Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1756357
Blerian , 
Maria 
Sibylla 
etc. 
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llerian, Maria Sibylla, oder M. S. Gräffin, Malerin, die 
Tochter des älteren M. Merian, wurde 1647 zu Frankfurt geboren, 
und da ihr Vater früh starb, bekam sie an dem Blumenmaler J. 
Mureels einen Stiefvater. Auch bei ihr regte sich frühe die Nei- 
gung zur Iiunst, wogegen sich die Mutter mit Härte sträubte, bis 
ihr einfiel, dass sie selbst während der Schwangerschaft mit Be- 
gierde Raupen, Muscheln und Steine gesammelthabe. Jetzt durfte die 
 Tochter solche Dinge zeichnen, während der Vater diese Neigung 
schon früher begünstiget hatte. Ein Schüler dieses Mannes, Abra- 
ham Mignon, musste ihr Unterricht ertheilen, und bei ihrem an- 
gebornen Talente zur ltlalerei konnte es nicht fehlen, dass sie in 
kurzer Zeit in Darstellung von Insekten und Blumen vollkommen 
wurde. Sie stach solche Gegenstände auch mit allem Beifall in 
Kupfer. Doch blieb sie nicht allein bei der Abbildung solcher 
Dinge, sie machte auch eifrige Beobachtungen über das Leben, 
die Fortpflanzung, die Verwandlung der Ptaupenarten durch alle 
Stufen, und ihren Tod. In späterer Zeit wagte sie ans Liebe zu die- 
ser Wissenschaft sogar eine ferne Reise , und recht gelehrt zu wer- 
den, lernte sie sogar die lateinische Sprache. Fontenai will auch 
wissen, dass sie Sich 1665 mit dem Maler Andreas Graf nur dess- 
wegen ehelich verbunden hätte, um in Gesellschaft ihres Gatten 
mit Anstand nach dem Nackten zeichnen zu können. Wie dem 
auch sei, eine Blumen- und Insektenxnalerin braucht nicht nach 
dem Nackten zu zeichnen; die Liebe zu ihrem Gatten hatte aber 
nicht tiefe-Wurzel geschlagen, weil sie ihn in der Folge verliess. 
Anfänglich arbeitete sie eitrigst mit demselben, und schon 167g erschien 
der erste Band des unter dem Titel: Der Raupen wunderbare Ver- 
wandlung etc., bekannten Werkes. Der zweite Band kam zu 
Frankfurt 1683 im eigenen Verlage heraus, Nach ihrem Tode gab 
ihre Tochter Dorothea Maria Henrica aus den Papieren der Mutter 
einen dritten Theil dazu, so dass das Ganze 155 Abbildungen ent- 
hält. Diese Ausgabe ist mit einer späteren von Joh. Marret, Am- 
sterdam 1730, nicht zu verwechseln. Von den beiden ersten Bän- 
den gibt es von der bIutter ausgemalte Exemplare, welche sehr 
schön, aber selten sind. Sie verkaufte sie illuminirt um 5 Gulden. 
Zu diesem Werke fertigte sie nicht nur die Zeichnung, sondern 
auch die liupferstiche, um jede Kleinigkeit im Stiche zu geben. 
lm Jahre 1684 ging sie mit ihrem Manne nach Frankfurt, sie 
verliess ihn aber im folgenden Jahre, weil ihr die Labbadistischen 
Schwärmer den Kopf verrückten. Sie zog mit ihrer Mutter und 
mit ihren Zwei Töchtern nach VVestfriesland zu dieser Gemeinde. 
Hier lebte Sibylla auf dem Schlosse Bosch zwischen Franecker und. 
Leewarden, Ohne je wieder zu ihrem Manne zurückzukehren. An- 
dere Nachrichtcn lassen diesen eines Verbrechens wegen landes- 
fliichtig werden, und geben dies als Ursache der Trennung an; 
allein Graf starb 1701 im Vaterlande. Aufdem erwähnten Schlosse sah 
die Merianin eine schöne Sammlung amerikanischer Insekten, welche 
H. v. Sommerdyck aus Surinam gebracht hatte, und. bald entschloss 
sie sich selbst, nach Surinam zu reisen, nach der Angabe Einiger aus 
Auftrag der Generalstaaten. Im J. 1698 schiffte sie sich mit ihrer oben 
erwähnten Tochter Dorothea ein. Sie blieb zwei Jahre in Surinaim 
Während welcher Zeit sie Insekten sammelte, und selbe nebst den 
ihnen zur Nahrung dienenden Pflanzen und Früchte nach dem L8- 
ben malte. Im Jahre 1701 kam sie in Hamburg an, wo sie dem 
Magistrate einen Theil ihrer Naturschätze übergab, und jetzt ging 
es an ein zweite; Werk, die Metamorphosis insectorum Sunnamen- 
Naglefs Künstler-Lax. Bd. IX. 10
        

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