Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1757523
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Miclich 
oder Muelich , 
Hans. 
imagimhvs cvm textv congrventibvs copiosissime exor. 
nati et in dvos tomos divisi Anno IVLDÄJXV." Die; 
ist der Titel des unvergleichlichen Prachtwerkes, welches die mu_ 
silsalischen COIIIPOSiIiODCXI des "berühmten Orlando, auf Pergamexr 
geschrieben, enthiilt. Orlando erhielt zu diesem Werhe von sei. 
ncm frommen Fiirsten den Auftrag, und die Art dieser Musik 
nannte man "Musica reservata." Mielich verzierte die Pergament- 
blätter mit glänzenden Miniaturen, die in lebendigen Farben, in 
Gold- und Silberverzieiingen prangen. Man findet darin die Bild- 
nisse Ptlhert V. und seiner Gemahlin, die Bildnisse Orlando's und 
Hans Mieliclfs. so wie die Darstellung eines Concertes, welches 
die Bildnisse (lerdamaligen Hufmusiher enthält. Selbst das Innere 
der Altenhofliirche ist da abgebildet, was um so interessanter ist, 
da jene Kirche, ein Denkmal aus der Zeit Ludwig's des Bayers, 
schon vor vielen Jahren von dem alten ehrwürdigen Platze weichen 
musste. Zahlreich sind die Randvcrzierixngen der Psalmen. Man 
findet auf" jedem Blatte ausser dem reich verzierten Antangshuch- 
stahen des in Musik gesetzten Psalmes noch bildliche Erklärungen 
des 'I'extes, Figuren in reichem Schmucke, phantastische Gestal- 
ten . Schlachtbildcr, Jammer und Nuth aller Art dargestellt. Ueber- 
all ist Gold und Silber angewendet, selbst an Bäumen und an der 
Hippe des Sensenmannes. Die Bilder entbehren zwar der Zierlichheit 
und Zartheit der Darstellung früherer grusser Meister, die Figu- 
ren sind öfter plump, der Ausdruck übertrieben, nicht selten 
grässlich, überall drohtfrotl und Verderben dem Siinder, und mit 
lhm auch dem Gerechten. Die Darstellungen näher zu beschrei- 
ben, verbietet der Raum, und wir fügen daher nur noch bei, dass 
dem VVerlse zwei Foliohäntie lateinischer Erklärungen beigegeben 
sind. Dieser Cmnnientztr ist ebenfalls auf Pergament geschrieben, 
und mit den Bildnissen derjenigen versehen, von welchen Text 
und Schrift herriihret. Samuel Quicchelmerg aus Belgien gab die 
Declarationen, und Mathias Frieshamer hat sie 1565 geschrieben. 
Ausser diesen beiden ßildnisseu des ersten Baniies sind im zweiten 
noch jene des Orlando di Lasso, im 40. Jahre gemalt, und des 
Hans Muelich, Malers des ganzen Werkes, im 55. Jahre darge- 
stellt. Sclbst idie Bildnisse des Buchbinders und des Goldschmie- 
des, welche den reich heschlagenen Deckel, sowohl der Busspsal- 
men, als der Commentare, fertigten, sind neben jenen des Schrei 
bcrs und des Halbes Caspar Lindel angebracht. Der Goldschmied 
hcisst Georg Seghliein, ein Ungar, und der Buchbinder Caspaf 
Ritter. 
Ein zweites, auf der k. Iloii- und Staatsbibliothek zu München 
befindliches Prachtwerk auf Pergament sind die mit Mueliclfs M? 
niaturgeiniilden verzierten Moteten des berühmten Musikers Cipriaß 
de Rare. Dieses YVerk entstand ebenfalls unter den Auspicien (165 
Iierzogs Albert. Hans lVIuelich vollendete 1559 die Malereien, 
deren-Gegenstände auch der Erfindung nach von ihm sind. DQQ 
erwähnte Salomon Quichelberg gab 156d einen Fnliolaantl Erlsliv 
rungen dazu, die Andreas Staudcmair schrieb, und da nun liest 
man auf dem ersten Blatte, welches-die Urheber der Bilder, des T6? 
tes und der Declarationen enthält: 
"Imaginum itaque pictor inventorque fuit Johannes Muelißh 
Monaeensis artifex celeberrimus, qui idem vulgo Vicentzv 
maler. ab avi sui valde usitato noininc dicebatur, cnius opcfa 
Ilhßllß. princeps Albertus 'in pusterum quoque multis annis I" 
huius generis libris dcpingGnd-isusus est."
        

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