Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1755985
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Mengs , 
Anton 
Rafael- 
und Zeichnungen kaufte damals noch die Kaiserin, theilweise um 
ungeheure Summen. Der Rittexj Azara liess ihm bald nach seinem 
Tode an RafaePs Seite ein Monument setzen, mit der Inschrift: 
 Ant. Baphaeli Mengs 
Pictori philosopho 
Jos. Nie. de Azara Amico suo P, 
MDCCLXXIX,  
Vivit annos LI. Menses III. Dies XVII. 
In vielen Schriften werden die Verdienste dieses Künstlers ge- 
wiirdiget, und besonders von Azara glänzend hervorgehoben, was 
man jetzt nicht mehr nachbetet, wenn man diesem Meister auch 
noch verdientes Recht angedeihen lässt. Azara setzt ihn sogar über 
Rafael, neben Correggio und Titian, das ltauptsiichlichste Vorbild 
nnsers Künstlers. Er findet zu Gunsten seines Freundes zwischen 
beiden einen grossen Unterschied. Nach Azarsfs Ansicht wusste 
zwar Rafael jede sinnliche Erscheinung im Bilde zu fassen, und 
den Einfluss der Seele auf die Iiörper zu bezeichnen, die Bewe- 
gungen der Leidenschaften auszudrücken, und eine schöne Aus- 
wah zutreffen; allein er glaubt nicht, dass sich Rafael je über 
die schöne Natur erhoben habe. In den Madonnen jenes unsterb- 
lichen Künstlers erkennt Azara nur Bildnisse schöner und irischer 
Mädchen von gemeiner Physiognomie und ohne Ausdruck des 
Göttlichen. Dagegen scheinen ihm Menge Madonnen so rvenig 
Menschliches als nur möglich an sich zu haben, aus vielen voll- 
kommenen Theilen zum schönen Ganzen gebildet, von welchem 
alles Uncdle, Ueberfliissigc, alle menschliche Schwachheit entfernt 
sei. Daher glaubt Azara, komme die hohe Idealschönheit in den 
Werken des Künstlers. Dem Rafael gesteht unser Critiker doch 
zu, dass er gefühlvolle Wesen habe malen können, während er 
im Colorite und im Helldunkel wenig geleistet habe. Auch 
von Monotonie spricht er, die ihm in IiafaePs Werken unangenehm 
erschien, in Mengs Bildern findet er den erhabensten Ausdruck, 
die höchste VVahrheit und Harmonie im Colorite, und eine Einsicht 
in die verschiedenen Wirkungen des Lichtes, welche beim ersten 
Anblick die Sinne, und bei näherer Prüfung auch den Verstand 
bezaubern. Der Urbiner, sagtAzara, copirte blos das schöne Sicht- 
bare, der Deutsche that es auch, aber er verbesserte und veredel- 
tc es noch. Jener habe blos dem Verstandc geopfert, dieser aber 
dem Verstande und den Grazien zugleich. Das übertriebene dic- 
ses Lobes leuchtet von selbst ein, und es ist für den besten Freund 
zu viel. 
Lanzi thut von den Werken dieses Künstlers ebentßls rühmliche 
Erwähnung, es fällt ihm aber nicht ein, den Vergleich so hoch 
zu stellen. Er hebt nur das Bild des Cabinetes der Vatikanischen 
Handschriften besonders hervor, Wo nach seiner Ansicht die Lieb- 
lichkeit der Engel, die Grossartiglteit Mnsis und Petri, die reizende 
Farbe, die Rundung, die Uebereinstimmung aller Theile diesen 
Baum zu einer der vorzüglichsten Zierden des Vaticans und Roms 
machen. Lanzi gesteht, dass er diesen IIÜIISlIlEP seines steten YVei- 
terschreitetis wegen bewundert habe. Vcrmöge dieses Strebens, 
fährt Lanzi fort, verfuhr er, obwohl von Vielen für den höchsten 
llllcister erklärt, doch in jedem Werke so, als ob er seine Laufbahn 
eben erst begönne. Er befragte die Wahrheit, ging die Werke 
der ersten Iiunsthelden durch, zergliederte ihr Colorit, untersuchte 
Stück für Stück, um ganz in die Ansichten und den Geist dieser 
grossen Muster einzudringen. Lanzi nennt ihn einen wahrhaft
        

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