Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1756035
Mengs , 
Anton 
Rafael. 
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ist aber gegenwärtig allgemein sehr merklich gesunken, und in der 
That dürfte Mgngs mehr durch eine neue der [iunst ertheilte Rich- 
tung und ÄüSlCht, als durch hinterlassene Werke von wahrhaft 
classischcm Gehalt in der Geschichte merkwürdig bleiben. 
Diirftigkeit des Geistes leuchtet aus allen seinen Werken hervor. 
Er entfernte sich zwar gänzlich von dem zu seiner Zeit üblichen 
gesuchten Contrast in der Stellung und Griipfiiriiiig der Figuren. 
aber diese Entfernung von einem falschen Geschmack hat bei ihm 
nur negativen Werth, weil die Compositionen völlig der Handlung 
entbehren und eine mühsame Zusammensetzung Verrathen. Der 
seit dem Pictro da Cortona eingetretenen Oberflächlichkeit entgegen 
betleissigte er sich in der Zeichnung der äussersten Gründlichkeit 
und Richtigkeit. Aber indem er im Einzelnen das sorgfiiltigste Stu- 
dium und die genaueste Ausführlichkeit zeigt, befriedigen seine 
Figuren sehr wenig wegen ihres auffallenden Mangels an Leben 
und Charakter. In weiblichen und jugendlichen Iiörpern hat er 
die antiken Formen öfter sehr genau, dabei aber jederzeit frostig 
wiedergegeben. Seinen männlichen nackten Gestalter. dürfte inau 
das an sich schon sehr eingeschränkte Lob unbelebter Schönheit 
nicht einmal beilegen können, da sie, wie z. B. die Figur der Zeit 
im Deckgeiiiiiltle der Camera dei papiri der vatikanischen Bibliothek 
durch Mangel an geliörigem Hervortreten der Hauptformen über 
die kleineren und mehr untergeordneten sich völlig entfernt vom 
grossen Style zeigen, und mit Muskeln überladen scheinen. Die 
Gesichtsbildungen dieses Künstlers sind ohne Bedeutung und le- 
bendigen Ausdruck der Seele. In den Frauen, Jiinglingen und 
Rindern bemerkt man gewöhnlich ein fades und alTektirtes Lächeln, 
wodurch Mengs verniuthlich das Reizende und Gefällige in den 
Köpfen des Correggio nachzuahmen suchte. Die sorglältigste Nach- 
ahmung antiker Formen konnte dabei nicht verhindern, dass seine 
Werke sehr entschieden an dem Charakter der Zeit des Künstlers 
erinnern. Es möchte immer scheinen, als ob seine Figuren, z. ß. 
die Musen im Gemälde des Parnasses der Villa Albaiii, Frisuren 
des 18. Jahrhunderts zu tragen gewohnt wären, und zu einer Thea- 
terverlileidung antiken Iioplputz angenommen hätten. Mengsens 
Fleischfarbe ist nicht ohne Wahrheit, aber von der schönen Zusam- 
menstellung der Farben der Gewänder bei den älteren Malern ist 
in seinen Gemälden keine Spur zu finden. Seine Behandlung ist 
mühsam und ängstlich sowohl in der Oel- als Frescomalerei, und 
erinnert dadurch an Miniatur? und Dosengemälde. Mengs hat 
daher vielleicht mehr als durch seine Gemälde durch seine nach 
seinem Tode in italienischer Sprache erschienenen Schriften auf 
die Richtung und Ansicht der bildenden Kunst gewirkt. Dieselben 
haben bis auf die neuesten Zeiten zur Basis der Hunsttheorie nicht 
allein in Deutschland, sondern auch in Italien gedient, 'wie vor- 
nehmlich Lanzi zeigt, der sie iu seiner Geschichte der Malerei 
als eine classische Autorität anzufiihreu pflegt. Miengs hat in ih- 
nen seine eklektische Ansicht dargelegt, die, weil sie die Kunst als 
ein von Aussen Angelerntes und aus Theilen zusammengesetztes 
betrachtet, nothwendig das innere Leben derselben aufhebt. Uebri- 
gens kann man nicht läugnen, dass sie einen denkenden und scharf- 
sinnigen Kopf verrathen, und im Einzelnen mehrere gute und tref- 
fende Bemerkungen enthalten. Sie verrathen einen Mann, der mit 
Iienntniss der Sache spricht, und sowohl wegen dieser tieferen 
Einsicht in das Wesen {der lÖi-llüähnals wegen der grösseren Qrlgl- 
nalität der Ansichten. sind sie auf jeden Ifall den späteren hunst- 
Naglerß" Künstler  Lex. 
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