Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1755992
lYIengs , 
Anton 
Rafael. 
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grossen Geist, mit jenem Alten zu vergleichen, welcher lernend 
auch sterben wollte. Ueber Mengs literarische Werke verbreitet 
sich Lanzi ebenfalls näher, und dann fügt er nur noch in Anmer- 
kung bei (Gescli. d. Malerei etc. I. 529, deutsche Ausg.), dass es 
dein guten Manne nicht an Feinden und Schmähern gefehlt habe, 
die durch dessen Beurtheilungen der höchsten und noch mehr der 
mittelmiissigen lebenden oder kürzlich verstorbenen Künstler er- 
bittert waren. Offenbar leidenschaftlich, sagt Lanzi, schrieb Cum. 
berland, Anccdotes of eminent painters ,in Spain etc.; etwas ge- 
reizt auch der Ungenannte in liattTs Vertheirligung (Difesa 0 let- 
tera ad un anrieo), die von Ratti selbst, oder doch mit Materialien 
von ihm geschrieben ist. S0 wie ihn Cav. Azara zu sehr lobt, so 
spricht ihm liatti, orlcr ein anderer, die Gelehrsamkeit und Philoso- 
phie ab, und er inüchtc das grösste Verdienst seiner Schiriften, 
deren wir am Sclilusse erwähnen, seinem grossen Vertrauten Win- 
cl-aeluiann zurückgeben. Als Künstler nennt er ihn einen treßlichen, 
doch nicht unübertrelflichen Maler, er bringt aber dann wieder 
viele schriftliche und mündliche Ausstellungen über Mengs bei. 
Ein Nebenbuhler Batoni's tadelte sein Colorit überinlissig, Lanzi 
aber (l. e.) fügt bei, dies könne der Nichtkenner leicht thun, da 
es im Fleische theilweise sich so sehr verwandelt hat. 
Mengs wird in mehreren früheren italienischen Schriften beur- 
theilt, so auch von Cav. O. Boni (Elegie del Cav. Poinpeo Batoni 
1787). Boni vergleicht den Batoni mit Mengs, seinem Zeitgenos- 
sen. Er sagt, letzterer sei Maler und_Philosoph geworden, Ba- 
toni aber es von Natur gewesen; Batoni habe einen natürlichen 
Geschmack gehabt, der ihn zum Schönen führte, Mengs sei durch 
Reflexion und Studium dazu gelangt; dein Battoni seien wie dem' 
Apelles die Geschenke der Huldgüttinen zu Theil geworden, Meng- 
sen, wie Protogones, die höchsten Strebungen der Iiunst; vielleicht 
sei Batoni mehr Maler als Philosoph, Mengs mehr Philosoph als 
Maler gewesen; letzterer vielleicht erhabener in der Kunst, aber 
gemacht, Batoni minder tief, aber natürlich. 
H. von Piamdohr schrieb 1798 ein Werk über Malerei und 
Bildhauerei in Rom, und darin (II. 25. lll. 265 ff.) findet sich auch 
eine Critik des Parnasses in der Villa Albani, und über den Stand- 
punkt, welchen Mlengs in St. Eusebio gennminen, Ramdohf 513mm; 
sich tadelnd aus, was den Fiorillo (Geschichte der zeichncndeu 
Iiünste I._ 255) zur WViderlegungaufforderte; der Tadel ist indessen 
nicht völlig Zit beseitigen, da z. B. nicht zu behaupten ist, dass die 
Figuren des _Parnasses ein gemeinschaftliches Interesse beseele. 
Dann zieht Fiorillo auch gegen Azara los, er sagt mit Recht, dass 
ein aus Rafael, Correggio und Titian zusammengesetztes Ideal noch 
nie existirt habe, und auch nur in der Einbilclungskraft existiren 
werde; doch gibt er zu, dass Mengs bei seinem unaufhörlichexl 
Streben, sich demselben zu nähern, und durch seine unter den 
Hauptbestandtheilcn der Kunst gleich vertheilte Kunst wirklich in 
allen dreien vorz__ugl1ch_ geworden sei. Dennoch, fährt Fiorillo 
fort, konnte er seinen Figuren nicht so viel Seele einhauchen, wie 
Balael, nicht so wie Correggio durch die Magie des Helldunkels 
entzücken, nicht durch den Anblick des Fleisches, worin man das 
durchschiinmernde Blut wallen zu sehen glaubt, täuschen wie Ti- 
tian; kurz (r erreichte keinen, und noch weniger übertraf er ei- 
neu von ihnen. Dann beschuldiget Fiorillo unsern Künstler und 
seinen Freund Winckelmann, dass sie unter den Hunstkcnncrn 
Deutschlands eine Seuche verbreitet haben, die er Ideal-Epidemie 
zu nennen beliebt!
        

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