss gesetzt. Auch Zeichnungen finden 
sich von diesem liünstler; bei H. Weigel ist eine Bordellscene:
        

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