Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Meglinger - Müller, Jan.
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1754785
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1755946
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Mengs , 
Anton 
Rafael. 
ben, und seines Ungeschickes, sich in die Verhältnisse des Lebens 
zu fügen. Es verliess ihn desswegetl nie das Misstrauen, da er 
in der Missachtung seiner Vortheile oft zu seinem Nachtheile sich 
hintergangen sah. 
Nach drei Jahren kehrte Ismael Mengs wieder nach Dresden zu- 
riick, wo jetzt König August dem jungen Mengs ein Jahrgeld von 
600 Thlr. bewilligte; dies vornehmlich auf Veranlassung des Sän- 
gers Annibali, dessen Portrait Nlengs in Schnelligkeit und trefflich in 
Pastell gemalt hatte. Dieser fand Gelegenheit, das Bild dem Könige 
zu zeigen, und sogleich musste er den König ebenfalls malen. Er 
war erstaunt über die Geschicklickeit des jungen liiinstlers und be- 
lohnte diesen. Doch nahm Mengs das Jahrgeld nur unter der Be- 
dingung an, dass ihm erlaubt sei, nach Rom zurück zu kehren, 
was ihm der König zum Aerger des Grafen von Bruhl gestattete. 
Jetzt machte er sich mit dem Vater und zwei Schwestern wieder 
auf den Weg nach Rom, wo er seine Studien erneuerte, die Aka- 
demie besuchte, im llospital von Santo Spirito Anatomie hörte, 
 und noch viele andere Dinge verrichtete, die seine Bildung för- 
derten. Zum Spazierengchen hatte die Familie Mengs nur beim 
Mondscheine Zeit; sie wurde von Niemand besucht, ganz igno- 
rirt, weil man sie sogar in Dresden nie, in Rom sehr selten in 
der Iiirche sah. Menge hatte bereits die VVerke der berühmtesten 
Meister gesehen, und jetzt fasste er auch den Entschluss, in eige- 
ner Composition "seine Eiriifte zu versuchen. Er beschloss, eine 
heil. Familie in der Weise IlafaePs zu malen, allein während Ra- 
fael seine heilige Jungfrau gleichsam wie durch höhere Ein- 
gebung malte, so konnte Menge kein Modell zum Iiopfe der heil. 
ungfrau finden. Endlich begegnete ihm ein schönes und eingezo- 
genes Mädchen, die seiner Idee zusagte, und er bat sie, sich von 
ihm malen zu lassen. lYIargaretha Quazzi erschien mit ihren El- 
tern, und noch war das Bild nicht vollendet, als schon beide in 
in Liebe zu einander brannten. Der Vater des Mädchens wollte 
indessen nicht zugeben, dass Mengs als Protestant sie heirathe; al- 
lein Mengs trat 174g mit seiner Schwester zur katholischen Iiirche 
über, und nun war der Ilochzeit nichts mehr im Wege. In dem- 
selben Jahre musste der liiinstler wieder nach Dresden zuriiek, 
denn die bewilligte Zeit war abgelaufen, und mit sich nahm er 
seine besten Bilder, die den König mit solchem Beitalle erfüllten, 
dass er den Iiiinstler mit einem Gehalts von 1600 'l'halerxi zum 
l-Iofnialer ernannte. Zugleich trug er ihm auf, für die 1751 er- 
haute katholische Kirche in Dresden die Himmelfahrt Mariii zu 
'malen, die jetzt den Hauptaltar ziert. Er erhielt die Erlaubniss, 
das Bild in Rom ausführen zu dürfen, allein der siebenjährige 
Iirieg verhinderte die Vollendung, welche erst nach zwvölf Jahren 
in Spanien erfolgte. Mengs verlor auch seinen Gehalt, und da- 
her musste er den Antrag der Cölestiner Mönche annehmen, die 
ihm 200 Scudi boten, wenn er die Decke von St. Euscbio malte. 
Dies war sein erstes Werk in Fresco, einfach in der Compositiou, 
was die meisten Maler kalt nannten , da sie nur an eine überhüufte 
Anordnung gewohnt waren. Das Colorit wurde indessen gelobt. 
Ausser diesem Deckenbilde fertigte er in Rom auch eine Copie 
nach RafaePs Schule von Athen in Grösse dessUi-bildes, für den 
Herzog von Northnmberland gemalt. Jetzt trat indessen fiir ihn 
eine missliehc Zeit ein; der Beifall war viel grösser als das Ein- 
kommen, und somit war es ihm sehr erwünscht, als er einen Ruf 
nach Neapel erhielt, wo ihm der Genuss des Gehaltes eines Hof- 
malcrs zu Theil werden sollte, den ihm aber lntrikcn aller Art.
        

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