Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1755055
Meister , 
EI 
der, 
VOIII 
Jahre 
1466. 
15 
Geschichte einen C. Engelbrechtsen kennt, was _Sohn des Engel- 
 brecht bedeutet. Diejenigen, welche dieser Meinung anhingen, 
behaupteten, dass S. bedeute Sculpsit, Bartsch und Andere ver- 
muthen aber in diesem S. den ersten Buchstaben seines Geschlechts- 
odcr vielleicht noch wahrscheinlicher seines Ortsnainens. Wie dem 
auch sei. so können doch auch jene ihre Sache nicht beweisen, 
welche desswegen den Iiiinstler E. Stern nennen. und er ist da- 
her immer noch zu den anonymen Meistern zu zählen. 
Der lYIeister E. S. ist wahrscheinlich ein Deutscher, denn die 
Aufschrift zweier seiner Blätter (die berühmten Marien von Ein- 
siedeln) ist deutsch, seiner Iiunstbildung nach dürfte er aber der 
niederdeutschen Schule angehören, denn mehrere seiner Köpfe, 
besonders die der Apostel, erinnern deutlich an die Schule des 
van Eyck. Dieses erkannte der Inspektor Frenzel in Dresden, 
wo im königl. Iiupferstich-Cabinete neben jenem in München 
wohl die reichste Sammlung von Blättern dieses Meisters ist, auch 
in einigen Bliitterri, die dem fleissigen Forscher Bartsch entgangen 
waren, besonders in der Anbetung der Iiönige. Frenzel sprach 
seine Meinung im Iiunstblatte aus, und bemerkte da, dass man 
in den Iiöjzfen jener Anbetung die Bildnisse Philipps des Guten 
und anderer Fürsten des burgundischen Hauses erkenne. Auf dem 
Thron Salomons auf Blatt N0. 7 findet sich das burgundische 
VVappen, und somit diirfte sich nicht blos die Malerei, sondern 
auch die IiuPfei-stecherlsnnst von jenen Provinzen aus nach Ober- 
Deutschland verbreitet haben. 
Die Blätter des Meisters E. S. sind die ältesten Erzeugnisse der 
deutschen Chalkograghie, die niederländische mit einbegriffen, da 
ehedem die beiden Schulen nicht su streng geschieden waren. 
Bartsch nennt ihn aber mit Unrecht den Meister von 11466; denn der 
llleister arbeitete erweislich schon l-QÖ-l, und aller Wahrscheinlich- 
keit nach schon um 15300. Bartsch, liupferstichliunde l: 159, stellte 
nur die Muthmassung auf, dass es unter den 110 Blättern uhug 
Datum von ihm auch einige gäbe, die wenigstens ein Jahr früher, 
folglich schon 1461 gestochen und herausgegeben wurden. Diese; 
unhezweilelt älteste Denkmal der Iiupferstecherlsunst wurde voi- 
etlichen Jahren auch wirklich in München gefunden. E5 ist 
in Dibilins bihliogr. tour III. 277 von Hess nachgebildet und 
stellt den todten Christus im Schoosse des Vaters dar, unver- 
kennbar vom Meister E. S. Es war in dem vorderen Deckel ei- 
nes Oktavbandes eingeklebt, und der alte Besitzer schrieb neben 
seinem Namen auch die den linpferstieh selbst noch beriihrendci 
Jüllrlßhl 1462 bei, so dass also jenes Blatt von eben diesem Jahre 
oder noch von einem früheren ist. S. selbes unten N0. 117. 
lind wenn nun der Meister E. S. auch Malergewesen Wäre? 
Dieses zu_beweisei1 ist wohl schwer, wir bemerken daher nur, 
dass sich in der Cathedrale zu München eine auf Goldgrund ge- 
malte Darstellung des Calvarienberges befinde, eine {igumnreißhe 
Conrposition, wo auf der Standarte eines Soldaten die ähnlichen 
guthischen Buchstaben E. S. stehen. 
Die" Blätter dieses Meisters sind nicht alle von gleichem Werthe, 
aber ausserst selten. Einige sind sehr schön, von ziemlich correk- 
(er Zeichnung, nicht ohne Leben und Ausdruck und v0n,zartcr 
gelungener Behandlung. Es ist das Bestreben sichtbar der Dar- 
ilellung Bedeutsamkeit zu verleihen. Dagegen sind wieiler andere 
es? und von schlechtem Geschniacke- Die Höpte sind durchaus 
a5 Zu gross, die Nasen sind lang und dünn, die Augenstcrne
        

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